Design & Interieur

Die Perfektion der Welle: Wie Alvar Aaltos Savoy-Vase zum Mythos wurde

Eine finnische Lederhose als Inspiration, Glasblasen auf Holzpfählen und ein Design, das bis heute in Wohnzimmern und auf Instagram funktioniert: Was steckt hinter der wohl bekanntesten Vase der Welt?

Von Julia Weninger

Normalerweise sind Vasen symmetrisch und stehen brav in der Mitte des Tisches. Als Alvar Aalto zusammen mit seiner Frau Aino 1936 einen Entwurf für das finnische Glaswerk Karhula-Iittala einreichte, machten die beiden alles anders. Statt einer klassischen, runden Form entwarfen sie eine völlig asymmetrische, geschwungene Vase. Das Ergebnis war eine kleine Revolution im Produktdesign.

Der Entwurf hatte ursprünglich einen ziemlich kuriosen Namen: "Eskimoerindens skinnbuxa" (dänisch für "Die Lederhose der Eskimofrau"). Aalto spielte damit auf die geschwungenen Hosen der indigenen Sámi-Frauen an. Gleichzeitig steckt die Form schon in seinem Namen: Aalto heißt schlicht Welle . Ob die Kurven nun an finnische Seen oder an Wellen im Wasser erinnern – der Look traf sofort ins Schwarze.

Auch die Herstellung war ein echtes Experimentierfeld. Die ersten Prototypen baute Aalto, indem er Holzstäbe in den Boden steckte und das glühende Glas direkt dazwischen blies. So entstand die organische Form. Auf der Weltausstellung 1937 in Paris wurde die Vase erstmals der Öffentlichkeit gezeigt – damals noch unter dem Namen „Parisglass“.

"Der große Vorteil im Alltag: Die Wellenform stützt die Blumen von ganz allein. Statt steif in der Mitte zu kleben, fallen die Stängel ganz natürlich nach allen Seiten", so Alvar Aalto.

Vom Luxus-Restaurant zum Bestseller

Ihren heutigen Namen hat die Vase aus der Gastronomie. 1937 richteten Alvar und Aino Aalto das elegante Restaurant Savoy in Helsinki komplett ein. Die Vase gehörte zur Deko und wurde schnell zum Markenzeichen des Hauses. Seitdem kennt man sie weltweit als Savoy-Vase.

© Iittala

Dass die Vase seit über 90 Jahren ohne Unterbrechung von Iittala in Finnland produziert wird, liegt auch an der echten Handarbeit. Um eine einzige Vase herzustellen, braucht es ein Team von sieben Glasbläsern und bis zu 16 Stunden Zeit. Jedes Stück ist dadurch ein Unikat mit ganz leichten, individuellen Unterschieden.

Titelbild: © Iittala

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