Life & Style

Guter Geschmack endet nicht auf dem Teller: Juan Amador im Design-Talk

Der Dreisternekoch denkt Räume wie seine Gerichte: präzise komponiert, atmosphärisch aufgeladen und immer mit Fokus auf das Wesentliche. Seit einigen Jahren widmet sich der Sternekoch auch der Malerei.

Von Lisi Brandlmaier

„Es muss berühren, ohne sich aufzudrängen. Räume, Objekte, Licht – alles trägt zur Stimmung bei. Und ist dann am besten, wenn man es nicht als Design wahrnimmt, sondern als etwas, das bleibt", so Starkoch Juan Amador.

Für ihn ist Design nie bloße Kulisse. Es ist Atmosphäre, Werkzeug – und immer eine Frage des Gefühls. So wie in seiner Küche nichts zufällig passiert, entsteht auch sein Zugang zu Räumen aus Präzision, Materialbewusstsein und dem Anspruch, dass alles stimmig sein muss. Selbst in der Profiküche, wo Funktionalität oberste Priorität hat, spielt Ästhetik eine zentrale Rolle. Technik und Arbeitsweise müssen zu seinem Kochstil passen, doch die Umgebung beeinflusst unmittelbar die Stimmung – und damit auch das Arbeiten. Edelstahl allein reicht Amador nicht. In seiner Küche treffen ein maßgefertigter Herdblock mit Bronzeoberfläche, Linoleum, Stein und Kunst aufeinander. Funktion und Atmosphäre sind für ihn kein Gegensatz, sondern bedingen einander. Diese Idee zieht sich durch das gesamte Restaurant. Der Raum darf den Fokus nie vom Wesentlichen ablenken: vom Teller. „Die Hauptgeschichte ist am Tisch“, sagt Amador. Genau darin liegt die Herausforderung: eine Umgebung zu schaffen, die ruhig wirkt, ohne beliebig zu sein.

© Lukas Kirchgasser

© Lukas Kirchgasser

Ein prägnantes Detail ist Amadors Vorliebe für runde Tische. Während eckige Formen für ihn Distanz erzeugen, stehen runde für Offenheit und Kommunikation. „Kein Anfang, kein Ende“, beschreibt er. Gerade durch das Runde entsteht so eine andere, verbindende Dynamik. Eine zentrale Rolle spielt auch das Licht. Für Amador ist es eines der stärksten Gestaltungsmittel überhaupt. Es kann Räume ruinieren oder verwandeln. Deshalb wird im Zuge einer größeren Renovierung das Restaurant neu gedacht – vor allem in der Lichtführung. Helligkeit, die dem Essen gerecht wird, trifft auf eine weiche, atmosphärische Grundstimmung. Lichtkegel, Dimmbarkeit und die Wirkung auf Gesichter werden präzise geplant. Denn Licht verändert nicht nur Räume, sondern das gesamte Erleben.

Die Planung beginnt beim Stuhl

Fast noch wichtiger ist für ihn der Stuhl. Oft beginnt seine Planung genau dort. Ein Stuhl muss bequem sein, Beweglichkeit zulassen, gut im Raum funktionieren. Amador bevorzugt drehbare Modelle. Erst danach folgen Farben und Materialien. Sein Stil folgt keiner strengen Linie, sondern dem Prinzip der Mischung. Designklassiker treffen auf Möbel mit Geschichte. In seinem Büro stehen LC2- und LC3-Sessel aus den 70er-Jahren neben Thonet-Freischwingern. Zu geschniegelt, zu perfekt darf es nie werden. Ein Raum soll kein Showroom sein, sondern ein Ort, der mit der Zeit wächst. Dieses Wachstum ist für ihn essenziell. Räume entstehen nicht auf Knopfdruck, sondern entwickeln sich über Jahre – durch Möbel, Kunst und Erinnerungen.

Ein zentrales Stück in seinem Zuhause ist sein massiver Eichentisch, der ihn seit 2006 begleitet und schon mehrere Umzüge überstanden hat. Arbeitsfläche, Esstisch, Treffpunkt – und ein Ort für gelebte Momente. Kein anderes Möbelstück, sagt Amador, berühre er so oft wie diesen Tisch.

Sein persönliches Lieblingsstück ist übrigens ein Messer, das für ihn weit mehr ist als ein Werkzeug. Es handelt sich um ein streng limitiertes Objekt, eines von nur zehn Exemplaren, das mit Eckart Witzigmann verbunden ist. Der Griff ist aus Holz eines Baumes gefertigt, dazu Intarsien aus Kieselstein aus Bad Gastein, Holz aus Vorarlberg – und sogar eine kleine Glaskapsel, in die Blut von Witzigmann in Champagneressig aufgelöst und verkapselt eingearbeitet wurde. Für Amador ist dieses Messer fast wie ein Schrein: hoch emotional, voller Symbolik, handwerklich außergewöhnlich. Ein Gegenstand, der weit über Funktion hinausgeht und zu einem Kunstwerk geworden ist.

© Thonet

Denn gerade die Kunst ist für Amador unverzichtbar. Er sammelt intuitiv, lässt Werke ganz selbstverständlich in den Raum einfließen. Seit einigen Jahren malt er selbst – und sieht darin Parallelen zur Küche: Balance, Farbigkeit, Emotion. Der Unterschied liegt im Tempo. Während Kunst wachsen darf, muss in der Küche der Moment sitzen.

© Amador

Vielleicht lässt sich sein Verständnis von Design so zusammenfassen: Es muss berühren, ohne sich aufzudrängen. Räume, Objekte, Licht – alles trägt zur Stimmung bei. Und ist dann am besten, wenn man es nicht als Design wahrnimmt, sondern als etwas, das bleibt.

Titelbild quer: © Lukas Kirchgasser, hoch: © Inge Prader

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