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Design & Interieur

Vom Hochgebirge in die Hotellobby: Loden

Vergessen wir kurz alles, was wir über verstaubte Trachtenstuben zu wissen geglaubt haben. Wer durch die Lobbys chicer Hotels gelaufen ist, merkt: Da passiert gerade etwas. Ein Material, das man früher eher bei der Jagd oder beim Wandern verortet hat, besetzt plötzlich die Prime-Time im Interior Design.

Von Julia Weninger

Ein Material, das man früher eher bei der Jagd oder beim Wandern verortet hat, besetzt plötzlich die Prime-Time im Interior Design. Dass Loden heute kein „Oma-Thema“ mehr ist, liegt an Brands wie Formvalt, Hey-Sign, d'Loigoma und der steirischen Manufaktur Steiner 1888. Hier trifft reduziertes Möbeldesign auf einen Werkstoff, der über 130 Jahre Erfahrung im Rücken hat, aber optisch gerade ein massives Comeback feiert.

(c) Loigoma

Der Hype gründet dabei auf weit mehr als nur der Optik. Loden ist im Grunde das originale High-Tech-Gewebe der Natur. Er ist wasserabweisend, extrem robust und – was im modernen Wohnbau oft unterschätzt wird: ein genialer Akustik-Killer. In Zeiten von Sichtbeton und großen Glasflächen ist das Gold wert. Das junge Label Formvalt hat das erkannt und nutzt den Stoff für seine Sitzmöbel nicht als Folklore-Zitat, sondern als Statement für haptische Qualität. Es geht um das Gefühl, wenn man sich in einen Sessel sinken lässt: Es ist warm, es ist echt, und es fühlt sich nach Substanz an.

(c) Formvalt

So funktioniert der Look

Wer den Look zu Hause ausprobieren will, ohne dass es gleich nach Almhütte aussieht, sollte vor allem auf Kontraste setzen. Loden braucht einen kühlen Gegenspieler, um modern zu wirken. Ein Sessel mit Lodenbezug neben einem Beistelltisch aus schwarzem Stahl oder auf einem glatt geschliffenen Estrichboden erzeugt eine spannende architektonische Tiefe. Dabei muss man nicht zwangsläufig bei Moosgrün oder Anthrazit bleiben. Moderne Webereien wie Steiner experimentieren mit Nuancen wie Terracotta, Navy oder sanftem Salbei, was dem Material die traditionelle Schwere nimmt. Zudem ist Loden die ultimative Wunderwaffe gegen Hall: Ob als schwerer Vorhang oder als Wandpaneel, das Material schluckt Schallwellen effizienter als fast jede Kunstfaser und wirkt dabei deutlich edler als funktionale Schaumstoff-Absorber.

(c) Steiner

Auch im Bereich der Accessoires lässt sich das Material hervorragend integrieren, ohne den Raum zu überladen. Es sind oft die kleinen Akzente, die einen Raum „erden“. Labels wie d'Loigoma zeigen etwa, wie man mit Loden-Kissen subtile Textur-Brüche auf glatte Ledersofas bringt. Eine grobe Loden-Decke über einem filigranen Designerstuhl bricht die Strenge, während Accessoires von Hey-Sign beweisen, dass Loden auch als Tisch-Highlight oder Wandelement funktioniert. Der Clou dabei ist: Es wirkt immer wertig, niemals kitschig.

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In den Referenz-Locations von Steiner wie dem Hotel Moar Gut oder dem Happy Filzmoos sieht man bereits, wie das Ganze in der Praxis funktioniert. Dort fungiert der Loden als optischer Anker, der Ruhe in das Design bringt, ohne langweilig zu sein. Auch im urbanen Kontext, etwa im Motel One Salzburg Süd, funktioniert der Stoff perfekt als warmer Kontrast zur Hektik der Stadt. Loden ist damit das Material für alle, die genug von der „Fast-Furniture“-Mentalität haben. Es ist nachhaltig, regional und sieht, vorausgesetzt es ist richtig eingesetzt, wirklich verdammt gut aus.

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