Design & Interieur

Weekend Trips: Vier Destinationen mit Design-Faktor

Verlängerte Wochenenden sind die unterschätzte Königsdisziplin des Reisens. Wenig Zeit, maximaler Effekt, sofern die Destination stimmt.

Von Julia Weninger

2026 meint es der Kalender gut mit uns: Strategische Brückentage erlauben Fluchten aus dem Alltag, die sich wie ein ganzer Monat anfühlen, vorausgesetzt, das Setting stimmt.

Wer braucht die Adria, wenn er das „Bayerische Meer“ direkt vor der Tür hat? Am Ufer des Chiemsees hat Stararchitekt Matteo Thun mit dem Chiemgauhof ein Statement in Sachen nachhaltigem Luxus gesetzt. Das Credo: Recycling statt Abriss. Viele Materialien des Vorgängerbaus wurden direkt wiederverwertet, ergänzt durch regionales Holz und Jan-Kath-Teppiche, Kachelöfen der Inseltöpferei Klampfleuthner, Badewannen aus Lärchenholz.

Der Vibe: 28 Suiten, alle mit unverstelltem Seeblick. Man wandelt über handgewebte Teppiche von Jan Kath und blickt aus japanischen Lärchenholz-Wannen dabei zu, wie die Sonne im Wasser versinkt.

Der besondere Moment: Jeden Abend wird die „blaue Stunde“ rituell mit einem Gong eingeläutet – am besten genießt man sie vom privaten Hotelsteg aus.

© Castel Badia

Roxanich, Istrien

In Motovun hat Winzer Mladen Rožanić ein altes K.-u.-k.-Lagerhaus in eine Lifestyle-Herberge verwandelt, die den Geist der italienischen 1960er-Jahre atmet. Das Interior-Design von Tochter Lara Rožanić ist ein eklektischer Mix aus Historie und Zeitgeist.

Der Vibe: Unter dem Hotel hat der gelernte Maschinenbauingenieur fünf Etagen tief in den Fels gegraben, um Platz für seine Weinfässer zu schaffen.

Der Moment: Eine Verkostung im Degustationsraum, während draußen die istrische Hügellandschaft in das goldene Licht des Spätnachmittags taucht.

© Roxanich

Castel Badia, Südtirol

Ein Schloss aus dem Jahr 1000, das im Dezember 2025 als Luxushotel wiedereröffnete. Das klingt nach PR. Ist es aber nicht – denn Null17 aus München hat die Restaurierung mit der nötigen Zurückhaltung betrieben: Fresken blieben, mittelalterliche Fensterformen blieben, mittelalterliche Substanz blieb. Das Mailänder Studio Droulers übersetzte das dann in eine alpine Gegenwartsästhetik aus Naturholz und Samtstoffen, die Ockertöne der Dolomiten aufnehmen. Aldo Melpignano, bekannt aus dem benachbarten Südtirol als Gastgeber mit Gespür, steht hinter dem Projekt.

Der Vibe: Mittelalterliche Fresken treffen auf modernen Samt und Naturhölzer. Es ist ein Ort, der die Schwere der Geschichte durch internationales Hospitality-Know-how (unter anderem von Aldo Melpignano) in pure Eleganz übersetzt.

Der Moment: Der Kontrast zwischen der musealen Stille der historischen Mauern und dem modernen alpinen Komfort am Fuße des Kronplatzes.

© Castel Badia

Babington House, England

1998 eröffnete Nick Jones das Babington House mit einer einfachen These: Londoner wollen Wochenenden auf dem Land – aber nicht auf einem Land, das aussieht wie das 19. Jahrhundert. Ein Grade-II-geschütztes Herrenhaus aus dem Jahr 1705 sprengt die Definition des britischen Landhotels. Das Soho-House-Konzept funktioniert heute besser als je zuvor und fühlt sich im Babington House an wie das Wohnzimmer eines sehr stilbewussten Freundes anfühlt.

Der Vibe: 18 Hektar englisches Hinterland, 33 individuell gestaltete Zimmer und das legendäre Cowshed-Spa (das hier seinen Ursprung nahm). Wer den Stau aus London umgehen will, nutzt den hauseigenen Helipad.

Der Moment: Ein Nachmittag zwischen Cricket-Feld, Tennisplatz und dem beheizten Outdoor-Pool, bevor man sich in die Bibliothek zurückzieht.

© Babington House

Titelbilder: © Castel Badia, © Babington House, © Roxanich

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