
90s-Revival: Warum wir uns wieder in die Design-Ikonen des Jahrzehnts verlieben
In der Mode sind Baggy-Pants und Tribal-Prints längst zurück, doch nun erreicht die Welle den Interior-Bereich. Design DE LUXE hat sich auf die Suche nach den Klassikern begeben.
Die Neunziger waren das letzte Jahrzehnt vor der totalen digitalen Durchdringung – eine Ära zwischen analoger Nostalgie und futuristischem Aufbruch.
Nichts verkörpert den Geist dieser Ära so sehr wie die Juicy Salif von Philippe Starck für Alessi. Als sie 1990 auf den Markt kam, war sie ein Skandal: Eine Saftpresse, die spritzt, wackelt und Kerne nicht filtert. Doch Starck verstand früher als andere, dass Design im Informationszeitalter eine Geschichte erzählen muss. Die dreibeinige Aluminium-Skulptur war das erste „virale“ Objekt, lange bevor es soziale Medien gab. Sie bleibt das Symbol für ein Jahrzehnt, das die Form über die Funktion stellte und damit die Ästhetik revolutionierte.

© Alessi
Dieser Drang zur unkonventionellen Form zeigt sich heute wieder in der wachsenden Begeisterung für das Saula Marina Sofa von Javier Mariscal aus dem Jahr 1995. Nach Jahren der strengen, grauen Loungemöbel sehnen wir uns nach diesen fast schon comicartigen, weichen Linien, die jede Symmetrie verweigern. Auch Marc Newsons Gluon Lounger von 1993 erlebt ein massives Comeback auf dem Vintage-Markt. Mit seiner futuristischen Silhouette und dem Fokus auf Modularität traf Newson damals den Nerv einer Generation, die vom Weltraum und der digitalen Zukunft träumte. Heute ist der Sessel ein begehrtes Sammlerstück, da er genau die richtige Dosis Sci-Fi-Nostalgie in moderne Apartments bringt.
© Moroso, Alessandro Paderni, courtesy of Moroso
Dass die Neunziger weit mehr waren als nur schrille Entwürfe, beweisen die Arbeiten großer Architekten, die in diesem Jahrzehnt die Wohnzimmer eroberten. Frank Gehry brachte mit seinem Cross Check Chair von 1990 die Dekonstruktion vom Museumsbau direkt an den Esstisch. Die ineinander verschlungenen Ahornbänder wirken im Zeitalter von 3D-Druck und organischer Architektur aktueller denn je. Zeitgleich markierte Aldo Rossi mit dem Parigi Chair den perfekten Übergang von der Postmoderne in die neue Dekade. Sein Entwurf für UniFor ist eine Lektion in zeitloser Eleganz, bei der eine einzige dynamische Kurve im Aluminiumgestell die gesamte Geometrie aufbricht.
Das aktuelle Revival dieser Ikonen ist kein Zufall. In einer Welt, die immer glatter und berechenbarer wird, bieten diese Objekte Ecken, Kanten und eine notwendige Prise Humor.
© Courtesy of Knoll, Molteni Group,
Titelbilder: © Moroso, Markanto, Collage: Thomas Skroch








