
(C) Baccarat/Saskia LAWAKS
Paris 2026: An diesen Design-Trends kommt niemand vorbei
Zwischen Paris Design Week 2026, Paris Déco Off and Maison & Objet wurden in diesen Tagen die Regeln für das Wohnjahr 2026 neu geschrieben. Eines vorweg: Vergessen Sie kühle Zurückhaltung.
Paris hat sich in diesen Tagen wieder einmal als das unangefochtene Epizentrum der Wohnkultur bewiesen. Während die Stadt von den kreativen Impulsen der Paris Déco Off und der Maison & Objet regelrecht überflutet wird, zeichnet sich ein deutlicher Wandel ab. Wir lassen die Ära der glatten, austauschbaren Oberflächen hinter uns und treten ein in eine Welt, die Geschichte, Handwerk und radikale Transformation feiert.
Ein Name, der in diesem Jahr über allem schwebt, ist Harry Nuriev. Der zum Designer des Jahres 2026 gekürte Visionär stellt in der Maison Baccarat alles auf den Kopf, was wir über Luxus zu wissen glaubten. Sein Konzept des Transformismus ist eine Einladung, den Wert der Dinge neu zu verhandeln. Im Zentrum seiner Ausstellung steht ein radikal umgestalteter Zénith-Kronleuchter, der die Grenzen zwischen Kunst und Alltagsgegenstand auflöst. Nuriev integriert scheinbar banale Fragmente wie Flaschenverschlüsse, CDs und Stifte in das kostbare Kristallgefüge. „Es war mir eine große Freude, diese Brücke zwischen der Geschichte von Baccarat und seiner Moderne zu schlagen. Ich verstehe sie als eine Botschaft für die Zukunft“; SO Harry Nuriev. Es sei ein Plädoyer für die Erhaltung von Erinnerungen und eine Absage an die Wegwerfgesellschaft, die den Kristall nicht mehr nur als Statussymbol, sondern als konzeptionelles Medium begreift.

(C) Baccarat
Referenzen der Vergangenheit
Dieses Spiel mit den Referenzen der Vergangenheit setzt sich bei Dedar fort. Die Kollektion 2026 ist ein meisterhafter Dialog zwischen historischer Tiefe und zeitgenössischer Abstraktion. Die Mailänder Textilspezialisten blicken weit zurück in die Tapisserietradition und kombinieren diese mit kaledoskopischen Mustern, die eine klare Hommage an die Architektur des Centre Pompidou darstellen. Doch Dedar geht noch weiter: Kosmische Einflüsse, die an Sternbilder und antike Hieroglyphen erinnern, treffen auf Texturen von fast schwindelerregender Opulenz. Von fließenden Satin-Stoffen bis hin zu handgefertigter Rohseide entsteht ein haptisches Erlebnis, das beweist, dass moderne Stoffe die Kraft haben, Räume nicht nur zu dekorieren, sondern sie zu beseelen.

(C) Dedar
Einen ähnlich respektvollen und doch mutigen Umgang mit dem Erbe pflegt Alexia Leleu. Mit der Präsentation Classiques Modernes führt sie Maison Leleu in eine Ära, die das Art-Déco-Erbe der Familie mit einer beispiellosen gestalterischen Freiheit verbindet. Ikonen des Hauses wie die Chaiselongues Ève und Marilyn wurden neu interpretiert und in moderne Gewänder, vorzugsweise aus Dedar-Stoffen, gehüllt. Die Zusammenarbeit mit der Spaceless Gallery und die Integration von zeitgenössischem Schmuck zeigen, dass Haute Décoration im Jahr 2026 keine isolierte Disziplin mehr ist, sondern ein lebendiger Austausch zwischen Kunsthandwerk, Materialität und modernem Ausdruck.

(C) Leleu
Flexibilität und soziale Vitalität
Dass Design heute mehr denn je auf unsere sich wandelnden Lebensstile reagieren muss, zeigt Luca Nichetto für Ginori 1735. Seine Domus-Kollektion bricht die starren Grenzen zwischen Drinnen und Draußen endgültig auf. Die Möbel und Objekte sind so konzipiert, dass sie nahtlos zwischen verschiedenen Umgebungen – vom Garten über die Lounge bis zum Home-Office – wechseln können. Ein besonderes Highlight ist der Stuhl LaVenus, eine skulpturale Neuinterpretation klassischer Sesselformen. Nichetto formuliert hier eine ganzheitliche Vision des zeitgenössischen Wohnens, die ebenso spielerisch wie elegant ist und dem Bedürfnis nach Flexibilität und sozialer Vitalität gerecht wird.

(C) Ginori 1735



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