
Sechs Marken, die beweisen: Gutes Design und ökologisches Gewissen schließen sich nicht aus
Sie denken in Kreisläufen statt in Wegwerfprodukten, wählen Materialien mit Bedacht und produzieren so, dass jedes Objekt eine Geschichte erzählt. Design DE LUXE stellt Labels vor, die zeigen, wie verantwortungsvolles Wirtschaften und Design zusammenwachsen.
Gutes Design war schon immer langlebig. Doch in einer Welt begrenzter Ressourcen reicht die bloße ästhetische Halbwertszeit nicht mehr aus. Die Branche steht an einem Wendepunkt: Während einige Manufakturen ihre Wurzeln im lokalen Handwerk stärken, experimentieren andere mit Materialien, die gestern noch als Abfall galten.
Was 2011 im ostwestfälischen Lemgo begann, ist heute eine feste Größe im europäischen Möbeldesign. Die von Hansjörg Helweg gegründete Freifrau Manufaktur steht für sinnliche, elegante Sitzmöbel mit oft femininer Anmutung – und nicht zufällig tragen die Kollektionen Frauennamen.
Der erste Stuhl „Amelie“ bildet bis heute das Fundament des Portfolios. Entscheidender als die Form ist jedoch das System dahinter: Unterschiedliche Gestelle von Kufen über Freischwinger bis zu Holzuntergestellen mit Kreuzzarge sind kollektionsübergreifend kompatibel, etwa auch mit der Linie „Leya“. Diese Austauschbarkeit reduziert Materialeinsatz, verlängert Produktlebenszyklen und ermöglicht flexible Anpassungen.

© Freifrau Manufaktur/ www.freifrau.com
Der „Brasilia Lounge Chair“, entworfen von Anderssen & Voll, verbindet skandinavische Mid-Century-Ästhetik mit brasilianischem Modernismus. Markant sind die kräftigen Beine, traditionelle Holzverbindungen und großzügig gepolsterte Armlehnen. Erhältlich mit hoher oder niedriger Rückenlehne, optional mit Ottoman, steht er exemplarisch für Komfort und konstruktive Präzision.
Doch bei Audo endet Design nicht an der Oberfläche. „Wir haben sehr aktiv darauf geachtet, dass wir viele Parameter einhalten, von der Art und Weise, wie wir produzieren, bis hin zu Frachtbeschränkungen usw., um zu sehen, wie wir das Klima so wenig wie möglich beeinträchtigen können. All das haben wir kürzlich in unserem Sustainability Manifesto festgehalten.“
Die größte Herausforderung liege darin, Produktionsmethoden neu zu bewerten: „Manchmal stellt man fest, dass Produktionsmethoden oder Materialien, die man noch vor 5 bis 10 Jahren für selbstverständlich hielt, nicht mehr geeignet sind. Hinzu kommt die wirtschaftliche Seite. Es ist oft nicht die günstigste Lösung, nachhaltig zu produzieren. Aber das zwingt uns dazu, intelligenter zu denken.“

© Audo/ audocph.com
Vom Fluss ins Objekt
Sungai Design steht für radikales Upcycling. Die Objekte entstehen aus Abfällen, die aus indonesischen Flüssen geborgen werden. Die Materialien stammen von der Schwesterorganisation Sungai Watch, einer Non-Profit-Initiative, die Müll mit schwimmenden Barrieren abfängt, bevor er ins Meer gelangt.
Über 400 solcher Barrieren wurden landesweit installiert, mehr als 4.000.000 Kilogramm Abfall konnten bislang gesammelt werden. Angesichts der Tatsache, dass rund 80 Prozent der Meeresverschmutzung aus Flüssen stammt, setzt das Projekt direkt an der Quelle an.
Die daraus entstehenden Designobjekte sind bewusst sichtbar transformiert: Farbigkeit und Materialität erzählen von ihrer Herkunft.

© Sungai Design/ sungaidesign.com
Die italienische Marke Discipline entwickelt vollständig in Italien gefertigte Kollektionen mit klarem Nachhaltigkeitsanspruch. Der Spiegel „Kormirò“ setzt auf natürlichen oder schwarz gefärbten Kork, kombiniert mit lackierten oder messingfarbenen Nägeln. Er ist als Tisch- oder Wandversion erhältlich.
Kork ist leicht, recycelbar, biologisch abbaubar und benötigt in der Verarbeitung vergleichsweise geringe Energie. Gleichzeitig verbessert das Material Akustik und Feuchtigkeitsregulierung im Raum. Discipline versteht Design als „essential and authentic“.

© Dicipline/ www.discipline.eu
Sandhelden fertigt Waschbecken und Badewannen aus Quarzsand – produziert in Deutschland mittels eines eigens entwickelten, industriellen 3D-Druckverfahrens. Dadurch entstehen Formen, die mit klassischen Verfahren kaum realisierbar wären.
Quarzsand überzeugt durch seine natürliche Haptik und hohe Wärmespeicherfähigkeit, was im Badezimmer natürlich von Vorteil ist.

© Sandhelden/ www.sandhelden.de
Gegründet 2003 von der Grafikdesignerin Tina Mirza, entwickelte sich Liv interior aus einem Hamburger Vintage-Möbelgeschäft heraus zu einer international agierenden Interior-Brand. Die handgewebten Teppiche aus Indien sind bis heute das Signature-Piece.
Circular Economy ist integraler Bestandteil der Markenphilosophie. Verarbeitet werden unter anderem recyceltes Garn aus Plastikflaschen, Baumwolle aus Altkleidern, Leinenüberschüsse, recyceltes Industrie-Messing und Glas. Ziel ist es, Materialien nach ihrem Lebenszyklus erneut in den Kreislauf zu führen.
Alle Produkte entstehen in Handarbeit in kleinen Werkstätten. Die Teppiche tragen das GoodWeave-Gütesiegel gegen ausbeuterische Kinderarbeit; Lizenzgebühren finanzieren Sozial- und Bildungsprogramme in Indien und Nepal. Stilistisch verbindet die Marke skandinavische Klarheit mit Bohemian-Einflüssen.

© Liv/ www.liv-interior
Titelbilder: © Audo/ audocph.com, © Sungai Design/ sungaidesign.com



