
(c) mama thresl – hendl fischerei
Après-Ski mit hohem Anspruch: Vier Einkehrschwünge, bei denen die Architektur den Ton angibt
Dies Adressen in den Alpen zeigen, wie radikal zeitgenössisch der Moment nach dem Skifahren heute gedacht werden kann.
Der Einkehrschwung gehört zum alpinen Skitag wie der letzte Schwung ins Tal. Nur: Après-Ski ist längst nicht mehr, was es mal war. Statt Hüttengaudi und rustikalem Pflichtprogramm entstehen Orte, an denen Design und Architektur den Rahmen setzen – und die Pause zwischen zwei Abfahrten zum eigentlichen Erlebnis wird
Oberholz, Obereggen: Drei Fenster, drei Berge, eine Idee
Wer in Obereggen die Ski abschnallt, landet nicht einfach in einer Hütte. Sondern in einem architektonischen Statement. Das Oberholz liegt eingebettet ins Panorama der Dolomiten. Peter Pichler und Pavol Mikolajcak haben es als dreiteiligen Bau konzipiert. Drei massive Fensterfronten rahmen die umliegenden Berggruppen und gliedern gleichzeitig den Innenraum – eine räumliche Choreografie, die trotz Weitblick überraschend intim wirkt.
Die sichtbare Holzstruktur verleiht dem Raum fast sakrale Ruhe. Draußen gibt eine großzügige Terrasse den 360-Grad-Bergblick frei. Après-Ski als kontemplativer Reset.

Der Wolf, Lech: Minimalismus auf 2.000 Metern
Auf rund 2.000 Metern Seehöhe setzt Der Wolf in Lech ein bewusstes Zeichen gegen alpine Folklore. Die Skihütte aus regionalem Fichtenholz folgt konstruktiv der klassischen Bauweise: Holz auf Betonsockel, geschützt vor der rauen Witterung. Formal jedoch schlägt der von Bernardo Bader Architekten entworfene Bau eine kompromisslos minimalistische Richtung ein.
Großzügige Fenster und eine direkt angebundene Terrasse holen die Bergwelt ins Innere. Oder lassen sie zum stillen Begleiter werden. Der Kontrast zur organischen Landschaft ist gewollt, präzise, fast meditativ.
(c) Der Wolf
Hendl Fischerei, Leogang: Organische Formen, maximale Präsenz
Deutlich lebendiger geht es an der Bergstation der Asitz- und Steinbergbahn in Leogang zu. Die Hendl Fischerei fällt sofort ins Auge: Organische Holzformen prägen Fassade, Außenbar und Innenräume. Das verleiht dem Berggasthaus ein skulpturales, fast performatives Erscheinungsbild.
Wenn sich nach dem Skifahren der Andrang an der Outdoor-Bar sammelt, wird der Einkehrschwung zum gesellschaftlichen Hotspot. Mit architektonischem Anspruch.
(c) Hendl Fischerei
AlpiNN, Kronplatz: Einkehren im Museum
Am Kronplatz bekommt der Einkehrschwung eine Tiefe, die weit über Glühwein hinausgeht. Das AlpiNN ist mehr als ein Restaurant – es ist Teil eines Gesamtkonzepts. Designer Martino Gamper hat die Innenräume als „Living Room" gestaltet: ein Ort zum Essen, Trinken, Verweilen und Beobachten.
Wie ein Berg selbst verändert sich der Raum von Ebene zu Ebene. Er eröffnet neue Blickwinkel und Perspektiven. Formen und Materialien greifen ineinander, schaffen eine intime Atmosphäre mit starkem Fokus auf Materialität.
Das AlpiNN liegt im Inneren des LUMEN – dem 1.800 Quadratmeter großen Museum für Bergfotografie. Auf vier Ebenen zeigt es historische Aufnahmen, digitale Innovationen und Wechselausstellungen rund um das Motiv Berg. Dazu gibt es einen Veranstaltungssaal für bis zu 200 Personen.
(c) AlpiNN by Norbert Niederkofler
Inhaltlich getragen wird das Konzept von Sternekoch Norbert Niederkofler. Für ihn wurden Nachhaltigkeit und Regionalität nach jahrelanger internationaler Erfahrung zum zentralen Prinzip. „Cook the Mountain" versteht den Berg als Ressource und Vermächtnis – und verbindet alpine Kultur mit einer global gedachten Küche.


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