Schauspielerin Julia Koschitz sitzt in rotem Poloshirt und fliederfarbener Hose auf dem Boden.
Life & Style

Julia Koschitz – viel Licht, wenig Deko und gleich drei Favoriten

Julia Koschitz mag Räume, die Luft lassen, Licht, das Atmosphäre schafft, und Möbel, die im besten Fall ein Leben lang bleiben. Dekoration um der Dekoration willen? Eher nicht. Dafür dürfen Pflanzen einziehen, Designklassiker verführen und Kunstwerke Geschichten erzählen. Bei der Frage nach ihrem Lieblingsstück macht die Schauspielerin allerdings nicht ganz mit: Eines reicht ihr nämlich nicht.

Von Lisi Brandlmaier

Wer beruflich ständig zwischen Filmsets, Theaterbühnen, Hotels und wechselnden Drehorten unterwegs ist, entwickelt vermutlich eine ziemlich genaue Vorstellung davon, was Zuhause bedeutet. Bei Julia Koschitz ist diese erfreulich wenig kompliziert: „Zuhause ist da, wo die Menschen sind, die ich liebe.“ Und manchmal offenbar auch dort, wo das richtige Buch wartet. Nach längerer Abwesenheit weiß die Schauspielerin spätestens dann, dass sie wirklich angekommen ist, wenn sie vor ihrem Bücherregal steht und nach der nächsten Lektüre sucht.

Ganz ohne persönliche Spuren kommt Koschitz allerdings auch an temporären Wohnorten nicht aus. Bei längeren Drehs kann es durchaus passieren, dass sie Möbel umstellt – und schon einmal eine Pflanze kauft, die anschließend mit nach Hause übersiedelt.

Alles eine Frage des Lichts

Dass Julia Koschitz Räume sehr bewusst wahrnimmt, überrascht wenig. Bevor sie sich endgültig für die Schauspielerei entschied, wollte sie Bühnenbild studieren, ihr erster Traumberuf war Tänzerin. Gestaltung, Raum und Bewegung begleiten sie also schon lange.

Ihr Wohnstil? Reduziert, zeitlos und trotzdem warm. Sie mag freie Flächen und Designklassiker, die nicht nach zwei Saisonen wieder ausgetauscht werden wollen. „Ich liebe zeitloses Design oder Klassiker, die einen ein Leben lang begleiten.“ Gleichzeitig darf Minimalismus bei ihr keinesfalls mit Ungemütlichkeit verwechselt werden.

Und dann wäre da das Licht. Eigentlich könnte man Koschitz’ wichtigstes Interior-Gesetz auf einen einzigen Satz reduzieren: „Alles ist eine Frage des Lichts.“ Statt einer großen Deckenlampe bevorzugt sie viele kleinere, indirekte Lichtquellen. Wobei sie bei Lampen durchaus schwach werden kann. Ihr jüngster Kauf: eine PH 5 von Louis Poulsen. Auch Stühle haben Gefahrenpotenzial. Ein brauner Wassily Sessel von Marcel Breuer dürfte beispielsweise ziemlich problemlos bei ihr einziehen.

Überhaupt entscheidet Koschitz beim Einrichten eher intuitiv. Lange Entscheidungslisten, nächtelanges Vermessen und Möbelstücke in zehn verschiedenen Raumplaner-Apps hin- und herschieben? Nicht ihr Ding. „Ich weiß sofort, was mit muss“, sagt sie.

Das gilt offenbar schon ziemlich lange. Einige Lampen und Stühle, die sie von ihren Eltern oder ihrem Bruder übernommen hat, begleiten sie seit ihren Zwanzigern. Damals wurden sie kurzerhand in einen Sprinter gepackt und zum ersten Engagement mitgenommen. Und Koschitz ist überzeugt, dass sie sich heute noch in ihren damaligen WG-Zimmern oder Wohnungen wohlfühlen würde. Ein gutes Zeichen dafür, dass der eigene Geschmack vielleicht doch langlebiger sein kann als so mancher Interior-Trend.

Weiß darf bleiben, Deko eher draußen

Farblich hält sich Koschitz bewusst zurück. Weiß zieht sich vor allem über die Wände – nicht aus Angst vor Farbe, sondern weil es der Kunst den nötigen Raum gibt.

Und bei einer Kategorie ist die Schauspielerin eindeutig: „Dekoration ist generell kein Konzept für mich.“ Das dürfte sämtliche rein dekorativen Vasen, saisonalen Zierkissen und farblich abgestimmten Staubfänger ein wenig nervös machen. Stattdessen: Kunst. Und zwar nicht irgendeine.

Ein Lieblingsstück? Drei, bitte!

Bei der entscheidenden Frage dieser Serie verweigert Julia Koschitz charmant die Spielregeln. Nur ein Lieblingsstück auswählen? Keine Chance. „Es wären drei Kunstwerke. Ich weigere mich quasi, eines davon zu wählen.“

Was diese Werke verbindet, ist weniger ein bestimmter Stil als ihre persönliche Geschichte. Koschitz besitzt hauptsächlich Bilder und Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern, die sie persönlich kennt – manche davon schon ihr ganzes Leben. Kunst war in ihrer Familie ohnehin immer präsent: Ihr Vater interessierte sich besonders für bildende Kunst, ihre Mutter stärker für Theater und Musik.

Einer der Künstler, mit dessen Bildern sie bereits als Kind aufwuchs, ist der Wiener Maler Alex Klein. Schon damals fühlte sie sich von seinen Arbeiten angezogen. Ohne es erklären zu können, hatten seine Bilder eine fast meditative Wirkung auf sie. Später wurde ein Werk von ihm ihr erster ernsthafter Kunstkauf. Seine Beschäftigung mit Licht und Schatten, der Illusion von Raum und dessen Grenzen fasziniert sie bis heute.

Einen ganz anderen, sehr emotionalen Stellenwert hat ein Werk des verstorbenen Malers Denis Pradère. Das erste Bild, das Koschitz geschenkt bekam, stammt von ihm. Pradère sei zwar unerkannt gegangen, sagt sie, begleite sie durch seine Bilder aber weiterhin sehr lebendig. Ein Kunstwerk wird hier nicht zum schönen Objekt an der Wand, sondern zum Speicher von Erinnerung.

Und dann ist da noch die Kunst ihres Bruders, Duks Koschitz, eines Bildhauers. Obwohl sie ihn naturgemäß bestens kennt, hat Koschitz durch seine Arbeit noch einmal eine andere Seite an ihm entdeckt. Seine Faltkunst beschreibt sie als intellektuell und konzeptionell, gleichzeitig aber sinnlich und beinahe poetisch.

Damit erzählen ihre drei Lieblingsstücke am Ende ziemlich viel über Julia Koschitz selbst: über Familie, Erinnerung, Bewegung und ihre Beziehung zu Raum, Licht und Kunst. Sie sind nicht ausgewählt worden, weil sie perfekt zur Couch passen – sondern weil Menschen und Geschichten dahinterstehen.

Und sollte zwischen all der Kunst doch einmal eine freie Ecke bleiben, ist die Lösung ebenfalls schnell gefunden: eine Pflanze. Davon gibt es bei Julia Koschitz nämlich überraschend viele. Anders als bei unnötigem Ballast zeigt sie hier wenig Trennungsbereitschaft. Denn grundsätzlich, sagt sie über sich selbst, sei sie „ein guter Wegschmeißer“. Das erklärt vermutlich auch, warum das, was bleiben darf, tatsächlich Bedeutung hat.

„Das verschwundene Kind“ – 19.10.2026, ZDF
„Das Vergessen – Spurlos im Moor“ – 24. und 25.10.2026, Das Erste

© Fotos: Hilde Van Mas

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