
GENNEM LYSETS RUM - Christina Augustesen im Bornholms Kunstmuseum © David Stjernholm
Studio Visit: Nordlicht
Design DE LUXE zu Besuch im Atelier der Tageslichtkünstlerin Christina Augustesen und bei der Ausstellung „The Power Of Daylight“ für VELUX.
Während der „3 Days of Design“ in Kopenhagen wird viel über Möbel, Materialien und neue Kollektionen gesprochen. Umso bemerkenswerter war eine Ausstellung, die sich einem Material widmete, das sich weder anfassen noch besitzen lässt. Tageslicht. Für VELUX entwickelte die dänische Künstlerin, Lichtdesignerin und Architektin Christina Augustesen die Installation „The Power of Daylight”. Im Zentrum der Inszenierung des Dachgeschosses der Gastgeber Pas Normal Studios standen ihre „Daylight Instruments“ – skulpturale Objekte, die Licht nicht darstellen, sondern sichtbar machen. Die Besucher bewegten sich durch Farbverläufe, Reflexionen und Lichtfelder, die sich mit jeder Wolke, jedem Sonnenstrahl und jedem Schritt veränderten. Dabei wurde Tageslicht selbst zum Akteur der Inszenierung.
Wer anschließend den Talk mit Christina verfolgte, verstand schnell: Diese Arbeiten hätten vermutlich nirgendwo anders als in Kopenhagen entstehen können. Denn ihre Kunst erzählt nicht nur von Licht. Sie erzählen von einer Stadt, die Licht seit Jahrhunderten bewusst wahrnimmt.

Daylight Instruments © Christina Augustesen Art Studio

VELUX x 3 Days of Design x Christina Augustesen © Vicki Robson

Colour sketch © Christina Augustesen Art Studio
Eine vom Licht geprägte Stadt
Kopenhagen liegt auf etwa 55 Grad nördlicher Breite. Die Jahreszeiten verändern nicht nur Temperatur und verfügbare Tageslichtmenge, sondern auch die Qualität des Lichts. Sonnenauf- und -untergänge ziehen sich über lange Zeiträume, die Dämmerung scheint endlos und insbesondere die berühmte Blue Hour verleiht der Stadt ihre charakteristische Atmosphäre. Für Christina ist genau dieses Licht seit Jahren Inspirationsquelle und Forschungsfeld zugleich.
„Hier habe ich gelernt, Tageslicht nicht als Beleuchtung zu verstehen, sondern als etwas, das unsere Wahrnehmung von Zeit, Raum und Präsenz beeinflusst“, sagt sie. Besonders prägend sei die Balance zwischen Licht und Dunkelheit. Anders als in vielen anderen Großstädten wird die Nacht in Kopenhagen nicht vollständig verdrängt. Straßen, Plätze und Gebäude sind beleuchtet, ohne dass die Wahrnehmung von Dunkelheit ausgelöscht wird. Sterne, Wolkenformationen und die langsamen Übergänge zwischen Tag und Nacht bleiben sichtbar. Diese Sensibilität für natürliche Rhythmen zieht sich wie ein roter Faden durch ihre Arbeit.

Inspiration © Christina Augustesen Art Studio

Farbexperimente © Christina Augustesen Art Studio
Licht als Erinnerung
Christina beschreibt ihren Arbeitsprozess weniger als Entwerfen denn als Beobachten. Wetterlagen, Wolkenformationen, Lichtstimmungen über dem Meer oder die besonderen Farben eines Sommerabends werden zunächst gesammelt, skizziert und dokumentiert. Sie spricht von „Colour Memories“, von Farberinnerungen. Aus diesen Beobachtungen entsteht über Jahre hinweg ein Archiv atmosphärischer Zustände, das später die Grundlage ihrer Installationen bildet.
Jede Arbeit erhält dabei eine eigene Farbidentität. Nicht als dekorative Farbpalette, sondern als Übersetzung eines konkreten Lichtmoments. So werden die wechselnden Himmel über Kopenhagen, die Reflexionen des Wassers, die langen Dämmerungen und die subtilen Übergänge zwischen Wetterlagen zu räumlichen Kompositionen.

Middelfart Nærhospital Venteværelset © Christina Augustesen Art Studio

Middelfart Nærhospital Venteværelset © Christina Augustesen Art Studio
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Licht als Material
Betrachtet man ihre Arbeiten, könnte man zunächst meinen, es gehe um Farbe. Tatsächlich steht jedoch Licht im Mittelpunkt. Im Gespräch während der Ausstellung erklärte Christina, dass ihre Skulpturen das Ergebnis unzähliger Experimente seien. Licht müsse genauso erlernt werden wie Holz, Stein oder Glas. Ihre Arbeiten bestehen aus transparenten und halbtransparenten Acrylschichten. Die unteren Ebenen lassen das Licht passieren, die oberen absorbieren und reflektieren es zugleich. Durch Überlagerungen entstehen neue Farbräume, Tiefenwirkungen und Übergänge. Sie findet es besonders faszinierend, dass Licht keine eigene Form besitzt. Es wird erst im Zusammenspiel mit Material, Raum und Körper sichtbar.
„Licht sitzt genau an der Grenze zwischen Idee und Realität“, beschreibt sie ihre Faszination. Es folgt physikalischen Gesetzen und bleibt dennoch ständig in Bewegung. Eine Wolke, eine andere Tageszeit oder eine veränderte Perspektive genügen, um einen Raum vollkommen anders erscheinen zu lassen.

GENNEM LYSETS RUM by Christina Augustesen im Bornholms Kunstmuseum © David Stjernholm

GENNEM LYSETS RUM by Christina Augustesen im Bornholms Kunstmuseum
Die Kraft der subtilen Veränderungen
Im Zentrum ihrer Arbeit steht nicht das Spektakuläre, sondern das Unauffällige. Während des VELUX-Talks sprach Christina immer wieder über die Bedeutung von Langsamkeit und Aufmerksamkeit. Viele der Veränderungen, die Tageslicht hervorruft, sind so subtil, dass sie erst sichtbar werden, wenn man innehält. „Die sanften Veränderungen sind oft viel kraftvoller als die spektakulären“, erklärte sie. Wer sich Zeit nimmt, beginnt, die Rhythmen eines Raumes wahrzunehmen: wie das Licht über eine Wand wandert, wie sich die Farben verändern oder wie Schatten Räume strukturieren.
Für Christina sind diese Prozesse nicht nur ästhetisch interessant. Sie beeinflussen auch unser Wohlbefinden. Tageslicht reguliert unseren zirkadianen Rhythmus, wirkt auf das Nervensystem und prägt unsere emotionale Wahrnehmung von Räumen. In einer Zeit permanenter Reizüberflutung wirkt ihre Arbeit deshalb wie eine Einladung zur Entschleunigung.

Colour Instruments by Christina Augustesen for Viborg Kunsthal © David Stjernholm

Colour Instruments by Christina Augustesen for Viborg Kunsthal © David Stjernholm

Colour Instruments by Christina Augustesen for Viborg Kunsthal © David Stjernholm
Zwischen Kunst, Architektur und Tageslicht
Es überrascht kaum, dass Christinas Arbeiten in Dänemark entstanden sind. Sie steht in einer Tradition, die Licht nicht als technische Größe, sondern als räumliche Qualität versteht. Als wichtige Referenzen nennt sie Jørn Utzon und die Bagsværd Kirche bei Kopenhagen, wo Tageslicht durch Geometrie, Materialität und Raumführung inszeniert wird. Auch das Louisiana Museum of Modern Art zählt für sie zu den bedeutendsten Orten der Region. Hier verschmelzen Kunst, Architektur, Landschaft und Licht zu einer Erfahrung, die weit über das klassische Museumserlebnis hinausgeht.
VELUX hat das Thema Tageslicht wiederum über Jahrzehnte zu einem festen Bestandteil der dänischen Architektur- und Designkultur gemacht. Die Zusammenarbeit während der 3 Days of Design war deshalb weit mehr als eine klassische Partnerschaft. Sie machte sichtbar, wie eng Kunst, Architektur und Tageslicht in Dänemark miteinander verbunden sind.

Louisiana Museum of Modern Art © Daniel Rasmussen
Die Farbe des Himmels
Das ist meine Erkenntnis aus der Begegnung mit Christina Augustesen: Licht ist niemals neutral. Es erzählt vom Wetter, von der Jahreszeit, vom Ort und von der Zeit. Es verändert Räume, beeinflusst Stimmungen und prägt die Art und Weise, wie wir unsere Umgebung wahrnehmen. Und vielleicht gibt es nur wenige Städte, die diese Zusammenhänge so selbstverständlich verstehen wie Kopenhagen. Hier wird Tageslicht nicht nur genutzt. Es wird auch beobachtet, gestaltet und gefeiert.
Genau daraus entstehen Arbeiten wie jene von Christina Augustesen: Werke, die uns daran erinnern, dass Licht weit mehr ist als eine Voraussetzung zum Sehen. Es ist eines der stärksten Materialien, mit denen wir unsere Welt erfahren.

GENNEM LYSETS RUM by Christina Augustesen im Bornholms Kunstmuseum © David Stjernholm

GENNEM LYSETS RUM by Christina Augustesen im Bornholms Kunstmuseum © David Stjernholm

GENNEM LYSETS RUM by Christina Augustesen im Bornholms Kunstmuseum © David Stjernholm
Visiting – Christina Augustesen
Christina Augustesen (* 1975) ist Architektin, Lichtdesignerin und Künstlerin. An der Schnittstelle von Architektur, Kunst und Lichtforschung untersucht sie Licht und Farbe sowohl als physikalische Phänomene als auch als emotionale und räumliche Erfahrungsräume. Ihre Arbeiten reichen von skulpturalen Lichtobjekten bis zu großformatigen, ortsspezifischen Installationen. Ausgangspunkt ist dabei stets die Frage, wie Licht Atmosphäre, Wahrnehmung und unser Erleben von Raum beeinflusst. Dabei versteht Christina Licht nicht als Mittel zur Beleuchtung, sondern als eigenständiges Material.
Ihre Werke wurden unter anderem im Bornholms Kunstmuseum, in der Viborg Kunsthal sowie in der Royal Academy of Arts in London ausgestellt und befinden sich in den Sammlungen der Danish Arts Foundation und der New Carlsberg Foundation.
UPCOMING EXHIBITION 14.08 – 26.09.2026 Gallery Lene Bilgrav in Aarhus, Dänemark
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