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Die Superflux-Gründer Anab Jain und Jon Ardern im Interview

Anab Jain und Jon Ardern vom Londoner Studio Superflux entwerfen seit Jahren mögliche Zukunftsszenarien. Im Gespräch mit Design DE LUXE sprechen sie über KI als Werkzeug, Mitgestalterin und potenzielle politische Akteurin – und darüber, warum Emotionen und Ethik im Design unverzichtbar bleiben.

Von Linda Pezzei

Das Londoner Studio Superflux entwickelt spekulative und immersive Projekte an der Schnittstelle von Design, Technologie, Wissenschaft und Politik. Mit einem kritischen und zugleich poetischen Blick auf potenzielle Zukunftsvisionen schaffen die Gründer Anab Jain und Jon Ardern Denkräume für gesellschaftliche Transformation.

Wie verändert KI unseren Blick auf die Zukunft?


Jon Ardern: KI prägt definitiv unsere Vorstellung davon, wie die Zukunft aussehen könnte – nicht nur visuell, sondern inhaltlich. Vor wenigen Jahren war die Gefahr, dass ein Arbeitsplatz durch KI ersetzt wird, kaum ein Thema. Heute ist sie Teil des Zukunftsdenkens, auch wenn wir ihre langfristigen Auswirkungen noch nicht überblicken.

Anab Jain: Die entscheidende Frage für mich ist, ob KI sich wirklich Dinge „vorstellen“ kann. Vorstellungskraft ist eine zutiefst menschliche Fähigkeit, die Intelligenz überhaupt erst möglich macht. Wir können mit KI zusammenarbeiten, aber die Aufgabe, Zukunftsbilder zu entwerfen, sollten wir nicht vollständig an Technologie abgeben.

Welche Rolle spielen dabei Emotionen – und kann KI sie replizieren?


Jon Ardern: Emotionale Resonanz ist ein Kern unserer Arbeit. Ob KI Gefühlszustände allerdings wirklich verstehen kann, ist fraglich – sie kann vielleicht Reaktionen auslösen, aber nicht nachempfinden.

Anab Jain: Emotionen sind zentral im spekulativen Design. Sie helfen, Perspektiven zu verschieben und heutige Entscheidungen zu hinterfragen. Ob KI das leisten sollte, ist eine offene und heikle Frage – zu leicht geraten wir ins Uncanny Valley. Spannend ist der Zwischenraum, in dem Mensch und Maschine interagieren.

Sehen Sie KI also als Mitgestalterin oder politische Akteurin?


Jon Ardern: Für mich ist KI derzeit vor allem ein Werkzeug – eines von vielen in unserer Praxis.

Anab Jain: Sie kann Mitautorin sein, indem sie Denkprozesse entlastet und neue Perspektiven eröffnet. Politische Akteurin ist sie noch nicht, aber sie könnte dazu instrumentalisiert werden – im Guten wie im Schlechten.

Wo verlaufen in Ihren Augen ethische Grenzen?


Jon Ardern: Die Kriterien unterscheiden sich nicht grundlegend von anderen Designprozessen: Wir müssen die Werkzeuge und ihre Auswirkungen bewusst reflektieren.

Anab Jain: Ethische Grenzen sind jedenfalls nötig – sie definieren, welche Zukunft wir anstreben. Unsere Fähigkeit, kritische Fragen zu stellen, ist der wichtigste Unterschied zu maschinellem Storytelling.

Wie sieht eine menschenzentrierte Zukunft unter Einfluss von Algorithmen aus?


Jon Ardern: Mensch und Technologie waren schon immer untrennbar miteinander verbunden – in gewisser Weise sind wir seit jeher Cyborgs.

Anab Jain: Technologien formen unser Verhalten, oft getrieben von wirtschaftlichen Interessen. Eine wünschenswerte Zukunft würde KI nutzen, um globale Herausforderungen zu bewältigen – ohne technodeterministische Visionen zu bedienen.

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