Großzügige Poollandschaft mit Blick auf den Gardasee: Im Falkensteiner Resort Lake Garda in Salò rahmen die von Matteo Thun & Partners gestalteten Hotelgebäude den weitläufigen Innenhof. Die klare Architektur öffnet sich zur mediterranen Landschaft.

Life & Style

Südwärts nach Salò

Mit dem Zug über den Brenner, per Boot über den Gardasee und am Abend auf einen Negroni über den Dächern von Salò: Das neue Falkensteiner Resort Lake Garda ist ein guter Ausgangspunkt, um die Stadt und ihre Umgebung zu entdecken. Bei meinem Besuch im September 2026 war das Hotel bereits in Betrieb, während der botanische Garten und die zweite Bauphase noch Gestalt annehmen.

Von Linda Pezzei

Spätestens südlich des Brenners stellt sich bei mir unweigerlich dieses Urlaubsgefühl ein. Das Licht scheint anders, die Stimmung wird gelöster und der Kaffee schmeckt – na no na net – gleich ein bisschen besser. Von Desenzano geht es mit dem Shuttle weiter, gemütlich am Gardasee entlang, durch kleine Orte, manche pittoresk, andere weniger. Alles egal, mein Ziel ist Salò, mit seiner langen Hafenpromenade und den Cafés, in denen man leicht einen Nachmittag verbringen könnte.

Meine Unterkunft liegt nur einen Spaziergang von der Promenade entfernt. Das neue Falkensteiner Resort Lake Garda steht zwar nicht unmittelbar am Ufer, dafür an einer anderen Quelle: Direkt bei der Zufahrt holen Einheimische frisches Mineralwasser. Sie kommen mit Flaschen und Gefäßen in allen Formen und Größen, füllen ihre Vorräte auf und fahren wieder nach Hause. Auf dem Gelände war früher der Mineralwasserhersteller Tavina ansässig. Eine Flasche des Quellwassers wartet später auch zur Begrüßung auf meinem Zimmer.

Im Hintergrund stehen noch Kräne. Das Hotel ist bereits geöffnet, die zweite Bauphase soll 2027 abgeschlossen werden. Doch sobald ich das Foyer betrete, rückt die Baustelle aus dem Blick. Die hohe Eingangshalle öffnet sich zum Innenhof, dahinter liegen Pool, Terrassen und die Bucht von Salò. Die Ankunft ist großzügig gestaltet, ohne einschüchternd zu wirken. Schon beim Check-in lässt sich erahnen, wohin mich die nächsten Stunden führen werden.

Ankommen mit Aussicht

Für Architektur und Interieur zeichnen Matteo Thun & Partners verantwortlich. Die Gebäude folgen der Anhöhe und verteilen sich so über das Gelände, dass sich immer wieder neue Blickwinkel ergeben. Im Inneren bestimmen Holz, heller Stein und Textilien die Räume. Das Foyer verbindet die verschiedenen Bereiche des Hauses; Durchblicke über mehrere Geschosse und Öffnungen nach außen machen schon den Weg zum Zimmer interessant.

Mein erster Gang führt allerdings zum HOKU am Pool. Bei Caprese lässt sich die Anreise gut ausklingen. Von der Terrasse aus beobachte ich das Treiben im Innenhof. Später wechsle ich die Perspektive und sehe von meinem Balkon auf dieselbe Szenerie hinunter. Die Zimmer sind großzügig angelegt, mit kleinen Rückzugsnischen und Balkonen, auf denen man gern länger sitzen bleibt. Aus der Minibar nehme ich eine Dose alkoholfreien Negroni mit. Zugegeben: Zuerst hat mich das Design überzeugt. Die markante Dose gehört zu House of Negroni, einer Kooperation, die mir am Abend auf der Dachterrasse wiederbegegnen wird.

Zuvor zieht es mich noch einmal nach Salò. Ein Aperitivo an der Promenade gehört für mich zu einem Gardasee-Besuch einfach dazu. Und weil der See vom Ufer aus zwar schön anzusehen ist, vom Wasser aus aber noch einmal ganz anders wirkt, geht es anschließend aufs Boot. Der Startpunkt liegt praktisch vor der Haustür. Wir rauschen an der Isola del Garda mit ihrem Schloss vorbei und weiter bis nach Gargnano. Auf der Rückfahrt brauche ich keine weitere Unterhaltung: Die Sonne im Gesicht, der Wind in den Haaren und die Orte, die langsam am Ufer vorbeiziehen, reichen völlig. Spätestens jetzt ist die Anreise über den Brenner weit weg.

Italien auf dem Teller, Mailand an der Bar

Zum Dinner geht es zurück ins Artigiani Rooftop Restaurant. Das italienische Buffet mit Frontcooking und eigener Eisstation macht die Entscheidung nicht gerade leichter. Ich probiere mich durch verschiedene Gerichte und denke, dass ein längerer Aufenthalt durchaus Vorteile hätte: Dann müsste man nicht alles an einem Abend kosten. Unterschiedliche Sitzbereiche gliedern das große Restaurant, während draußen die Aussicht mit dem Abendlicht ihre Farben verändert.

Später treffen sich Hotelgäste und externe Besucher auf der Dachterrasse im House of Negroni. Die von Vudafieri Saverino Partners gestaltete Bar hat eine andere Atmosphäre als das übrige Resort. Sie könnte ebenso gut in Mailand liegen: eigenständig im Design, mit Live-Musik, DJ und einer Cocktailkarte, die dem Negroni reichlich Raum für Variationen gibt. Das Barfood wäre ein weiterer Grund, hier länger zu bleiben – dafür hat mein Abend allerdings nicht mehr gereicht.

Dass es diese Bar überhaupt gibt, war laut Otmar Michaeler zunächst nicht vorgesehen. Der CEO der Falkensteiner Michaeler Tourism Group erzählt mir am Morgen nach der Eröffnungsfeier, der Bereich sei bereits anders geplant gewesen, als er sich ein eigenständiges Konzept dafür gewünscht habe. Auch eine Zusammenarbeit mit einer Luxusmodemarke sei im Gespräch gewesen, habe für ihn aber nicht zum Haus gepasst. Über einen persönlichen Kontakt sei schließlich die Idee entstanden, House of Negroni nach Salò zu holen. Nun begegnet einem die Marke vom Gästezimmer bis zur Dachterrasse.

Ein Garten, der noch wachsen darf

Am nächsten Morgen sitze ich zum Frühstück auf der Terrasse. Die Sonne steigt über dem See auf, im Hof beginnt langsam der Tag. Danach geht es in den Wellnessbereich, der sich über mehrere Ebenen verteilt. Familien finden eigene Pool- und Spielbereiche, auf dem Dach gibt es ein Adults-only-Spa mit Panoramasauna, Dampfbad, Hammam und Pool. Die räumliche Aufteilung macht bei einem Haus dieser Größe Sinn: Nicht alle Gäste suchen zur selben Zeit dasselbe.

Das gilt auch für die weitere Entwicklung des Resorts. Zu den 85 Hotelsuiten kommen insgesamt 174 Apartments in zwei Bauphasen; vier Villen sind zusätzlich in Planung. Eigentümer können die Residences selbst nutzen oder über ein betreutes Programm vermieten. Michaeler sieht in dieser Verbindung von Hotel und Wohneigentum auch eine wirtschaftliche Antwort auf gestiegene Baukosten. Zugleich habe Falkensteiner das Hotel bewusst größer angelegt, als es für die Residence-Entwicklung erforderlich gewesen wäre. Wie sich das Miteinander von Hotelgästen und Eigentümern künftig einspielen wird, lässt sich bei meinem Besuch noch nicht beurteilen.

Auch die Landschaft braucht Zeit. João Nunes von PROAP plant einen botanischen Park, dessen Bepflanzung im September noch jung ist. Die Architektur nimmt sich gegenüber der Topografie bereits angenehm zurück; wie die Gebäude und der Garten einmal zusammenwirken, wird sich erst zeigen, wenn die Pflanzen gewachsen und die weiteren Bauabschnitte fertig sind.

Auf der Rückfahrt nach Norden denke ich nicht an die Größe des Projekts, sondern an die kleinen Momente: den ersten Kaffee nach dem Brenner, den Lunch am Pool, den Blick vom Balkon, den Wind auf dem Boot und die Menschen, die an der Zufahrt ihr Wasser holen. Das Hotel ist bereits ein guter Ausgangspunkt für ein Wochenende in Salò. Und für einen nächsten Besuch gibt es einen Anlass: Bis dahin dürfte der Garten ein Stück weitergewachsen sein.

Mehr auf www.falkensteiner.com/en/resort-lake-garda
Fotos © Falkensteiner

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