Design & Interieur

Hempcrete, Bambus & Rammed Earth: Low Impact Luxury und die neue Lust an der Rohheit

Luxus zeigt sich heuer nicht mehr in Glanz und Glätte. Die überzeugendsten Interiors der Saison atmen, riechen nach Erde, tragen die Zeit sichtbar in sich.

Von Julia Weninger

Lange Zeit galt Perfektion im Luxussegment als Synonym für fugenlose Hochglanzoberflächen und industrielle Makellosigkeit. Doch der Wind hat gedreht. Unter dem Begriff „Low Impact Luxury“ etabliert sich eine Ästhetik, die Nachhaltigkeit nicht mehr als Verzicht, sondern als haptisches Privileg versteht. Es geht um eine neue Lust an der sichtbaren Materialität.

Die Materialien

Hempcrete etwa, ein Gemisch aus Hanffasern, Kalk und Wasser, wirkt auf den ersten Blick rau und fast fragil. Gerade diese poröse, lebendige Struktur macht ihn interessant für Interiors. Wände aus Hanfbeton regulieren das Raumklima, speichern CO₂ und schaffen eine fast textile Oberfläche, die Licht weich bricht. Statt glatter Perfektion entsteht eine stille, natürliche Präsenz.

© Margarita

Bambus erlebt parallel ein Comeback – allerdings in einer neuen, architektonisch anspruchsvollen Form. Als schnell nachwachsender Rohstoff verbindet er Stabilität mit Leichtigkeit. In modernen Projekten wird Bambus nicht mehr nur als dekoratives Element eingesetzt, sondern als tragende Struktur, als Bodenmaterial oder als präzise gefertigtes Paneel. Die Maserung bleibt sichtbar, die Konstruktion ehrlich.

© Pew Nguyen

Noch archaischer wirkt Stampflehm. Schicht für Schicht verdichtet, entstehen massive Wände mit einer fast geologischen Ästhetik. Jede Linie erzählt vom Entstehungsprozess, jede Farbnuance vom verwendeten Erdmaterial. In einer Zeit, in der vieles digital und reproduzierbar geworden ist, liegt genau darin der Reiz: Unikate, die sich nicht standardisieren lassen.

Diese Materialien funktionieren besonders gut in Kombination mit reduzierten Raumkonzepten. Klare Linien, zurückhaltende Farbpaletten und bewusst gesetzte Kontraste lassen ihre Texturen wirken.

© Reagan Ross

Von Boutiquehotels bis zu privaten Wohnhäusern

Interessant ist dabei auch die Verschiebung im Verständnis von Wertigkeit. Während früher polierter Marmor oder Hochglanzlack als Zeichen von Luxus galten, steht heute oft das Gegenteil im Fokus: matte Oberflächen, sichtbare Strukturen, handwerkliche Spuren. Imperfektion wird nicht kaschiert, sondern inszeniert.

Der Trend ist längst nicht mehr Nische. Von Boutiquehotels über private Wohnhäuser bis hin zu internationalen Architekturprojekten setzen immer mehr Gestalter auf diese Form von Materialität.

Titelbilder: © Rachel Claire, © Chait Goli, © Optical Chemist

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