Design & Interieur

Was ist eigentlich Fine Drinking?: „KLEINOD“ veredelt das „PRUNKSTÜCK“ mit einem „SOLITAIRE“

Mit „Prunkstück Solitaire – The Bar Upstairs“ erweitert die Wiener Kleinod-Gruppe ihr bestehendes Konzept um eine zweite, ruhigere Dimension – und schafft einen Ort, an dem Cocktailkultur zwischen Präzision, Atmosphäre und Leichtigkeit neu gedacht wird.

Von Julia Weninger

Mit „Prunkstück Solitaire – The Bar Upstairs“ bekommt das bestehende Kleinod Prunkstück eine neue Ebene – im wahrsten Sinne des Wortes. Während das Erdgeschoss für lebendige Dynamik, Austausch und eine offene Bar-Atmosphäre steht, verfolgt die Galerie darüber einen bewusst reduzierten Ansatz.

Hier verschiebt sich der Fokus: weg vom Trubel, hin zur Konzentration auf das Wesentliche. Der Raum wirkt ruhiger, fast intimer. Licht, Materialien und Inszenierung sind darauf ausgerichtet, Drinks und Handwerk in den Mittelpunkt zu rücken. Es entsteht ein Spannungsfeld zwischen zwei Welten, die sich ergänzen, ohne sich zu wiederholen.

Der Gedanke hinter dem „Solitaire“

Der Name ist kein Zufall. Ein Solitär steht für einen einzelnen, präzise gesetzten Stein – reduziert, klar und gerade deshalb besonders wertvoll. Dieses Prinzip überträgt das Konzept auf die Barkultur: weniger Ablenkung, mehr Fokus, mehr Tiefe.

Die neue Bar versteht sich als Ort, an dem Qualität sichtbar wird, ohne ins Elitäre abzurutschen. David Schober beschreibt es so: „Es geht um großartige Drinks und einen Abend, der sich besonders anfühlt, ohne dass man dafür irgendeine Bar-Etikette kennen muss.“ Genau darin liegt die Stärke des Konzepts: anspruchsvoll, aber zugänglich.

Fine Drinking, neu interpretiert

Im oberen Bereich wird der Drink selbst zur Inszenierung. Statt klassischem Service kommen mobile Bar-Elemente direkt zum Tisch. Ausgewählte Cocktails werden vor den Gästen finalisiert – ein Prozess, der nicht nur sichtbar macht, wie viel Handwerk in jedem Glas steckt, sondern auch eine persönliche Verbindung schafft.

Techniken wie Infusionen, Milchklärung oder das Spiel mit Texturen sind fester Bestandteil – allerdings nicht als Showeffekt, sondern als handwerkliche Selbstverständlichkeit. Oliver Horvath bringt es auf den Punkt: „Wer bewusst in die Welt der Drinks eintauchen möchte, bekommt Tiefe. Wer einfach einen besonderen Abend erleben will, bekommt genau das.“

Drinks als erzählte Geschichten

Die Cocktailkarte folgt diesem Ansatz konsequent. Sie wurde gemeinsam mit externen Konzeptentwicklern erarbeitet und versteht sich weniger als klassische Getränkekarte, sondern als kuratierte Auswahl an Erlebnissen.

Ein Drink interpretiert bekannte Klassiker neu, ein anderer übersetzt kulinarische Erinnerungen ins Glas. So entsteht etwa ein Cocktail, der an ein Butterbrot erinnert, oder eine moderne Variante eines Basilikum-Drinks mit überraschender Textur. Auch internationale Einflüsse finden ihren Platz – etwa durch japanische Aromen oder ungewöhnliche Kombinationen von Süße, Säure und Umami.

Entscheidend ist dabei nicht die einzelne Zutat, sondern das Gesamtbild: Drink, Präsentation und begleitende Elemente greifen ineinander und machen den Genuss vielschichtig.

Internationale Einflüsse, Wiener Charakter

Die Inspiration für das Konzept reicht weit über Wien hinaus. Einflüsse aus internationalen Bar, von Südeuropa bis Mitteleuropa, sind klar erkennbar. Gleichzeitig bleibt die Handschrift der Kleinod-Gruppe unverkennbar: entspannt, charmant und mit einem gewissen Augenzwinkern.

Gerade diese Balance macht den Unterschied. Die Bar will nicht kopieren, sondern übersetzen – globale Trends in eine lokale, eigenständige Form bringen. Fine Drinking wird hier nicht als distanziertes Ritual verstanden, sondern als zugängliches Erlebnis mit Persönlichkeit.

Bildmaterial: © Adrian Almasan

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