Architektur & Immobilien

Form folgt Familie: „Ein venezianischer Palazzo statt Neuschwanstein am Meer“

Im exklusiven Gespräch mit Design DE LUXE erläutert Ralph A. Riffeser die radikale Prämisse des „Cavallino Bianco Caorle – Venezia“: Hier ordnet sich die Ästhetik bedingungslos den realen Bedürfnissen von Eltern und Kindern unter – ohne dabei den gestalterischen Anspruch zu verlieren.

Von Julia Weninger

Wer die Evolution der luxuriösen Familienhotellerie verstehen will, kommt an einem Namen nicht vorbei: Ralph A. Riffeser. Als geschäftsführender Direktor des Cavallino Bianco in Gröden hat er das Segment neu definiert. Nun bringt der Südtiroler Pionier seine Philosophie nach über zwanzig Jahren Erfahrung und fünfzehn Jahren intensiver Recherche an die Adria. Mit dem neuen Cavallino Bianco Caorle – Venezia ist ein Fünf-Sterne-Refugium entstanden, das architektonisch und gestalterisch mit gängigen Branchen-Klischees bricht.

Schon der Baukörper am feinsandigen Levante-Strand von Caorle erzählt viel über Riffesers pragmatischen und zugleich feinsinnigen Zugang zu Architektur. Ursprünglich sollte das neue Haus optisch an ein Märchenschloss anknüpfen. „Es sollte ein Märchenschloss werden mit Türmchen und so weiter“, erzählt Riffeser im Gespräch. „Die hat der Architekt dann auch gezeichnet, aber in der Gemeinde hieß es: ‚Alles, aber das nicht. Da war Neuschwanstein im Kopf verankert.‘ Und dann haben wir gesagt: Okay, dann machen wir einen venezianischen Palazzo draus, was auch gestalterisch perfekt passt. So hat das Haus unheimlich viel Flair und eine starke visuelle Präsenz.“

Die Entscheidung erweist sich als städtebaulicher Glücksfall. Statt historisierender Kitsch-Architektur präsentiert sich das 101 Suiten umfassende Resort nun in der eleganten, stolzen Tradition der venezianischen Palazzi. Das Gebäude fügt sich harmonisch in die Küstenlinie ein und bildet den mondänen, städtebaulichen Schlusspunkt der Gemeinde Caorle, bevor die unberührte Natur beginnt.

Die baulichen Herausforderungen hinter der Fassade seien aber enorm gewesen: Um die weitläufige Infrastruktur eines Ganzjahreshotels zu stützen, wurde eine Tiefgarage mit 150 Stellplätzen realisiert – an einem Sandstrand laut Rifesser "ein logistisches und ingenieurstechnisches Meisterstück", bei dem das Meerwasser während der gesamten Bauzeit aufwendig ferngehalten werden musste.

Ralph-A-Riffeser © Hannes Niederkofler Cavallino Bianco

Innenarchitektur: Das Spiel mit Licht und Materie

Für die Gestaltung der Innenräume zeichnet das renommierte Bozner Büro Noa verantwortlich. Die Design-Schmiede, die aktuell "einen echten Markthype erlebe", hat für das Cavallino Bianco ein Interieur-Konzept entwickelt, das gleichermaßen Eleganz und Geborgenheit ausstrahlt. Riffeser hebt dabei die Zusammenarbeit mit der jungen Riege des Designteams hervor, die bei der Material- und Farbauswahl völlig neue Wege ging.

Besonders das Lichtkonzept bricht mit der Uniformität großer Hotelketten. Statt serieller Standardbeleuchtung gleicht das Resort einer kuratierten Design-Galerie. Im gesamten Haus wurden unterschiedlichste Lampentypen und Leuchtkörper eingesetzt, um jedem Raum eine eigene, unverwechselbare Atmosphäre zu schenken. „Ich glaube, von den Beleuchtungskörpern haben wir den ganzen Katalog durchgeräumt“, schmunzelt Riffeser. „Es ist ganz bewusst so gewählt: Man schaut irgendwo hin und sieht vier verschiedene Leuchten, die dennoch perfekt miteinander harmonieren. Jedes Detail hat eine Seele – nichts ist eine Kopie.“

Radikale Funktionalität: Von innen nach außen geplant

Wer Ralph A. Riffeser nach seinem Design-Verständnis fragt, merkt schnell, dass hier ein erfahrener Praktiker spricht. Die ganzheitliche Planung des Hotels folgte nämlich einer klaren Priorisierung: Die Funktion diktiert die Form. Große Namen der Architekturszene sieht er in diesem Kontext durchaus selbstkritisch. Angesprochen auf prominente Designer wie Matteo Thun, zu dessen Familie er sogar einen direkten Draht pflege, findet Riffeser deutliche Worte: „Ich stelle mal die Kompetenzen von manchen Stararchitekten in puncto Funktionalität eines Hotels in Frage. Sie machen es schön und sexy. Aber wir haben dieses Hotel von innen heraus geplant – von der Funktionalität, den Verkehrswegen vor und hinter den Kulissen, und danach sollte es schön werden. Es macht keinen Sinn, wenn sich ein Architekt nur ein optisches Exempel statuiert, das Haus dann aber im Hotelalltag ein Riesen-Handicap ist.“

Diese Haltung spiegelt sich auch in der Gestaltung des weitläufigen, fünf Hektar großen Strandabschnitts wider. Statt der an der Adria üblichen engen Reihung von Liegestühlen setzt das Resort auf eine sanfte Dünenlandschaft.

Hier befinden sich 50 luxuriöse Cabanas im Abstand von jeweils zehn Metern. Jede dieser Cabanas verfügt über ein eigenes Photovoltaik-Panel samt Batterie, Stromanschlüsse zum Laden von Geräten und eine aktiv kühlende Box für Erfrischungen.

© Cavallino BIanco Caorle-Venezia

© Cavallino BIanco Caorle-Venezia

Die Anfänge

Riffeser war selbst junger Vater, als er bemerkte, dass Kinder in vielen hochwertigen Hotels nur geduldet wurden „Wir waren plötzlich nicht mehr willkommen in den Häusern, in denen wir ohne Kinder Urlaub gemacht haben. Also habe ich gesagt: Dann mache ich ein Haus auf hohem Niveau – nur für Familien.“ Und mit ganz viel Stil: „Wir sind keine Kette und wollen es auch nicht sein. Jedes Detail hat eine Seelem, nichts ist eine Kopie.“

Titelbild: © Cavallino BIanco Caorle-Venezia

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