(c) Kulm Hotel St. Moritz/ designboom

Kunst & Kultur

Spinnen auf Skipisten, Karussells auf Eis:Was macht Kunst mit dem Winter?

Eine 9-Meter-Spinne mitten auf der Piste. Ein pinkes Karussell, das zum Langsamwerden zwingt. Lichtinstallationen in alten Kraftwerken. Zwischen St. Moritz und Berlin verwandeln Künstler:innen Winter in mehr als nur eine weiße Kulisse.

Von Julia Weninger

Schneekanonen und Après-Ski? Das war gestern. Der Winter wird zur Kunstbühne – und die Alpen sind mittendrin. Von St. Moritz bis Ischgl nutzen zeitgenössische Künstler:innen Schnee, Eis und Berge als Medium. Nicht als Deko, sondern als Statement. Es geht um neue Perspektiven, veränderte Wahrnehmung und die Frage: Wie sieht alpine Zukunft aus?

St. Moritz: Das Anti-Karussell

Ein Karussell, das nicht dreht, um Spaß zu machen, sondern um herunterzubringen. Carsten Höllers Pink Mirror Carousel steht diesen Winter auf dem Eisfeld des legendären Kulm Hotels. Eine Runde dauert exakt zwei Minuten. Das ist bewusst langsam. Während es sich dreht, fängt die Engadiner Landschaft sich in zwölf rosafarbenen Spiegelsegmenten. Hotel, Eisläufer:innen, Besucher:innen selbst.

Beobachten und beobachtet werden fallen zusammen. Die Grenze löst sich auf. Gäste sind nicht nur Publikum, sie werden Teil der Installation. Höller spielt mit Geschwindigkeit und Reflexion – und damit mit der Frage, wie Winter eigentlich erlebt werden soll.

(c) guitarpressoffice

Lech: Himmel als Kunstobjekt

James Turrell macht das Gegenteil von Spektakel. Sein Skyspace Lech liegt auf 1.780 Metern, halb im Berg versenkt. Der Weg führt durch einen Tunnel, dann öffnet sich ein Raum mit umlaufender Sitzbank. Darüber: eine rechteckige Öffnung. Durch sie sieht man Himmel. Das war's. Und genau darum geht's.

Lichtsequenzen ändern subtil Farbe und Atmosphäre. Im Winter, wenn Schnee und Stille alles verstärken, wird die Reduktion radikal. Wenn die Kuppel sich schließt, verschwindet jede Orientierung. Keine Erklärung nötig. Nur zulassen.

(c) Skyspace Lech/ James Turrell

Zell am See: Skulpturen, die bleiben

Während andere Orte auf Events setzen, macht Zell am See Kunst zur Konstante. Seit 1995 gibt es die Galerie auf der Piste auf der Schmittenhöhe. 23 großformatige Skulpturen verteilen sich über den gesamten Berg – entstanden in sechs Symposien mit Künstler:innen aus ganz Europa.

Die Arbeiten nutzen heimische Materialien und sind bewusst für den Raum geschaffen. Kein Pop-up, kein Hype. Einfach Kunst, die da ist. Einer der umfassendsten Freiluftkunsträume Europas – und niemand macht große Werbung damit.

(c) Schmittenhöhe Zell am See

Ischgl: Die Spinne kommt

Noch ist es Planung, aber die Wirkung ist schon jetzt spürbar. Günther Aloys vom Workshop Ischgl will eine neun Meter hohe Nachbildung von Louise Bourgeois' „Maman" auf eine Skipiste stellen. Die Original-Spinne steht in der Tate Modern in London. Kopien gibt es weltweit – aber immer nur in Städten.

Ischgl würde das ändern. Spinne trifft Alpenpanorama. Klingt absurd? Genau darum geht's. Für Aloys ist das eine Reaktion auf den Klimawandel. Wintertourismus muss sich neu erfinden. Kunst kann dabei helfen, andere Narrative zu schaffen. Diskussionswürdig, sichtbar, provokant.

© Workshop Ischgl

Berlin: Winter ohne Berg

Dass Winterkunst keine Höhenmeter braucht, beweist Forest– Winterlights in der Berliner Kunsthalle Dark Matter. Medienkünstler Christopher Bauder hat eine alte Transformatorhalle in eine leuchtende Waldlandschaft verwandelt. Über 600 Bäume hängen kopfüber von der Decke – inspiriert von osteuropäischen Wintertraditionen. Dazu: 250.000 Lichtpunkte.

Eine Eisbahn führt mitten durch die Installation. Besucher:innen gleiten durch choreografierte Licht- und Klangwelten, komponiert vom niederländischen Musiker Chris Kuijten. Reflexionen, Farben, Sound – alles greift ineinander.

(c) Dark Matter Berlin

Newsletter Anmeldung

* Angaben erforderlich

Indem Sie unten auf „Abonnieren“ klicken, bestätigen Sie, dass Ihre Informationen zur Verarbeitung an unseren Newsletter Partner übermittelt werden. Weitere Informationen entnehmen Sie unserer Datenschutzerklärung.