
Wie aus Verantwortung Architektur wird
Wie verändert sich die Baukultur, wenn der Wert vorhandener Ressourcen stärker in den Mittelpunkt rückt? Das ÖGNI Symposium am 22. Oktober 2026 im Wiener Ronacher widmet sich der Zukunft einer Branche, deren Entscheidungen weit über das einzelne Gebäude hinausreichen. Im Fokus stehen konkrete Lösungsansätze und die Frage, wie nachhaltige Entwicklung in der Praxis gelingen kann.
Ein Gebäude ist weit mehr als die Summe seiner Materialien. In seiner Konstruktion steckt bereits ein erheblicher Einsatz an Ressourcen. Wer über die Zukunft des Bauens nachdenkt, muss deshalb auch über die Zukunft des Bestands sprechen. Die Kreislaufwirtschaft eröffnet dafür eine neue Perspektive. Sie betrachtet Gebäude als langfristige Ressourcen, deren Wert über ihre ursprüngliche Nutzung hinausreicht. Die Qualität einer Architektur bemisst sich damit zunehmend auch an ihrer Anpassungsfähigkeit und der Möglichkeit, vorhandene Materialien weiterzuverwenden.
Genau hier setzt eine der wesentlichen Debatten der nachhaltigen Immobilienwirtschaft an. Wie lassen sich ökologische Anforderungen mit architektonischem Anspruch vereinbaren? Und welche Voraussetzungen braucht es, damit ressourcenbewusstes Bauen im Alltag zur etablierten Praxis wird?
Von der Absicht zur Umsetzung
Am 22. Oktober lädt die Österreichische Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft, kurz ÖGNI, zum zweiten Symposium ins Wiener Ronacher. Unter dem Titel „Sustainability: Turning Intentions into Impact!“ richtet die Veranstaltung den Blick auf die konkrete Umsetzung nachhaltiger Strategien. Nach der Premiere 2024 steht erneut der fachliche Austausch im Mittelpunkt. Arbeitsgruppen aus dem deutschsprachigen Raum erarbeiten praxisorientierte Lösungsansätze. In diesem Jahr beschäftigen sie sich insbesondere mit transparenten Datenflüssen und den gesellschaftlichen Auswirkungen neuer Technologien. Auch die Bedeutung kontinuierlicher Weiterbildung für den Wandel der Branche wird thematisiert.
Zu den internationalen Gästen zählt Ban Ki-moon, ehemaliger Generalsekretär der Vereinten Nationen. Die Klimajournalistin Louisa Schneider ergänzt das Programm mit einer Perspektive auf die gesellschaftliche Dimension der Klimakrise.


Neue Materialien, neue Möglichkeiten
Besonders interessant für die Designbranche ist die begleitende Präsentation junger Unternehmen. Zwölf ausgewählte Startups stellen Entwicklungen vor, die neue Ansätze für die Baupraxis eröffnen. Das Innsbrucker Unternehmen ParaStruct etwa arbeitet an Baustoffen aus bislang ungenutzten mineralischen und pflanzenbasierten Reststoffen. Die Entwicklung zeigt, welches Potenzial in Materialien liegt, die in konventionellen Produktionsprozessen häufig unberücksichtigt bleiben. Einen anderen Zugang verfolgt das Wiener Interior Design Studio Good Design. Hier beginnt nachhaltige Gestaltung bei der Frage, wie bestehende Räume besser genutzt werden können. Eine intelligente Neuorganisation des Grundrisses kann zusätzlichen Flächenbedarf vermeiden und vorhandene Architektur aufwerten.
Beide Ansätze verdeutlichen, dass Circular Design weit über die Wahl eines recycelten Materials hinausgeht. Entscheidend ist die Auseinandersetzung mit dem gesamten Lebenszyklus eines Entwurfs. Das ÖGNI Symposium versteht sich als Plattform für eine Branche im Wandel. Für Architektur und Design liegt seine Relevanz vor allem in der Verbindung von gestalterischen Entscheidungen mit langfristiger Verantwortung. Denn eine zukunftsfähige Baukultur beginnt bereits dort, wo über den Erhalt eines Gebäudes entschieden wird. Sie zeigt sich in der bewussten Auswahl von Werkstoffen und in Entwürfen, die Veränderungen zulassen. Kreislaufwirtschaft wird damit zu einer Frage architektonischer Qualität. Und der sorgfältige Umgang mit dem Vorhandenen zu einem wesentlichen Maßstab zeitgemäßer Gestaltung.
ÖGNI Symposium 2026
22. Oktober 2026, Wiener Ronacher
Einlass ab 17.30 Uhr, Beginn um 18.30 Uhr
Fotos © Roland Rudolph