Design & Interieur

Die coolsten Möbel der 1980er

Als Design den Mut hatte, so richtig unvernünftig zu sein.

Von Julia Weninger

Das Jahrzehnt der Schulterpolster, Synthesizer und rasanten technologischen Aufbrüche ist längst in den Geschichtsbüchern gelandet, doch in der Gestaltung unserer Gegenwart ist es lebendiger denn je. Während die Mode der 80er Jahre fast zyklisch die Laufstege von Paris bis New York zurückerobert, bleibt die Frage: Wie steht es eigentlich um das Interior-Design jener Ära? Sind die Bilder in unseren Köpfen noch immer von starren Klischees oder schrillen Neon-Röhren geprägt? Wer genauer hinsieht, erkennt, dass sich hinter der Fassade der Popkultur eine der mutigsten und internationalsten Epochen der Designgeschichte verbirgt.

Es war ein Jahrzehnt, das die festgefahrenen Vorurteile über „guten Geschmack“ weltweit mit einer ordentlichen Portion Anarchie aushebelte. Ein einheitlicher Stil lässt sich dabei kaum festmachen.

(c) Bonhams

Man liebt oder hasst es

Ein perfektes Beispiel für diesen radikalen Aufbruch ist der Memphis-Tisch „Peninsular“ aus dem Jahr 1982, entworfen vom US-amerikanischen Designer Peter Shire. Den Mitgliedern der legendären, in Italien gegründeten Memphis-Gruppe war das Dogma der „guten Form“ schlichtweg egal. Ihnen ging es nicht darum, ästhetische Gefälligkeit zu produzieren, sondern Alltagsgegenstände radikal von alten Prämissen wie „Form follows Function“ zu befreien. Memphis war ein Befreiungsschlag gegen jede Systematik und ein Spiel mit globalen Einflüssen. Noch heute überrascht und „schockiert“ dieser Anblick eines lollipopbunten Phantasialands, das die Grenze zwischen Möbelstück und Kunstobjekt komplett auflöst. Es ist ein Design, das keine Kompromisse kennt: Entweder man verfällt seinem spielerischen Charme sofort, oder man lehnt die bewusste Disharmonie ab.

(c) Ingo Maurer

Leuchte Bibibibi

Einen ganz anderen, fast schon poetischen Weg schlug der Licht-Visionär Ingo Maurer mit seiner Leuchte Bibibibi ein. Die Entstehungsgeschichte liest sich wie eine surreale Anekdote des internationalen Design-Zirkus. Ursprünglich als Hochzeitsgeschenk geplant, begann Maurers Prozess ganz profan in einem Supermarkt. Auf der Suche nach einer Dekoration für sein Auto stieß er auf die Überreste eines ausverkauften Sortiments: Ein Paar knallroter Storchenbeine aus Plastik war alles, was noch übrig war. Er griff zu und kombinierte diese trivialen Fundstücke später mit einem schwarzen Metallschirm und einem feinen Porzellanteller, der das Licht reflektiert. Das Ergebnis war Bibibibi, eine Lampe, die technisches Raffinement mit absurdem Humor verbindet. Der weiße Porzellanteller erzeugt ein angenehm blendfreies, indirektes Licht und dient gleichzeitig als Ablage für kleine Schätze, während die Neigung des Leuchtmittels individuell eingestellt werden kann. Was als improvisiertes Geschenk begann, feierte auf der Mailänder Messe als Serienprodukt Weltpremiere und bewies, dass exzellentes Design oft dort entsteht, wo der Ernst des Lebens eine Pause macht.

(c) Galerie Maurer

Architektonische Bodenleuchte

Dass die 80er auch eine architektonische, fast schon monumentale Seite hatten, zeigt der WWF Tower von Matteo Thun und Andrea Lera. Thun, selbst Mitbegründer der Memphis-Gruppe entwarf diese Bodenleuchte 1985 als Teil der „Stillight“-Serie für Bieffeplast. Inspiriert von den Formen befestigter Architektur, wirkt die Leuchte aus grau lackiertem, teils perforiertem Stahl wie ein monolithisches Gebäude im Miniaturformat. Sobald man den markanten roten Schalter betätigt, entsteht durch das durchscheinende Licht ein Eindruck, der an eine nächtliche Skyline einer Metropole erinnert.

Titelbilder (c) generiert mit KI

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