Life & Style

Guter Geschmack endet nicht auf dem Teller: Thomas Dorfer im Design-Talk

„Es muss harmonisch sein“, sagt er – ein Satz, der im Landhaus Bacher nicht nur für Saucen gilt, sondern für den gesamten Raum.

Von Lisi Brandlmaier

Bei Thomas Dorfer beginnt alles mit Balance. Bei ihm setzt Design genau dort an, wo auch seine Küche ihren Ursprung hat: im Zusammenspiel. Nichts ist zufällig, nichts Selbstzweck.

„Es muss harmonisch sein“, sagt er – ein Satz, der im Landhaus Bacher nicht nur für Saucen gilt, sondern für den gesamten Raum.

Vor zwei Jahren wurde das Restaurant komplett verändert. Gemeinsam mit Lichtplanern wie Nikolaus Gohm wurde reduziert statt hinzugefügt, entfernt statt dekoriert. Alte Strukturen blieben, vieles andere verschwand. Das Ergebnis: ein puristischeres Setting, das dennoch Wärme ausstrahlt. Museumsleuchten hängen heute von der Decke, werfen gezielte Lichtkegel und feine Schatten auf die Tische. Es sind keine klassischen Lampen, sondern Inszenierungen – Licht als Gestaltungsmittel, das Atmosphäre schafft und den Raum beinahe kuratiert.

Dazwischen bewusst gesetzte Akzente: etwa ein schwebendes Weinflaschen-Objekt des Künstlers Markus Hofer – ein dezenter, aber prägnanter Blickfang. Oder der freigelegte Steinkamin, der dem Raum Tiefe und Geschichte zurückgibt. Grau gehaltene Stoffe, viel Leinen, klare Linien – und doch kein steriles Konzept. Dorfer mag die Mischung: moderne Elemente neben Patina, ein klassischer Holztisch, alte silberne Weinständer, dazwischen schlichte Betonzylinder.

„Wir wollten kein puristisches Restaurant, sondern eines, in dem man sich wohlfühlt.“

Wohlfühlen bedeutet für Dorfer auch: sitzen. Im Restaurant gerne stundenlang. Deshalb wurde Probe gesessen, getestet, verworfen – bis die Wahl auf Stühle von Wittmann fiel. Komfort als Teil des Genusserlebnisses.

„Ein ungemütlicher Sessel kann einen Restaurantbesuch schon sehr lang machen“, sagt Dorfer.

Dass sich diese Haltung auch in den privaten Räumen fortsetzt, überrascht nicht. Auch hier prägen Wittmann-Sofas und Outdoor-Möbel das Bild, ergänzt durch Stücke von Walter Knoll. Design, das bleibt – oder bleiben darf, solange es der Alltag zulässt.

Denn so durchkomponiert die Räume wirken, so klar ist auch Dorfers Haltung zur Funktion: In der Küche hat überinszeniertes Design keinen Platz.

„Es muss praktisch sein.“

Kurze Wege, keine unnötigen Handgriffe. Selbst beim Anrichten folgt Design der Logik des Geschmacks. Teller werden nicht einfach gewählt, sondern getestet, verworfen, neu gedacht.

Für ein Gericht aus Kraut und Räucheraal ließ Dorfer gemeinsam mit dem Wiener Keramiker Sascha Hoffmann sogar einen eigenen Teller entwickeln. Selbst die Steakmesser im Restaurant wurden individuell gestaltet, mit Griffen aus unterschiedlichen Hölzern und Lederdetails. Einzelstücke, die auf dem bewusst puristisch gedeckten Tisch umso stärker wirken.

Diese Suche nach Harmonie zieht sich bis ins Detail – und bis zu Dorfers persönlichen Lieblingsstücken. Eines davon ist eng mit einer weiteren Leidenschaft verbunden: Musik. In Dorfers Wohnung steht ein Audio-System von Poet, das nicht nur Klang liefert, sondern auch visuell überzeugt.

„Das ist ein schönes Dekostück“, sagt er.Ebenso ein Porzellan-Füllhorn in Trompetenform, das er in einer italienischen Zeitschrift entdeckte: Das Smartphone wird hineingelegt, der Klang analog verstärkt. Ein Objekt zwischen Skulptur und Funktion, reduziert und doch ausdrucksstark.

Ob Audio-Objekt oder individuell gestaltete Steakmesser: Alles darf schön sein, aber nie auf Kosten der Funktion.

© Günther Standl

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