
Die neue Architektur besteht aus Licht
Beton, Holz, Naturstein? Klar. Doch die spannendsten Gebäude setzen heute auf einen anderen Baustoff: Licht. Es formt Räume, lenkt den Blick und sorgt für jene Wow-Momente, die im Gedächtnis bleiben.
Vergessen Sie klassische Kronleuchter! Von Lasvit bis James Turrell: Internationale Designer:innen beweisen, dass Licht längst nicht mehr nur Atmosphäre schafft, sondern selbst zum wichtigsten Gestaltungselement moderner Gebäude geworden ist.
Wie spektakulär das aussehen kann, zeigen internationale Hotels, Flagship-Stores, Museen und High-End-Residenzen. Dort hängt längst nicht mehr einfach eine Designerleuchte von der Decke. Stattdessen schweben leuchtende Skulpturen durch Atrien, ziehen sich Installationen über mehrere Etagen oder verwandeln ganze Räume in immersive Erlebniswelten. Licht macht heute nicht nur Atmosphäre. Es macht Architektur.
Besonders sichtbar wird dieser Wandel in internationalen Hotels, Flagship-Stores, Museen und exklusiven Wohnprojekten. Dort hängt längst nicht mehr einfach eine Designerleuchte von der Decke. Stattdessen schweben Lichtskulpturen durch Atrien, ziehen sich Installationen über mehrere Etagen oder verändern die Wirkung ganzer Räume. Licht ist nicht länger Ausstattung, sondern ein Baustoff.
Lichtskulptur
Kaum ein Studio treibt diese Idee so konsequent voran wie Lasvit. Das böhmische Glas- und Lichtatelier entwirft keine klassischen Leuchten, sondern spektakuläre Installationen, die Lobbys, Fassaden und öffentliche Räume prägen. Gemeinsam mit Namen wie Zaha Hadid, Daniel Libeskind oder Nendo entstehen Projekte, in denen Glas, Licht und Architektur zu einer Einheit werden. Selbst der Firmensitz im nordböhmischen Nový Bor folgt diesem Prinzip: Ein historisches Glasmacherareal wurde dort in eine begehbare Lichtskulptur verwandelt.

© Lasvit
Doch Lasvit ist längst nicht allein. Weltweit arbeiten Studios daran, Licht neu zu denken – nicht als dekoratives Extra, sondern als festen Bestandteil moderner Architektur.
Bocci etwa lässt Hunderte mundgeblasene Glaskugeln frei im Raum schweben. Das Ergebnis erinnert weniger an klassische Leuchten als an leuchtende Wolken. Die Installationen ziehen sich durch Treppenhäuser, Galerien und Eingangsbereiche – und verändern Räume oft stärker als Wände oder Möbel.
Auch Dunkelheit wird gestaltet
Dass Lichtdesign inzwischen eine eigene architektonische Disziplin ist, zeigt das Londoner Büro Speirs Major. Bereits in den 1990er-Jahren prägten die Lichtplaner den Begriff „Light Architecture“. Ihr Ansatz: Architektur beginnt nicht erst bei Wänden und Decken, sondern dort, wo Licht einen Raum überhaupt lesbar macht. Zu den Projekten des Studios zählen die St. Paul’s Cathedral, der Londoner Wolkenkratzer The Gherkin und internationale Flughäfen. Dabei spielt nicht nur Helligkeit eine Rolle. Auch Dunkelheit wird ganz bewusst gestaltet.
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© Lasvit
Der amerikanische Künstler James Turrell geht noch einen Schritt weiter. Seine Werke werden nicht von Licht beleuchtet – sie bestehen daraus. In seinen begehbaren Installationen lösen sich Wände, Kanten und Dimensionen optisch auf. Was bleibt, ist eine intensive Erfahrung zwischen Raum, Farbe und Wahrnehmung.
Wie poetisch Hightech aussehen kann, beweist Studio Drift. Für die Serie „Fragile Future“ kombiniert das niederländische Designerduo echte Löwenzahnsamen mit LED-Technologie. So entstehen filigrane Lichtlandschaften, in denen Natur und Technik beinahe schwerelos miteinander verschmelzen.

© Wonderglass
Räumliches Erlebnis
Auch Apparatus Studio denkt Licht konsequent architektonisch. Messing, Naturstein, Leder und mundgeblasenes Glas werden zu monumentalen Installationen, die eigens für Hotels, Restaurants oder private Residenzen entstehen. Die Räume wirken dadurch fast wie Bühnenbilder. Die Leuchte steht nicht einfach im Raum – sie bestimmt ihn.
An der Schnittstelle von Design, Kunst und Architektur arbeitet schließlich WonderGlass. Gemeinsam mit internationalen Designerinnen und Designern entstehen auf Murano gefertigte Glasskulpturen, die Licht nicht einfach verteilen, sondern daraus ein räumliches Erlebnis formen.
Titelbild: © Lasvit

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