
Fünf Design-Hotels, die Architektur neu erzählen
Von florentinischer Zurückhaltung bis zu alpiner Inszenierung: Diese Häuser zeigen, wie präzise kuratiertes Design den Charakter eines Hotels prägt – und ihm eine unverwechselbare Identität verleiht.
LA RÉSERVE FIRENZE
Reduktion im historischen Palazzo
Mitten im Oltrarno-Viertel entsteht mit La Réserve Firenze ein bewusst intimes Konzept: Nur sechs Apartments verteilen sich auf einen restaurierten Palazzo und erzeugen die Atmosphäre einer privaten Residenz. Statt opulenter Renaissance-Anmutung setzt das Haus auf Zurückhaltung. Die historische Architektur bleibt sichtbar, wird jedoch nicht überinszeniert, sondern in eine klare, ruhige Gestaltung eingebettet.
Hohe Räume, strukturierte Grundrisse und offene Übergänge zwischen Innenhof und Dachterrasse definieren die räumliche Dramaturgie. Der Fokus liegt auf Proportion und Lichtführung, nicht auf Dekor.
Gilles & Boissier: Präzision statt Pathos
Das Pariser Studio Gilles & Boissier übersetzt klassische Elemente in eine zeitgenössische Formsprache. Naturstein, Holz und maßgefertigte Möbel bestimmen das Materialkonzept, ergänzt durch eine reduzierte Farbpalette aus Creme- und Erdtönen.
Auffällig ist die Kontrolle über Details: Oberflächen, Übergänge und Möbel sind exakt aufeinander abgestimmt. Das Ergebnis ist ein zurückhaltendes, aber konsequent durchkomponiertes Interieur, das sich bewusst von florentinischer Üppigkeit abgrenzt.

© La Réserve Firenze
COTTON HOUSE MUSTIQUE
Karibische Leichtigkeit neu interpretiert
Das Cotton House bleibt das einzige Hotel der Insel Mustique und definiert sich als offenes, luftiges Refugium. Die Architektur reagiert direkt auf das tropische Klima: große Öffnungen, fließende Übergänge und natürliche Belüftung prägen die Räume.
Das Redesign verzichtet auf visuelle Schwere und setzt stattdessen auf Helligkeit und Transparenz. Materialien wirken leicht, Räume großzügig und unaufgeregt.
Tristan Auer: Respektvolle Weiterentwicklung
Tristan Auer knüpft an die ikonische Ästhetik von Oliver Messel an, ohne sie zu kopieren. Helle Naturmaterialien, reduzierte Formen und eine subtile Farbigkeit sorgen für Kontinuität, während Details klar modern interpretiert sind.
Das Design bleibt bewusst zurückhaltend: keine Inszenierung, sondern eine ruhige, präzise Weiterentwicklung, die den historischen Kontext respektiert und gleichzeitig zeitgemäßen Komfort integriert.

© Cotton House
ALIÉE ISTANBUL
Industrielle Substanz als Gestaltungselement
Im ehemaligen Werftviertel Tersane nutzt das Aliée Istanbul die vorhandene Architektur als Ausgangspunkt. Freigelegte Steinwände, hohe Decken und industrielle Strukturen bleiben sichtbar und definieren den Charakter des Hauses.
Die 122 Zimmer verteilen sich auf mehrere Gebäude mit unterschiedlichen Identitäten von der Foundry bis zur Heritage Villa. Dadurch entsteht eine differenzierte Raumstruktur statt eines homogenen Hotelkonzepts.
Powerstrip Studio: Kontrast und Kuratierung
Das Design setzt auf gezielte Kontraste: rohe Materialien treffen auf maßgefertigte Möbel, historische Elemente auf zeitgenössische Kunst. Handgewebte Teppiche und kuratierte Objekte schaffen visuelle Tiefe, ohne den industriellen Kern zu überdecken.
Der Ansatz ist klar: nicht glätten, sondern Spannung erzeugen. Dadurch entsteht ein urbanes Designkonzept, das Geschichte und Gegenwart bewusst nebeneinanderstellt.

© Aliée Istanbul
L’APOGÉE COURCHEVEL
Alpine Architektur neu gedacht
Hoch über Courchevel positioniert sich L’Apogée als Neuinterpretation des klassischen Chalet-Stils. Die Architektur greift traditionelle Elemente wie Holz und klare Geometrien auf, löst sie jedoch aus ihrem rustikalen Kontext.
Großzügige Raumvolumen und gezielte Blickachsen strukturieren das Gebäude. Der Fokus liegt auf Offenheit und Weite statt auf Enge und Gemütlichkeit.
Kelly Wearstler: Textur als Leitmotiv
Kelly Wearstler arbeitet mit starken Materialkontrasten und markanten Oberflächen. Warme Hölzer treffen auf strukturierte Stoffe und prägnante Designelemente. Möbel und Details wirken bewusst skulptural und setzen klare Akzente im Raum.
Das Interieur lebt von Spannung: zwischen Naturmaterialien und expressiver Gestaltung, zwischen alpiner Tradition und internationalem Designanspruch.

© L’Apogée/ Oetker Hotels
LA RÉSERVE GENÈVE
Klassische Grandezza am See
Eingebettet in eine Parklandschaft am Genfersee inszeniert das Haus eine klassische, fast wohnliche Luxusarchitektur. Die Raumstruktur orientiert sich an privaten Residenzen: klar gegliedert, intim und bewusst abgeschirmt.
Der Außenraum wird integraler Bestandteil des Designs, mit Blickachsen und Übergängen, die Innen- und Außenbereiche miteinander verbinden.
Jacques Garcia: Opulenz mit System
Jacques Garcia setzt auf eine dichte, detailreiche Gestaltung. Dunkle Hölzer, schwere Stoffe und Antiquitäten bilden die Grundlage des Interieurs. Die Farbpalette ist warm und tief, mit bewusst gesetzten Kontrasten.
Trotz der Opulenz wirkt das Design kontrolliert: Jedes Element ist Teil eines größeren Konzepts. Die Räume sind nicht dekoriert, sondern komponiert – mit einer klar erkennbaren Design-DNA, die sich auch in den Schwesterhäusern fortsetzt.

© La Réserve Genève
Titelbilder: © Aliée Istanbul, © La Réserve Firenze



