Life & Style

Homestory: Ursula Strauss gibt Dingen eine 2. Chance

Bei Ursula Strauss haben Möbel offenbar ein ziemlich angenehmes Leben. Denn selbst wenn sie alt, abgenutzt oder ein bisschen aus der Mode gekommen sind, droht ihnen nicht automatisch der Sperrmüll. Dafür wohl eher eine zweite Karriere. Vielleicht als Tisch, vielleicht frisch gestrichen – oder, wie bei ihrem ganz persönlichen Lieblingsstück, als kleines praktisches Erinnerungsstück an der Wand.

Von Lisi Brandlmaier

„Ich bin kein Freund davon, sofort alles wegzuschmeißen“, sagt die Schauspielerin. Viel lieber schaut sie, ob sich aus etwas Altem noch etwas Neues machen lässt. Möbeln neues Leben einzuhauchen, Dinge umzufunktionieren und vorhandene Materialien weiterzuverwenden, gehört für sie ganz selbstverständlich zum Wohnen dazu.

Das Ergebnis ist kein Zuhause, in dem man ehrfürchtig auf Zehenspitzen durch perfekt inszenierte Räume hüpft. Strauss beschreibt ihren Einrichtungsstil vielmehr als eine Mischung aus gemütlichem Landhaus und der nötigen Portion Moderne. Holz und Stein mag sie besonders, dazu klassische Stücke, moderne Einschläge und immer wieder Farbakzente. „Clean und spartanisch war es nie“, sagt sie. Und das klingt bei ihr weniger nach einem Geständnis als nach einer Wohnphilosophie.

Überhaupt darf ein Zuhause bei ihr eines ganz ausdrücklich: leben. Vielleicht hat das auch mit ihrer Kindheit zu tun. Strauss wuchs mit drei Brüdern auf - sie war die jüngste. Ein eigenes Zimmer war damals keineswegs selbstverständlich. Den eigenen Wohnstil, erzählt sie, musste sie sich deshalb erst langsam erarbeiten. Heute darf man ihrem Zuhause ansehen, dass darin Menschen wohnen. Stylische Möbel schaut sie sich zwar gerne an – Stücke, bei denen ständig jemand „Bitte nicht angreifen!“ rufen muss, wären angesichts der vielen Kinder, die bei ihr ein und aus gehen, allerdings eher unpraktisch.

Holz, Farbe – und bloß nicht zu steril

Strauss mag gute Materialien, helle und gedeckte Farben, viel Holz – und setzt dazu bewusst bunte Akzente. Da steht dann auch einmal ein rotes Sofa vor einer farbenfrohen Dschungelwand. Weil ohnehin Bilder, Kunst und viele persönliche Dinge die Räume bevölkern, müssen nicht auch noch sämtliche Möbel um Aufmerksamkeit schreien. Ein bisschen Zurückhaltung darf in Form von dezenteren Farben bei den Möbelstücken also durchaus auch sein.

Eine besondere Rolle spielt das Licht. Und hier wird selbst die sonst unkomplizierte Strauss erstaunlich anspruchsvoll. „Licht ist ein so schweres Thema“, sagt sie und erzählt, dass sie die Planung von Lichtquellen durchaus an ihre nervlichen Grenzen bringen kann. Elektropläne überlässt sie lieber anderen, etwa ihrem Mann – um anschließend das Ergebnis präsentiert zu bekommen und ein mehr oder weniger überzeugtes „Okeeee …“ beizusteuern. Oder eben ein klares „Nein“, denn durch ihren Beruf weiß die Schauspielerin schließlich ganz genau, wie sehr Licht die Wirkung eines Raumes verändert. Zuhause liebt sie Tageslicht und, sobald es draußen dunkler wird, indirekte Beleuchtung. Und dann wären da noch die Kerzen. Sehr viele Kerzen. Eigentlich könnte man sagen: Wo bei anderen die Designer-Vase steht, steht bei Ursula Strauss ziemlich wahrscheinlich eine Kerze. „Hauptsache Kerze“, bringt sie es selbst auf den Punkt.

Vom Kellerkasterl zum Lieblingsstück

Und genau damit kommen wir zu jenem Möbel, das wahrscheinlich mehr über Ursula Strauss erzählt als jeder perfekt durchgestylte Designklassiker.

Ihr Lieblingsstück ist ein altes Kastl, das schon lange zum einstigen Familienhaus, in dem sie nun wohnt, gehört. Einst führte dieses allerdings ein deutlich weniger glamouröses Dasein: Es stand im Keller und ihr Vater bewahrte darin Öle auf. Weiß, abgenutzt und, wie Strauss ziemlich ungeschönt selbst sagt, „schiach“ war es lange Zeit vor allem aber eines: praktisch.

Heute hängt es prominent im Haus und sieht – wie auf dem Foto – völlig anders aus: Der cremefarbene, bewusst abgewetzte Rahmen trägt noch sichtbar seine Vergangenheit, dunkles Grün setzt Akzente und die Tür wurde mit einem botanischen Blumenmotiv gestaltet. Shabby Chic, aber mit echter Geschichte statt künstlich erzeugter Patina. Hinter der Tür verbirgt sich Stauraum – und natürlich finden sich auch hier wieder Kerzen.

Verwandelt wurde das alte Kellerkastl von dem eng mit Ursula Strauss befreundeten Upcycling-Duo „AufWIEDERSCHÖN“. Ausgerechnet dieses Stück gehörte zu ihren ersten Arbeiten. Strauss kaufte ihr eigenes Familienmöbel schließlich zurück – und machte damit aus einem unscheinbaren Gebrauchsgegenstand ein Erinnerungsstück.

Warum es ihr so viel bedeutet, hat wenig mit seinem materiellen Wert zu tun. Das Kasterl erinnert sie an ihren Vater und an die Stunden, die sie mit ihm im Keller verbracht hat. Gleichzeitig steht seine Verwandlung für etwas, das sich durch ihren gesamten Wohnstil zieht: Nicht alles, was alt, gebraucht oder nicht mehr besonders hübsch ist, muss verschwinden. Manchmal braucht es nur eine neue Idee. Aus einem Gegenstand, an dem man jahrzehntelang vermutlich ziemlich achtlos vorbeigegangen ist, wurde ausgerechnet jenes Stück, an dem heute ihr Herz hängt.

Ein Zuhause darf Erinnerungen haben

Diese Einstellung findet man auch an anderen Stellen im Haus. Eine afrikanische Truhe, ein Erbstück, für das lange niemand so recht eine Verwendung wusste, wurde kurzerhand zsum Tisch umfunktioniert. Glasplatte darauf, Fotoalben darunter – fertig ist ein Möbelstück, das nicht nur funktioniert, sondern Geschichte mitbringt.

Vielleicht ist genau das der rote – oder in diesem Fall wohl eher grüne – Faden ihres Zuhauses: Es geht weniger darum, ob etwas gerade im Trend liegt, sondern darum, ob es etwas erzählt. „Menschen immer vor Möbel oder Räumen“, sagt Strauss über ihre Vorstellung von Zuhause. Für sie ist ihr Familienhaus ein Ort der Zusammenkunft, der Sicherheit und der Erinnerung an ihre Eltern. Ein Platz, der sie erdet – gerade in einem Beruf, in dem vieles, wie sie selbst sagt, „Schall und Rauch“ sein kann.

Dazu passt auch der Garten: bunt, vielfältig, mit Kräutern, Wiese, Insekten, Tieren und gerade so viel Ordnung, dass man einen Stil erkennt, ohne dass die Natur dafür strammstehen muss. Auch hier denkt Strauss in Kreisläufen, beschäftigt sich mit Schattenplätzen, Bäumen -„es gibt wohl kaum eine sinnvollere Arbeit als Bäume zu pflanzen“, sagt sie selbst - Wasserverbrauch und sogar mit einer möglichen Aquaponik-Anlage.

Perfektion scheint in diesem Zuhause ohnehin ein eher überschätztes Konzept zu sein. Dafür gibt es Erinnerungen, Bücher, Musik, gutes Licht, Holz, Farbe, Garten, Kerzen – und Möbel, die ruhig zeigen dürfen, dass sie schon ein Leben vor diesem Leben hatten.

Und vielleicht ist das alte Kellerkasterl deshalb das perfekte Lieblingsstück für Ursula Strauss: Es ist nicht makellos. Es war nicht teuer. Es wurde nicht gekauft, weil es gerade angesagt war. Es war einfach immer da.

Die neue Reihe 'Tiroler Blut' der beliebten Schauspielerin Ursula Strauss startet mit zwei Folgen am 05. und 12.10.26 im ORF sowie am 08. und 15.10.26 in der ARD und dem ORF. Zeitnah ist sie in Österreich in der Kinodokumentation ’Nöstlinger' ab dem 16.10.26 zu sehen. Auch erscheint am Anfang diesen Herbstes ihr drittes Album mit Ernst Molden 'Nochdvegl' am 19.09.26.

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