Design & Interieur

Design-Gamechangers: 4 Frauen, die man 2026 auf dem Schirm haben muss

Sie sind mutig, sie sind laut und sie denken Design völlig anders. So revolutionieren Hannah Bigeleisen, Francesca Lanzavecchia & Co. die Branche.

Von Julia Weninger

Es ist Zeit für einen Realitätscheck: Wer das Design von morgen verstehen will, muss auf die Frauen schauen, die es gerade prägen. Wir reden hier nicht von dekorativen Accessoires, sondern von einer radikalen Neugestaltung unserer Lebenswelt. Lange Zeit war die Branche von männlich geprägter Sachlichkeit und „Form follows Function“ dominiert. Doch jetzt weht ein anderer Wind.

Die neue Riege der Gestalterinnen bringt etwas zurück, das lange Zeit als zu „weich“ galt: Empathie, Intuition und eine tiefe, fast schon persönliche Bindung zu Materialien. Ob es um die soziale Kraft von Räumen geht oder um die Frage, wie viel Seele in einem recycelten Rohstoff steckt.

Wer verstehen will, wohin sich das Interior Design bewegt, kommt an den Arbeiten von Hannah Bigeleisen, Francesca Lanzavecchia, Birta Rós Brynjólfsdóttir und Merve Kahraman nicht vorbei. Jede von ihnen steht für eine ganz eigene, kompromisslose Vision.

© Hannah Bigeleisen

Den Anfang macht die in Brooklyn lebende Hannah Bigeleisen, die das Konzept von Möbeln und Licht durch die Brille einer Bildhauerin betrachtet. Seit der Gründung ihres Studios im Jahr 2020 hat sie eine ästhetische Nische besetzt, die ebenso elegant wie verspielt ist. Ihre Entwürfe sind keine bloßen Gebrauchsgegenstände, sondern skulpturale Charaktere, die durch ein tiefes Verständnis von Form, Farbe und Textur bestechen. Dass Schwergewichte wie Architectural Digest und Vogue bereits über sie berichten, ist kein Zufall: Bigeleisen schafft Objekte, die für ein lebenslanges Vergnügen entworfen wurden. Wer ihre neueste Kollektion erleben möchte, sollte sich die WantedDesign ansehen.

© Hannah Bigeleisen

Einen ganz anderen, fast schon philosophischen Weg schlägt Francesca Lanzavecchia ein. Die in Pavia geborene Designerin hat ihre künstlerische Seele durch ein Studium am Polytechnikum in Mailand und der Design Academy in Eindhoven gezähmt – nur um sie im Anschluss in preisgekrönten Projekten wieder freizulassen. Ob in Kooperation mit High-End-Brands wie Hermès und Zanotta oder in ihren neuesten Arbeiten für Radici: Lanzavecchia sucht das Staunen im Alltag. Für sie wird etwa eine Teppichfläche zum Medium, auf dem sie Rhythmen und Bewegungen kartografiert. Ihr Design ist eine ständige Suche nach der Antwort auf die Frage, wie Objekte menschliche Bedürfnisse nicht nur erfüllen, sondern emotional übersetzen können.

© Francesca Lanzavecchia

In den hohen Norden führt uns die Arbeit von Birta Rós Brynjólfsdóttir. Die isländische Produktdesignerin und Mitbegründerin des Studios Flétta ist eine radikale Ästhetin des Realen. Ihr Prozess beginnt nicht am Zeichenbrett, sondern direkt am Material – und oft sind das Ressourcen, die andere längst abgeschrieben haben. Brynjólfsdóttir lässt weggeworfene Industriegüter den Takt angeben und tritt in einen kreativen Dialog mit Werkzeugen und Techniken, um den Wert von Abfall neu zu definieren. Ihr Werk ist ein spielerischer, aber höchst kritischer Reflex auf unsere Materialkultur und fordert uns heraus, Schönheit dort zu finden, wo wir sie am wenigsten erwarten.

© Birta Rós Brynjólfsdóttir

Abgerundet wird dieses Quartett der Visionärinnen durch Merve Kahraman. Ihr Weg führte sie von den Design-Hotspots Mailand und London direkt nach New York, wo sie heute Projekte realisiert, die Handwerk und Charakter auf eine neue Stufe heben. Kahraman versteht Möbel als integrale Bestandteile des Raums, die eine fast schon intime Bindung zum Nutzer eingehen. Ihre Arbeiten sind eine Erweiterung der eigenen Persönlichkeit, ausgeführt durch meisterhafte Handwerkskunst in ihrer Heimat Türkei. Durch die Verwendung ehrlichster, feinster Materialien schafft sie eine Brücke zwischen technischem Geschick und künstlerischer Seele, die in der heutigen Designwelt ihresgleichen sucht.

© Merve Kahraman

Titelbild: © Foscarini/ GiulianoKoren

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