Model am Meer in einem lilafarbenen Kleid von Designerin Flora Miranda, das die feine Netzstruktur von 3D-Druck imitiert.

© Foto: Ronald Stoops

Design & Interieur

Material in Arbeit

Fünf Positionen aus Österreich zeigen, wie digitale Werkzeuge, Brennprozesse und Werkstattwissen vertraute Materialien verändern – und wie Entwurf und Herstellung dabei wieder enger zusammenrücken.

Von Linda Pezzei

Ein 3D-gedruckter Tonkörper verformt sich beim Brand, Glas entsteht Schicht für Schicht, Fäden folgen errechneten Mustern, Kork wird bestickt. In allen Fällen greifen Werkzeuge und Herstellungsprozesse direkt in den Entwurf ein. Materialinnovation braucht dafür keinen neuen Stoff. Sie kann darin liegen, einen bekannten Werkstoff anders zu formen, zu bearbeiten oder herzustellen.

Bei Julia Körner weitet sich das Feld. Die österreichische Architektin und Designerin arbeitet seit Jahren an der Schnittstelle von computergestütztem Entwurf und additiver Fertigung. Sie lehrt an der UCLA in Los Angeles und bewegt sich mit ihren Projekten durch Architektur, Mode und Produktdesign. Für sie gibt es weder den einen 3D-Druck noch das eine Material. Glas verlangt ein anderes Verfahren als Sand, Bio-Resin reagiert anders als Textil. Körner wählt Material und Fertigungstechnologie gemeinsam aus und entwickelt daraus ihre digitalen Methoden. Der Algorithmus steht nicht über dem Material. Er muss mit dessen Möglichkeiten und Grenzen umgehen können. [...]

Julia Körners Arid Dress verbindet digital entwickelte Strukturen mit
additiver Fertigung auf Textil – ein Entwurf zwischen Körper, Material und
algorithmischer Form.

© Foto: Photography Ger Ger

Der Körper korrigiert die Datei

Die in Antwerpen ausgebildete österreichische Modedesignerin Flora Miranda arbeitet mit Daten, generativen Systemen, Textilien und Körpern. Für sie beginnt die Verbindung bereits beim Begriff des Handwerks: „Handwerk schließt das Digitale ja mit ein.“ Code und komplexe 3D-Modelle gehören für sie ebenso zum Werkzeugkasten wie Nähen, Weben oder dem Jahr 2018 zeigt diese Übersetzung besonders anschaulich. Die Oberflächen sollten wirken, als wären sie direkt aus dem 3D-Drucker gekommen. Gedruckt wurden sie jedoch nicht. Miranda spannte Fäden um Ankerpunkte aus Nadeln und verband die entstehenden Lagen mit Silikon. Das Erscheinungsbild des 3D-Drucks wurde damit in ein manuelles textiles dem Jahr 2018 zeigt diese Übersetzung besonders anschaulich. Die Oberflächen sollten wirken, als wären sie direkt aus dem 3D-Drucker gekommen. Gedruckt wurden sie jedoch nicht. Miranda spannte Fäden um Ankerpunkte aus Nadeln und verband die entstehenden Lagen mit Silikon. Das Erscheinungsbild des 3D-Drucks wurde damit in ein manuelles textiles Verfahren übersetzt. [...]

Flora Miranda versteht Programmieren ebenso als Handwerk
wie Nähen oder Weben – und übersetzt digitale
Systeme in körperliche, textile Formen.

© Foto: Norman Konrad

Was der Prozess verändert

Im Brand, in der Datei, an der Maschine, am Körper oder in der Werkstatt – die [...] Positionen zeigen: Entscheidend ist, wie mit einem Werkstoff gearbeitet wird und welche Rolle Verfahren, Erfahrung und Materialverhalten dabei spielen. Bei ceraLAB kommt die Form nach dem Brand anders aus dem Ofen, als sie am Bildschirm entworfen wurde. Die Abweichung fließt zurück in die nächste Datei – und der bekannte Werkstoff wird erneut zum Ausgangspunkt.

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