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Stefanie Heering setzt für das Restaurant Rutz auf Gold, Ton und große Gefühle
Wie das Berliner Drei-Sterne-Restaurant gemeinsam mit der Keramikmeisterin Geschirr zur Bühne für Geschmack macht.
„Das beste Essen braucht eine angemessene Bühne”, sind sich das Drei-Sterne-Restaurant Rutz und Keramikmeisterin Stefanie Hering einig. Für das renommierte Haus in Berlin-Mitte entwickelte die Designerin deshalb eigens eine neue Linie an Fine-Dining-Geschirr. Zum 25-jährigen Bestehen des Restaurants findet sich nun außerdem eine puristische Tasse mit goldenem Rutz-Emblem aus der Hering-Serie im Shop.
Zwei Berliner Institutionen
Nicht nur ihre Verbundenheit zur Hauptstadt eint das Rutz und Stefanie Hering. Beide prägen seit einem Vierteljahrhundert maßgeblich die Entwicklung der gehobenen Gastronomie – das Restaurant mit seiner Küche, Hering mit ihrer Formensprache auf dem Tisch. Für die Zusammenarbeit entstanden ein Teller, eine Schale und ein Becher, abgestimmt auf die Handschrift des Hauses.
Ein Pre-Dessert als Inspirationsquelle
Besonders eng war der Austausch beim neuen Teller. Executive Küchenchef Marco Müller ließ ihn exakt auf eines seiner gefragtesten Pre-Desserts zuschneiden: Berliner Weiße mit Kapstachelbeere. Die Neuinterpretation des Klassikers kombiniert Malzeis aus reduziertem Weißbier mit Physalis in zwei Varianten – einmal klar und frisch-säuerlich, einmal als Gelée, dessen Beeren drei Tage lang mazerieren.

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Wie Form den Geschmack lenkt
„Ein kleiner Gang, der den Gaumen neu ausrichtet und die Sinne schärft, serviert auf unserem neuen Teller von Stefanie Hering. Das Design und die Form hat auch Einfluss darauf, wie Gerichte wahrgenommen und genossen werden. Man soll von oben mit dem Löffel durch die Speise fahren und gleichzeitig alle Aromen und die Haptik aufnehmen.“
Charakteristisch für das Rutz sind Teller mit Mulden. Sie ermöglichen es dem Team, Speisen direkt am Tisch zu vollenden – häufig durch das Übergießen mit Brühen oder Saucen. Dafür braucht es Gefäße, die Dramaturgie nicht nur zulassen, sondern unterstützen.
Ein Stück Rutz für zuhause
Wer nicht in den Genuss eines Restaurantbesuchs kommt, kann dennoch ein Element der Rutz-Welt mitnehmen. Zum Jubiläum ist der begehrte Becher mit der Insignie des Hauses als limitierte Edition im Shop erhältlich. Gedreht in klassischer Form, innen glasiert und außen aus fein geschliffenem Biskuitporzellan, liegt die Tasse angenehm in der Hand. Ein Akzent aus 24-karätigem Gold setzt den bewussten Kontrapunkt. „Dieser wirkt wie eine kleine, präzise gesetzte Markierung – ein ruhiges, elegantes Detail, das der puren Form eine besondere Spannung verleiht“, beschreibt die Keramikmeisterin.

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Streng limitiert
Der Becher ist online in zwei Varianten verfügbar und erscheint nur in exklusiver Stückzahl – ein Sammlerstück für Liebhaber:innen von Design und Haute Cuisine. Auch bei der farblichen Gestaltung gingen Küchenchef und Designerin gemeinsam neue Wege. Für das Rutz ist klar: Reines Weiß passt nicht zur Identität des Hauses. „Zu klinisch“, so das Urteil von Schmidt und Müller. Entsprechend sucht man die Farbe nicht nur beim Geschirr, sondern ebenso bei Tischwäsche oder Fliesen vergeblich.
Die Kraft von „Silent Iron“
Stattdessen entschied man sich für die Glasur „Silent Iron“. Ein spezieller Ton, der bei rund 1400 Grad teilweise schmilzt und so eine markante Oberfläche bildet. Die Designerin erklärt: „So entsteht eine tief strukturierte, fast mineralische Oberfläche, die perfekt zu Marco Müllers Art passt, Gerichte als Landschaften und Texturen zu inszenieren: rau, erdig, archaisch und zugleich präzise.“

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Eine Verbindung mit Geschichte
Rutz-Inhaberin Anja Schmidt schätzt die Arbeiten von Stefanie Hering seit Langem, auch privat. Neben der professionellen Bewunderung verbindet beide Seiten eine Freundschaft, die über Jahre gewachsen ist. Dass daraus eine Kooperation entstehen würde, war letztlich nur eine Frage der Zeit.
Was zusammenpasst, findet sich
„Stefanies Philosophie und die des Rutz ähneln einander stark – es hat sich gefunden, was zusammengehört.“- Inhaberin Anja Schmidt. Für Hering geht es beim Geschirr um weit mehr als Funktion. Ein Teller soll ein Gericht nicht lediglich tragen, sondern es erweitern. „als Bühne, als Rahmen oder als skulpturales Element auf dem Tisch. Genau das verstehe ich unter ,art pieces for the table‘“, erklärt sie.

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