
Das sind die teuersten Designobjekte der Welt
Lange galt Design als die elegante Schwester der bildenden Kunst: begehrt, hochwertig, aber preislich klar unter der Leinwand angesiedelt. Das Auktionsjahr 2025 hat das nun gründlich zerlegt und die auch 30-Millionen-Dollar-Grenze ist gefallen.
Das Auktionsjahr 2025 hat die Spielregeln auf dem internationalen Markt endgültig neu geschrieben, wie Sotheby's zeigt. Wir erleben gerade, wie Designobjekte vom Sessel bis zur Leuchte in eine völlig neue preisliche Stratosphäre aufsteigen. Während der klassische Kunstmarkt momentan eher mit Gegenwind kämpft, feiern Möbel und Kunstgewerbe einen Siegeszug, den so kaum jemand vorhergesehen hat.
Die nackten Zahlen: Design als Fels in der Brandung
Ein Blick auf die Statistik des ersten Halbjahres 2025 zeigt die paradoxe Situation: Die weltweiten Auktionsumsätze sind insgesamt um 6,2 Prozent zurückgegangen. Besonders hart traf es die Nachkriegs- und Gegenwartskunst, die ein sattes Minus von 19,3 Prozent (auf 1,22 Milliarden US-Dollar) einstecken musste. Sogar die Moderne und der Impressionismus schwächelten.
Und das Design? Es ist der große Gewinner. Während sich der Luxussektor nur mühsam stabil hielt, explodierten die Preise für Top-Designstücke. Spätestens seit dem Rekordverkauf der legendären Hippopotame Bar ist klar: Design ist kein „kleiner Bruder“ der Kunst mehr, sondern eine absolut gleichwertige Hochpreiskategorie.
Ein Nilpferd für die Ewigkeit
Es war der Moment, der bei Sotheby’s in New York für Schnappatmung sorgte: Die Hippopotame Bar von François-Xavier Lalanne wurde für rund 31,4 Millionen US-Dollar zugeschlagen. Dieses skulpturale Bar-Möbel aus der berühmten Lalanne-Werkstatt ist damit offiziell das teuerste Designobjekt, das jemals unter den Hammer kam.
Dieser Verkauf ist weit mehr als nur ein neuer Rekordwert. Er ist das Symbol für den Trend des Jahres 2025: Die totale Verschmelzung von praktischer Funktion und freier Skulptur. Sammler kaufen heute keine Möbel mehr, sie kaufen bewohnbare Kunstwerke.
Abgesehen vom Rekord-Nilpferd bleibt das Duo Claude und François-Xavier Lalanne das Nonplusultra auf dem Markt. Ihre Mischung aus Naturformen und Möbeln – vom Tisch bis zur Lampe – erzielt mittlerweile konstant Preise zwischen einer und zwei Millionen US-Dollar. Besonders Claude Lalannes filigrane, von der Botanik inspirierte Arbeiten sind aus den großen Sammlungen nicht mehr wegzudenken.
Der Erfolg kommt nicht von ungefähr: Zwischen 2019 und 2024 wurden bei Sotheby's und Christie's über 700 Werke aus dem Privatbesitz der Familie Lalanne versteigert. Das Ergebnis? Ein unglaublicher Gesamterlös von 330,2 Millionen Dollar. Das zeigt, wie tiefgreifend das Interesse an diesem hybriden Stil ist.

Lichtgestalten und Glas-Giganten: Tiffany und Wright
Nicht nur die Moderne sorgt für Schlagzeilen, auch das historische Design feiert ein massives Comeback. Vor allem handwerkliche Meisterleistungen aus dem frühen 20. Jahrhundert stehen extrem hoch im Kurs:
Auch monumentale Fenster wie das Danner Memorial Window (ca. 12,4 Mio. USD) und das Goddard Memorial Window (ca. 4,3 Mio. USD) von Tiffany haben neue Bestmarken gesetzt. Sie zeigen, dass architekturgebundenes Design heute als vollwertiges Investment betrachtet wird.

© Sothebys
Ein absolutes Highlight war der Verkauf der Double Pedestal Lamp für rund 7,5 Millionen US-Dollar. Zum ersten Mal hat damit eine Leuchte einen Preis erzielt, der normalerweise nur für absolute Meisterwerke der Malerei reserviert war.

© Scarpa
Scarpa und Sottsass
Auch der Markt für italienisches Design zeigt keine Ermüdungserscheinungen. Große Namen wie Carlo Scarpa oder Ettore Sottsass sind international gefragter denn je. Ein Beweis dafür: Im März dieses Jahres wurde bei Piasa ein speziell angefertigter Vitrinenschrank von Scarpa für stolze 489.868 US-Dollar verkauft – ein neuer Rekord für den Architekten und ein weiteres Zeichen für die Stärke dieses Segments.
Titelbild: © Sotheby's



