Wie ein kunstvoll drapierter Bühnenvorhang legt sich die transluzente Membran über das Tabakerka-Theater in Moskau. Der Entwurf von .ket bureau verleiht dem Gebäude eine skulpturale Silhouette.

Architektur & Immobilien

Wenn Architektur zum Bühnenvorhang wird

Eine halbtransparente Membran verleiht dem Moskauer Tabakerka-Theater eine neue architektonische Identität. Das Konzept des Architekturbüros .ket bureau setzt auf den Erhalt der bestehenden Bausubstanz und verwandelt die Fassade in eine textile Inszenierung, die sich mit dem Tageslicht verändert.

Am nördlichen Abschnitt des Moskauer Gartenrings entwickelt das Architekturbüro .ket bureau eine ungewöhnliche Vision für die Neugestaltung des Tabakerka-Theaters. Das bestehende Gebäude, dessen Erscheinungsbild von unterschiedlichen architektonischen Elementen geprägt ist, soll durch eine leichte, transluzente Hülle zu einer gestalterischen Einheit zusammengeführt werden. Die Architekten greifen dabei ein Motiv auf, das unmittelbar mit der Funktion des Hauses verbunden ist: den Bühnenvorhang. Wie ein fließendes Textil legt sich die neue Außenhaut um die vorhandene Gebäudestruktur. Ihre sanft geschwungenen Konturen bilden einen bewussten Kontrast zur geometrischen Strenge des Bestands.

Eine neue Identität für das Theater

Anstelle einer vollständigen Erneuerung der Fassade verfolgt .ket bureau einen ressourcenschonenden Ansatz. Die bestehende Architektur bleibt weitgehend erhalten und wird durch eine eigenständige, vorgelagerte Schicht ergänzt. Diese Entscheidung ist sowohl gestalterisch als auch konstruktiv von Bedeutung. Der Verzicht auf einen umfassenden Rückbau reduziert den Materialbedarf und die damit verbundenen Eingriffe in die vorhandene Bausubstanz. Zugleich bleibt die ursprüngliche Gebäudestruktur hinter der neuen Hülle erkennbar. Das Projekt versteht architektonische Erneuerung damit als behutsame Weiterentwicklung des Bestehenden.

Eine Fassade im Wandel des Lichts

Ihre besondere Wirkung entfaltet die geplante Gebäudehülle im Zusammenspiel mit dem Licht. Tagsüber erscheint die weiße Membran als fein strukturierte, beinahe schwebende Oberfläche. Je nach Blickwinkel verändert sich ihre Transparenz und lässt die Konturen des dahinterliegenden Baukörpers unterschiedlich deutlich hervortreten. Nach Einbruch der Dunkelheit entsteht ein vollkommen anderes Erscheinungsbild. Die Beleuchtung zeichnet sich durch das transluzente Material ab und verwandelt das Theater in einen weithin sichtbaren Lichtkörper. Die Fassade übernimmt damit eine Funktion, die über die äußere Gestaltung hinausgeht. Sie wird selbst zum szenografischen Element und verleiht dem Kulturgebäude eine neue Präsenz im Stadtraum.

YouTube video player

Textile Leichtigkeit, konstruktive Präzision

Technische Grundlage des Entwurfs ist eine vorgespannte Membrankonstruktion aus PTFE-beschichtetem Glasfasergewebe. Das Material zeichnet sich durch seine hohe Widerstandsfähigkeit gegenüber Witterungseinflüssen aus und ermöglicht zugleich die gewünschte textile Anmutung. Ein System aus Stahlträgern und gespannten Seilen bildet die tragende Struktur. Die Konstruktion wird an den vorhandenen Geschossdecken und Dachflächen befestigt, wodurch die neue Gebäudehülle unabhängig von der ursprünglichen Fassadengestaltung ausgebildet werden kann.

Mit dem Entwurf für das Tabakerka-Theater zeigt .ket bureau, wie sich ein bestehendes Gebäude durch einen gezielten architektonischen Eingriff grundlegend neu interpretieren lässt. Die expressive Leichtigkeit der Membran verbindet sich mit einem Konzept, das den Wert vorhandener Bausubstanz anerkennt.

Fotos © .ket bureau

Newsletter Anmeldung

* Angaben erforderlich

Indem Sie unten auf „Abonnieren“ klicken, bestätigen Sie, dass Ihre Informationen zur Verarbeitung an unseren Newsletter Partner übermittelt werden. Weitere Informationen entnehmen Sie unserer Datenschutzerklärung.