
Die Luxuswelt auf vier Rädern steht Kopf
Wer hätte vor zehn Jahren gedacht, dass ein SUV mit über 1.000 PS schwimmen kann, wie der Yangwang U8? Oder dass ein Rolls Royce eine eigene Handy App braucht?
Was früher PS Protzerei war, ist heute ein Wettlauf um Strom, Reichweite und digitale Spielereien.
Den Auftakt macht die französische Marke DS Automobiles. Der DS N° 8 ist kein verspieltes Concept Car, sondern der erste echte Elektro Crossover der Edel Citroën Ableger. Mit flacher Dachlinie, opulentem Innenraum und bis zu 750 Kilometern Reichweite will der Wagen beweisen, dass französischer Chic auch elektrisch funktioniert. Das Topmodell mit 350 PS lässt sich dank 160 kW Ladung in einer Kaffeepause auf 80 Prozent füllen. Wer lieber Rallye fährt, schaut zu Alpine rüber: Die Renault Tochter bringt mit der A290 den ersten Teil ihrer vollelektrischen „Traumgarage“ auf die Straße. Kürzlich folgte der sportliche Fastback A390, danach ein neuer A110 und sogar ein viersitziges A310 Coupé. Und als wäre das nicht genug, gibt es die A290 Rallye – eine 220 PS Rennversion mit Sperrdifferenzial, verstärkten Bremsen und 52 kWh Batterie, gedacht für Kunden, die Sonntags lieber über Schotter pflügen als an der Côte d’Azur zu cruisen.
Die spannendste Attacke kommt aus Fernost: BYD, bislang eher als Batterie Gigant bekannt, will den Luxusmarkt erobern. Unter dem Dach der neuen Premiummarke Yangwang rollt das U8 SUV an, ein 1.200 PS Offroader mit e⁴ Allradplattform und Hydraulikfahrwerk, der notfalls auf der Stelle drehen kann. Für die Garage seiner Milliardäre legt BYD noch den U9 drauf, einen Elektro Supersportler mit 1.300 PS und knapp über zwei Sekunden von null auf hundert. Die chinesische Luxusoffensive endet hier nicht: 2026 kommt Yangwang wahrscheinlich nach Europa, und die Schwestermarke Denza schickt bereits Ende 2025 den Shooting Brake Z9 GT mit etwa 1.000 PS in unseren Markt. Wer also glaubt, High End Komfort und Fahrleistungen jenseits der 300 km/h seien ausschließlich europäische Domäne, könnte bald eines Besseren belehrt werden.

Traditionshäuser auf dem Weg ins Elektrozeitalter
Aber auch die alten Adressen erfinden sich neu. Bentley, Hoflieferant britischer Gentlemen, präsentierte 2025 seine Neuauflage von Continental GT, GT Convertible und Flying Spur. Neu ist die Azure Ausstattung, bei der Wellness Sitze, 3D Steppung und edle Furniere für Wohlbefinden sorgen. Noch spannender ist der Antrieb: Ein 4,0 Liter V8 teilt sich die Arbeit mit einem Elektromotor und liefert 680 PS und 930 Nm. So klingt der britische Gentleman immer noch nach Benzin, hat aber die stille Kraft der Elektromobilität im Rücken.
Porsche musste lange auf die Hybrid Party warten, doch jetzt ist der Mythos 911 reif für E Power. Die 2025er Carrera GTS nutzt einen innovativen T Hybrid mit elektrisch angetriebenem Turbolader und einem Elektromotor im Achtgang Getriebe. Das System beschleunigt den Sportwagen in 2,9 Sekunden auf 60 mph und erlaubt dank 1,9 kWh Akku kurze elektrische Unterstützung. Das High Tech Paket verbessert die Gasannahme und hält dennoch den sonoren Boxerklang am Leben – eine Hommage an die Vergangenheit und zugleich ein Blick in die Zukunft.
Bei Audi reicht die Spannweite von dezenten Facelifts bis hin zu elektrischen Meilensteinen. Der A8 L trägt 2025 serienmäßig 20 Zoll Räder und HD Matrix Scheinwerfer; wahrlich revolutionär ist aber die Neuauflage des vollelektrischen E Tron GT. Dank neuer Batterie mit 105 kWh und 320 kW Ladeleistung schafft der RS E Tron GT Performance 912 PS und lädt in 18 Minuten von zehn auf achtzig Prozent. Zudem integriert Audi als erster Premiumhersteller einen KI Chatbot: Seit Juli 2024 ist ChatGPT über den Audi Assistenten in rund zwei Millionen Autos aktiviert und ermöglicht es, per natürlicher Sprache Fragen zu stellen oder den Reifendruck zu erfragen. Wer künftig mit seinem Auto über das Wetter diskutieren möchte, braucht nur „Hey Audi“ zu sagen.

Rolls Royce setzt derweil auf eine digitale Symbiose aus Handwerkskunst und Technologie. Der Cullinan Series II zeigt erstmals eine beleuchtete Pantheon Grillmaske und 23 Zoll Räder. Im Innenraum präsentiert die SPIRIT Schnittstelle ein Glasdisplay über die gesamte Breite; über die Whispers App können Besitzer das Auto fernsteuern oder Reiseziele direkt ans Fahrzeug senden. Materialien wie Duality Twill aus Bambus und die kunstvolle Perforation der Ledersitze mit über 100.000 Löchern zeugen von Rolls Royces Hang zur Individualisierung. Als Krönung fährt das Elektro Coupé Spectre vor: Zwei Synchronmotoren leisten 577 PS, ein 102 kWh Akku ermöglicht bis zu 329 Meilen Reichweite und das Sternenhimmel Interieur lässt den Nachthimmel im Dach leuchten. Es scheint, als wolle Goodwood beweisen, dass Strom auch im Smoking elegant bleibt.
Hybrid Höhenflüge und Zukunftsblick
Während DS, Porsche und Rolls Royce ihre ersten Schritte ins Stromland gehen, zeigt Lamborghini, dass Hybridisierung auch bei 350 km/h funktioniert. Der Revuelto kombiniert einen neuen V12 mit drei Elektromotoren und kommt auf satte 1015 CV; er spurtet in 2,5 Sekunden auf Tempo hundert und bietet 13 Fahrmodi. 2025 folgt der Temerario, der dank 10.000 U/min V8 und drei E Motoren rund 907 bhp erreicht. Die Italiener verpassen dem Nachfolger des Huracán zudem ein neues Aluminium Monocoque mit mehr Platz, optionales Alleggerita Paket zur Gewichtsreduktion und – man staune – einen EV Modus namens „Città“, in dem der Stier im Stadtverkehr flüsterleise schleicht. Ferrari und Bugatti setzen ebenfalls auf Hybride jenseits der 1.000 PS, aber das sind andere Geschichten.

Was bedeutet das alles für das Luxussegment?
Erstens: Die Elektrifizierung ist, trotz potentieller Verzögerungen dank politischem Entscheidungsunwillen, nicht aufzuhalten. Selbst Hersteller, deren Markenkern im Motorensound liegt, kombinieren Benziner mit Elektromotoren oder setzen gleich komplett auf Strom. Zweitens: Der Markt wird internationaler. BYD, Yangwang und Denza wollen Europa erobern, während DS und Alpine die französische Antwort auf Tesla und Porsche liefern. Drittens: Digitalisierung und Personalisierung werden zum neuen Luxus. Audi integriert KI für den Fahrer, Rolls Royce verschmilzt App Bedienung mit analoger Uhr, und Stickereien aus Bambus erzählen von nachhaltigem Luxus. Viertens: SUVs bleiben das Lieblingsspielzeug der Reichen; vom Rolls Royce Cullinan über Bentleys Bentayga bis zum Denza Z9 GT – die Karosserien werden größer, die Batterien auch.
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