Design & Interieur

Design-Glossar: Hollywood Regency-Stil

Wer an den Glamour des alten Hollywood denkt, hat unweigerlich ein Bild vor Augen: Spiegelnde Oberflächen, dramatische Kontraste und eine Prise Exzess. Dieser Stil hat einen Namen – Hollywood Regency – und eine Schöpferin, die das Interior Design revolutionierte: Dorothy Draper.

Von Julia Weninger

Der Hollywood Regency-Stil entstand in den goldenen 1930er- und 1940er-Jahren in den USA. Er ist die Antithese zum kühlen Minimalismus und zum strengen Funktionalismus des Bauhauses. Statt „Form follows Function“ gilt hier: Form follows Flair. Der Stil mixt barocke Opulenz mit moderner Geradlinigkeit und schafft Räume, die wie eine Filmkulisse wirken – bereit für den großen Auftritt.

Die Pionierin: Dorothy Draper (1889–1969)

Hinter diesem Look steht eine Frau aus der New Yorker High Society. Dorothy Draper war die erste, die Interior Design als professionelles Business etablierte. 1925 gründete sie ihr eigenes Büro und brach mit allen Konventionen ihrer Zeit. Draper war keine Verfechterin von Subtilität; sie liebte das Monumentale.

(c) Misha Alexis

Die stilprägenden Merkmale

Um den Hollywood Regency-Look zu verstehen, muss man die „Draper-Elemente“ kennen, die bis heute als Goldstandard des glamourösen Wohnens gelten:

• Dramatische Kontraste: Das absolute Markenzeichen ist das großformatige schwarz-weiße Schachbrettmuster – ob als Marmorboden in Hotel-Lobbys oder als Akzent im privaten Foyer.

• Farben mit Signalwirkung: Draper verabscheute „schlammige“ Töne. Sie setzte auf „Acid Green“, leuchtendes Kirschrot und Türkis. Ihr Credo: Klare Farben fördern das seelische Wohlbefinden.

• Modern Baroque: Üppige Rokoko- und Barockelemente wurden radikal vereinfacht und oft weiß oder farbig lackiert, um ihnen die Schwere zu nehmen.

• Botanische Opulenz: Der „Cabbage Rose“-Chintz (großflächige Rosenmuster) und der ikonische „Brazilliance“-Bananenblatt-Print brachten die Natur in einer fast surrealen Größe nach drinnen.

• Material-Mix: Hochglanz-Lacke treffen auf Goldakzente, Samt und vor allem Spiegel. Letztere dienten nicht nur der Eitelkeit, sondern sollten Räume optisch öffnen und das Licht vervielfachen.

© Modernica Vintage Llighting

Drapers Projekte waren keine einfachen Renovierungen, sondern architektonische Statements. Im Carlyle Hotel in New York oder dem riesigen Greenbrier Resort (1948) bewies sie, dass man mit 45.000 Yards Stoff und mutiger Vision eine ganze Welt erschaffen kann. Ihr Einfluss reichte bis nach Brasilien, wo sie das Palácio Quitandinha mit einem Budget von 10 Millionen Dollar in ein barockes Wunderland verwandelte.

© Amanda Frank

Das Vermächtnis im modernen Design

Heute erlebt der Hollywood Regency-Stil durch Designer wie Kelly Wearstler ein massives Comeback. Drapers Bestseller „Decorating is Fun!“ (1939) wird auch heute noch als Manifest für mutiges Wohnen gelesen. Sie professionalisierte eine männerdominierte Branche und bewies, dass ein mutiger Pinselstrich wie etwa eine rote Tür oder eine schwarz-weiße Wand die Kraft hat, das Lebensgefühl zu verändern.

© Archzine

Titelbild mittels KI generiert

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