
Der Garten als essbares Gesamtkunstwerk
Zeitgenössische Gartenarchitektur vereint Intelligenz. Hochbeete werden zu architektonischen Blickfängen, Spalierobst zu lebendigen Skulpturen. Foodscaping nennt sich dieser Trend, der die strikte Trennung zwischen Zier- und Nutzgarten aufhebt. Das Ergebnis: Gärten, die das ganze Jahr über schön anzusehen sind und frische Zutaten für die Outdoor-Küche liefern.
Jahrelang dominierten perfekt gestylte Gärten mit geometrischen Formen, strengen Linien und designten Naturflächen, nicht selten von Steinmauern, schönen Trittplatten und praktischen Umrandungen aus Naturstein eingefasst oder optisch durchbrochen. Doch seit einiger Zeit vollzieht sich ein Wandel.
Die neue Gartenkultur
Die Sehnsucht nach natürlicheren, klimaresilienten und pflegeleichten, aber gleichzeitig ästhetisch durchdachten Gärten prägt die Wünsche vieler Gartenbesitzer. Zusätzlich kristallisiert sich in der letzten Zeit aber ein neuer, ähnlich hoher Designanspruch in Bezug auf den Nutzgarten heraus.
Während in den vergangenen Jahren aufgrund ihrer einzigartigen Wuchsformen geradezu skulpturale Solitäre einerseits sowie optisch anmutend gestaltete Hochbeete mit Kräutern und Gemüse andererseits zu wahren Hinguckern in der Gartenarchitektur wurden, aber doch selten Seite an Seite stehen durften, verschwimmt nun immer öfter die strikte Trennung zwischen Zier- und Nutzgarten.
Darüber hinaus beobachten renommierte heimische Gartengestalter eine verstärkte Individualisierung der Gartenwünsche. „Ein Garten entsteht nicht nach einem allgemeinen Stiltrend, sondern aus dem Zusammenspiel von Architektur, Natur und den persönlichen Vorstellungen der Auftraggeber“, erzählt Hubertus Lederleitner. „Grundsätzlich verstehen wir den Garten als Erweiterung des Wohnraums, entsprechend orientiert sich unser Design am Charakter des Hauses. Ist die Architektur modern und reduziert, wird auch der Garten meist klar und zurückhaltend umgesetzt. Bei einer verspielten, historischen Villa punktet eher ein klassischer Garten mit freien Formen und geschwungenen Linien.“
Für Landschaftsplaner Bernhard Kramer gibt es zwar weiterhin übergeordnete Trends respektive Strömungen in der Gartenarchitektur, im Detail wird die Gestaltung hingegen individuell auf die Eigentümer und die Besonderheiten des Raums abgestimmt. „Generell ist dies abhängig von Ort und Objekt, der übergeordneten Gestaltungsidee sowie den inhaltlichen Eckpfeilern im Konzept.“ Dennoch assoziiert er Garten immer mit Natur – wenn auch mit lebendigen Elementen inszeniert. „Und genau hier können Eingriffe den Charakter des Gartens steuern! Jedenfalls erfreuen sich natürlich anmutende Bereiche größerer Beliebtheit, wobei die bedachte Auswahl der Pflanzen in Abstimmung auf die Formensprache des Gartendesigns maßgebend ist.“
Natürlich strukturiert
Trotz der neuen Leichtigkeit in der Gartenbepflanzung braucht es durchaus Strukturen. Jedoch folgen Poolbereich, Terrasse, definierte Beete und Rückzugsbereiche, aber auch die Anordnung der Pflanzen natürlicheren Mustern als früher.
Statt monokulturaler Rasenflächen entstehen artenreiche Wiesen, statt akkurat geschnittener Hecken prägen locker wachsende Sträucher das Bild, statt exotischer Zierpflanzen rücken heimische und mediterrane Gewächse in den Fokus.
Der Klimawandel spielt dabei eine zentrale Rolle. Längere Hitzeperioden, Starkregenereignisse und Trockenheit zwingen zu einem Umdenken. Gartenfreunde wünschen sich Pflanzen, die mit diesen Extremen umgehen können, ohne ständige Pflege zu benötigen. Gleichzeitig soll die eigene Gartenoase ein Urlaubsgefühl vermitteln: mediterranes Ambiente sowie südländisches Flair.

© Lederleitner
Bei der Bepflanzung setzt Lederleitner auf „Weniger ist mehr“. Großflächige, meist trockenheitsliebende Staudenflächen bringen die gewünschte pflegeleichte Eleganz.
Auch ist der Garten längst weit mehr als das Wohnzimmer im Freien geworden. Aufgrund des wärmeren Klimas zieht es Groß wie Klein früher nach draußen. Aus dieser Entwicklung entstehen unterschiedliche Bereiche mit hoher Funktionalität für ein neues Lebensgefühl. Die heute modernst ausgestattete Outdoor-Küche auf der überdachten Terrasse wird zum geselligen Mittelpunkt für die ganze Familie und den Freundeskreis. Gemütliche Lounge Areas mit superbequemen Sofalandschaften laden zum Chillen ein, ruhigere, geschützte Rückzugsorte verwandeln sich zum Gardenoffice, die ehemalige Spielwiese der Kinder wird zur Poollandschaft mit Outdoor-Sauna, luftig bepflanztem Sonnenliegeplatz und Yoga-Deck.
Geht der Tag in den Abend über, werden verglaste Pergolen zur Bühne, die dank atmosphärischer Gartenbeleuchtung, Feuerschale oder Panoramafenstern auch nach Sonnenuntergang und selbst bei schlechtem Wetter einen Lebensstil inmitten der Natur vermitteln.
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© Nentwich Gartenbau
Auch bei Nentwich Gartenbau spielen Wohngärten und Outdoor-Möbel eine immer größere Rolle. „Oft sitzen Menschen schon im Februar bei den ersten Sonnenstrahlen draußen im Garten, und die Saison reicht durchaus bis in den Oktober hinein. Deshalb müssen Möbel und Bepflanzungen robust und langlebig sein. Was früher eher typisch im mediterranen Raum war und bei uns tendenziell weniger üblich, prägt heute unsere Konzepte – in denen alles, von der Outdoor-Küche bis zur indirekten Beleuchtung, harmonisch abgestimmt wird“, präzisiert Michaela Nentwich.
Design im Nutzgarten – wenn Ästhetik auf Kulinarik trifft
Einer der bemerkenswertesten Trends ist der Wandel des Nutzgartens von der pragmatischen Gemüseecke hin zum gestalterischen Highlight.
So werden Hochbeete, gefertigt aus Cortenstahl, Naturstein, verzinktem Metall mit Patina respektive hochwertigem Lärchenholz bewusst als architektonischer Blickfang ins Gesamtdesign integriert.
Mediterrane Kräuter oder fruchtige Beeren finden sich in eleganten Pflanztrögen aus Beton oder per Hand gefertigter Keramik wieder, die gleichzeitig als Raumteiler fungieren.
Auch die Auswahl der Pflanzen folgt zunehmend ästhetischen Kriterien. Mangold mit seinen bunten Stielen, violette Kohlsorten und ornamentale Kürbisse bilden Kontraste zu Ziergräsern. Obstbäume als Spalier werden zur lebendigen Skulptur an der Hauswand, und blühende Kräuter wie Salbei, Oregano, Thymian oder Lavendel säumen Wege und zieren Terrassen.
Die Grenzen zwischen Zier- und Nutzgarten verschwimmen – ein Phänomen, das als Foodscaping bezeichnet wird. Gemeint ist damit die Integration essbarer Pflanzen in ästhetisch durchdachte Landschaftsgestaltung.
Gerade in Zeiten, in denen top ausgestattete Outdoor-Küchen einen Boom erleben, vereint Foodscaping mehrere Ansprüche: Der Garten bleibt das ganze Jahr über attraktiv, liefert gleichzeitig frische Zutaten für die Küche und fördert die Biodiversität.
„Auch hier spielt die Architektur der Immobilie eine wichtige Rolle. Je nach Umfeld entscheidet man das Design: von reduzierten Metall-Hochbeeten, kombiniert mit Solitärtrögen auf einer Wiener Dachterrasse, über farbenfrohe Kräutertröge direkt vor der Küche bis hin zu einem ländlichen Cottage-Gemüsegarten“, weiß Hubertus Lederleitner.
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Titelbild: Lederleitner



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