© Mads Smidstrup/ARoS

Architektur & Immobilien

Platz für Sehnsucht

Manche Räume kann man betreten, andere existieren nur als digitale Vision. James Turrell und Marius Troy zeigen auf unterschiedliche Weise, dass nicht Architektur allein einen Ort entstehen lässt, sondern das Gefühl, das er in uns auslöst.

Lange galt Architektur als etwas, das gebaut, betreten und erlebt werden muss. Doch digitale Gestaltung verschiebt diese Grenze: Räume können heute entstehen, bevor sie überhaupt einen physischen Ort bekommen. Sie beginnen als Idee, als Vorstellung – und erzählen dabei viel darüber, wonach wir uns sehnen. In der Designwelt stellt sich deshalb die spannende Frage: Was macht einen Ort eigentlich zu einem Ort, an dem wir uns wohlfühlen? Ist es seine Architektur, seine Umgebung oder vielmehr das Gefühl, das er in uns auslöst?

James Turrells neuer Skyspace As Seen Below – The Dome wurde im Juni 2026 im ARoS Aarhus Art Museum eröffnet. © Mads Smidstrup/ARoS

Die Faszination für solche Räume reicht heute längst über Museen hinaus. Welche faszinierenden Welten durch das Zusammenspiel von künstlerischer Vision und künstlicher Intelligenz entstehen können, zeigt Marius Troy mit seinem imaginären Lichterfestival Le Festival du Soleil. Die digitale Inszenierung begeistert derzeit Millionen Menschen im Internet – und das nicht, weil sie besonders futuristisch wirkt, sondern weil sie eine ungewöhnliche Ruhe ausstrahlt. Seine digitalen Räume laden dazu ein, innezuhalten. Warme Lichtstimmungen, organische Formen und offene Landschaften lassen Architektur nicht als Hauptdarsteller erscheinen. Vielmehr fügt sie sich unaufgeregt in ihre Umgebung ein. Große, scheinbar grenzenlose Flächen wirken plötzlich vertraut und überschaubar. Weite Dünen werden zum Wohnzimmer, das Meer zum privaten Swimmingpool.

Greifbare Nähe

Dass Räume weit mehr sein können als gebaute Architektur, zeigt James Turrell seit Jahrzehnten mit seinen Skyspaces. Mit As Seen Below – The Dome hat der Künstler im Juni 2026 im ARoS Aarhus Art Museum Dänemark einen neuen Skyspace geschaffen, der den Blick auf den Himmel zum zentralen Gestaltungselement macht. Zur Eröffnung kamen rund 3.000 Besucherinnen und Besucher zusammen, begleitet von Konzerten und einem eigens inszenierten Twilight-Erlebnis bei Sonnenuntergang. Durch das gezielte Zusammenspiel von Licht, Farbe und Architektur verändert sich die Wahrnehmung des Raumes stetig. Die Natur wird dabei nicht nachgebildet, sondern durch die Gestaltung des Raumes neu erfahrbar gemacht.

James Turrell und Marius Troy zeigen auf unterschiedliche Weise, dass besonders faszinierend oft nicht die unrealistischsten Entwürfe sind, sondern jene Räume, die sich überraschend nah anfühlen. Gerade die Mischung aus Fantasie und Vertrautheit macht ihre Wirkung aus. Sie erzählen weniger von einer perfekten Zukunft als von einem Ort, an dem Menschen ankommen können. Die Begeisterung für solche Räume verrät auch etwas über unsere eigenen Bedürfnisse. Zwischen einer Flut an visuellen Reizen suchen wir nicht unbedingt nach mehr Spektakel, sondern nach Räumen, die Ruhe und Geborgenheit ausstrahlen.

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