Architektur & Immobilien

Weltweit erste Mercedes-Stadt entsteht: Wenn eine Weltmarke zur City wird

Dubai hat eine Schwäche für Superlative, das ist kein Geheimnis. Doch was gerade im Herzen der Wüstenmetropole Gestalt annimmt, sprengt selbst die gewohnten Dimensionen des „Branded Living“.

Von Julia Weninger

Auf einer Fläche, die 130 Fußballfeldern entspricht, ziehen der emiratische Entwickler Binghatti und Mercedes-Benz ein Projekt hoch, das die Grenze zwischen Automobil-Ästhetik und urbaner Architektur endgültig auflöst. „Mercedes-Benz Places – Binghatti City“ ist nicht bloß ein neuer Tower, sondern der Versuch, eine ganze Stadtmarke zu erschaffen.

Die DNA der Marke als Masterplan

Das Herzstück dieser vertikalen Gemeinschaft bildet der „Vision Iconic“ – ein 341 Meter hoher, spiralförmiger Turm, um den sich zehn weitere Wolkenkratzer gruppieren. Wer die Designsprache der Stuttgarter kennt, wird das Leitmotiv der „Sinnlichen Klarheit“ (Sensual Purity) in den fließenden Linien und der technoiden Eleganz der Fassaden wiedererkennen. Es ist ein Experiment: Kann man das Gefühl, in einer S-Klasse zu sitzen, in ein urbanes Ökosystem übersetzen?

© Binghatti

Für Muhammad Binghatti, CEO des gleichnamigen Immobilienriesen, ist die Antwort klar. Er sieht in der Kooperation die Verschmelzung von Präzision und zeitloser Ästhetik. Dass der Deal im Mercedes-Benz-Museum in Stuttgart besiegelt wurde, unterstreicht den Anspruch: Hier geht es um Erbe, das in die Zukunft gebaut wird. Insgesamt entstehen rund 13.000 Wohnungen, eingebettet in ein autarkes System, das den klassischen Begriff des „Wohnens“ hinter sich lässt.

Autarkie und vertikaler Lifestyle

In Dubai ist der Immobilienmarkt aktuell im Rausch. Während Dubai im dritten Quartal 2025 ein Plus von 16,5 Prozent bei den Transaktionsvolumina verzeichnete, schoss Abu Dhabi sogar um über 76 Prozent nach oben. In diesem Klima reicht ein schlichter Luxustower nicht mehr aus, um aufzufallen. Die Binghatti City setzt daher auf ein „Lifestyle-Full-Service-Konzept“.

© Mercedes-Benz AG

Zwischen den Glastürmen spannt sich eine Infrastruktur auf, die an eine futuristische Vision von Wellness und Mobilität erinnert. Sky-Jogging-Strecken, Outdoor-Trainingsdecks, Yoga-Studios und private Kinolounges gehören zum Standard. Zwölf Sportvereine und ein Concierge-Service auf Hotelniveau sollen dafür sorgen, dass man die „Stadt in der Stadt“ theoretisch nie verlassen muss. Interessant ist dabei der Fokus auf die Fußläufigkeit innerhalb des Areals – ein fast schon ironischer Kontrast zur DNA eines Automobilherstellers, aber ein notwendiger Schritt für moderne, intelligente Stadtplanung.

Glas und Grün

Trotz der massiven baulichen Dichte wird das Projekt als „Oase der Nachhaltigkeit“ vermarktet. Weitläufige Grünflächen zwischen den Türmen sollen das Mikroklima regulieren und den Bewohnern Raum zum Atmen geben. Ob sich ein Projekt dieser Größenordnung tatsächlich als ökologisches Vorbild bezeichnen lässt, bleibt abzuwarten. Architektonisch gesehen ist die Integration von Parks und Wellnesszonen in diese vertikale Komposition jedoch ein konsequenter Schritt weg von der isolierten Luxus-Enklave hin zum lebendigen Quartier.

© Mercedes-Benz AG

Mercedes-Benz-Vorstand Mathias Geisen formuliert es so: Man wolle Destinationen schaffen, die die Marke zu einem Ort machen, den man „Zuhause“ nennen kann. Es ist die konsequente Weiterführung eines Trends, bei dem Luxusmarken zu Kuratoren ganzer Lebenswelten werden. In Dubai wird dieser Traum nun auf 929.000 Quadratmetern Realität.

Newsletter Anmeldung

* Angaben erforderlich

Indem Sie unten auf „Abonnieren“ klicken, bestätigen Sie, dass Ihre Informationen zur Verarbeitung an unseren Newsletter Partner übermittelt werden. Weitere Informationen entnehmen Sie unserer Datenschutzerklärung.