Design & Interieur

WOW!house 2026: Das sind die wichtigsten Interior-Trends aus dem Londoner Design-Labor

Das Konzept ist denkbar einfach und gerade deshalb so erfolgreich: Führende Designstudios und Traditionsmarken bekommen die kreative Carte Blanche, um auf rund 600 Quadratmetern eine lückenlose High-End-Wohnlandschaft zu inszenieren

Von Julia Weninger

600 Quadratmeter, 21 Räume und visionäre Konzepte: Die WOW!house-Ausstellung im Londoner Design Centre Chelsea Harbour gilt als wichtigster Seismograph für High-End-Interior. Statt theoretischer Trends zeigt die Schau reale Räume, die das Luxus-Segment definieren sollen.

Einmal im Jahr mutiert das Design Centre Chelsea Harbour in London zum Epizentrum für kompromissloses Interiordesign. 2026 zeigt die Schau 21 Räume – vom opulenten Entrée über smarte Küchenlösungen bis hin zu experimentellen Rückzugsorten.

Das Ergebnis ist kein steriler Showroom, sondern ein narratives Ideenlabor. Diese vier wegweisenden Raumkonzepte definieren die Strömungen im internationalen Interior-Design.

Kulturelle Identität

Die New Yorker Designerin Young Huh bricht im Benjamin Moore Minhwa Salon mit der austauschbaren Ästhetik internationaler Luxushotels. Sie nutzt ihre koreanischen Wurzeln als konzeptionelles Fundament. Herzstück des Salons sind 55 wandmontierte Boxen, die mit traditioneller koreanischer Volkskunst (Minhwa) von Fromental bemalt sind. Kombiniert wird diese Historie mit extremen Hochglanzlacken von Benjamin Moore in Nuancen wie „Galapagos Turquoise“ und „Citron“. Der Trend geht klar weg vom reduzierten Minimalismus, hin zu Räumen, die Geschichten erzählen und visuelle Reibung erzeugen.

Multifunktionaler Eskapismus

Wie sieht moderner Luxus für urbane Nomaden aus? Tiffany Duggan (Studio Duggan) liefert mit dem Black Edition at Romo Speakeasy Salon die Antwort. Gefragt sind Räume, die mühelos zwischen Homeoffice, privatem Rückzugsort und exklusiver Event-Fläche morphen. Wände, die komplett mit schokoladenbraunem Leinen bespannt sind, sorgen für eine intime, akustisch gedämpfte Atmosphäre. Clou des Raums ist eine versteckte Bar, die sich hinter einer Tapete verbirgt. Luxus definiert sich hier über das Geheimnisvolle und die handwerkliche Flexibilität der Möbel.

Eklektizismus

Im Schlafzimmer-Entwurf von Henri Fitzwilliam-Lay für die Casamance Group (Misia) wird deutlich, dass Textur das neue Ornament ist. Jacquards aus Baumwolle und Leinen treffen auf Art-Déco-Zitate. Besonders auffällig: Der Fokus verschiebt sich radikal an die Zimmerdecke – eine der am häufigsten übersehenen Flächen der Architektur. Mit quadratischen Holzprofilen und eingelegten Betonplatten mit Grünspan-Finish beweist das Studio, dass die Decke maßgeblich über die Tiefenwirkung und Atmosphäre eines Raumes entscheidet.

Human-Centric Tech

Eines der radikalsten Konzepte stammt von Russell Sage Studio. Im immersivem Raum namens Momentarium (in Kooperation mit Nucleus) wird Medientechnologie völlig neu interpretiert. Statt dominanter Bildschirme steht das emotionale Wohlbefinden im Fokus. Akustisch transparente, hauchdünne Vorhänge kaschieren die Soundanlage, während die Wände mit handgestickten Leinentapeten bespannt sind. Das Zentrum des kreisrunden Raums bildet ein überdimensionales Tagesbett von George Smith. Technologie dient hier nicht der Effekthascherei, sondern kreiert eine perfekt isolierte Oase der Ruhe.

Titelbild: © Design Centre London

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