
Große Bühne für nachhaltige Zukunftsfragen: Das prachtvolle Wiener Ronacher bot den eindrucksvollen Rahmen für das zweite ÖGNI Symposium. Vor voll besetztem Zuschauerraum sprach der ehemalige UN-Generalsekretär Ban Ki-moon über Klimaschutz, globale Verantwortung und die Herausforderungen unserer Zeit. © Raphael Fasching
Eine Welt, eine gemeinsame Verantwortung
Mit Ban Ki-moon als internationalem Stargast, eindringlichen Klimaappellen und musikalischen Höhepunkten verwandelte sich das Wiener Ronacher in einen Ort des Dialogs über die Zukunft des Bauens. Das zweite ÖGNI Symposium zeigte, dass nachhaltige Entwicklung weit mehr verlangt als gute Absichten und dass Veränderung dort beginnt, wo Verantwortung übernommen wird.
Rund 600 Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger aus der Bau- und Immobilienwirtschaft kamen am 22. Oktober 2026 im Wiener Ronacher zusammen, um über eine der drängendsten Fragen unserer Zeit zu diskutieren: Wie wird aus dem Wissen um die Notwendigkeit nachhaltigen Handelns tatsächlich messbare Veränderung? Unter dem Leitthema „Sustainability: Turning Intentions into Impact!“ lud die Österreichische Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft (ÖGNI) zu ihrem zweiten Symposium. Zwischen fachlichen Impulsen, internationalen Perspektiven und eindrucksvollen Bühnenmomenten entstand ein Abend, der über die Grenzen der Immobilienbranche hinausblickte.
Ban Ki-moon: Ein eindringlicher Appell an die Welt
Der Höhepunkt des Abends war der Auftritt von Ban Ki-moon, der von 2007 bis 2016 als Generalsekretär der Vereinten Nationen amtierte. Im Gespräch mit Moderatorin Manuela Raidl zeichnete er ein nachdenkliches Bild unserer Gegenwart. Trotz wissenschaftlicher Erkenntnisse, technologischer Fortschritte und internationaler Vereinbarungen stehe die Menschheit weiterhin vor gewaltigen Herausforderungen. Ban Ki-moon erinnerte an zwei historische Errungenschaften des Jahres 2015: das Pariser Klimaabkommen und die Verabschiedung der 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen. Beide Vereinbarungen seien Ausdruck einer seltenen internationalen Geschlossenheit gewesen. Staats- und Regierungschefs, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft hätten damals gezeigt, dass gemeinsames Handeln über politische und geografische Grenzen hinweg möglich sei.
Umso größer sei seine Sorge angesichts der heutigen Entwicklung. Der ehemalige UN-Generalsekretär verwies auf die fortschreitende Erderwärmung und die Gefahr, dass die internationale Gemeinschaft ihre selbst gesteckten Klimaziele verfehlt. Besonders eindringlich wurde seine Botschaft, als er die steigende Temperatur unseres Planeten mit dem Fieber eines Kindes verglich. Während ein krankes Kind medizinisch versorgt werden könne, gebe es für die Erde kein Krankenhaus, in das man sie bringen könne.

ÖGNI-Geschäftsführer Peter Engert, Klimajournalistin Louisa Schneider, der ehemalige UN-Generalsekretär Ban Ki-moon, Moderatorin Manuela Raidl und ÖGNI-Präsident Andreas Köttl beim Symposium 2026 im Wiener Ronacher (v. l. n. r.). © Raphael Fasching

Der ehemalige UN-Generalsekretär Ban Ki-moon sprach im Gespräch mit Moderatorin Manuela Raidl beim ÖGNI Symposium im Wiener Ronacher über globale Verantwortung, Nachhaltigkeit und die dringende Notwendigkeit gemeinsamen Handelns. © Raphael Fasching
Wie unmittelbar die Folgen des Klimawandels bereits spürbar sind, erlebte Ban Ki-moon auf seinen zahlreichen Reisen in die Arktis, Antarktis und in besonders gefährdete Inselstaaten. Auch die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen seien für ihn weit mehr als politische Absichtserklärungen: Sie stehen für grundlegende Menschenrechte wie Gesundheit, Bildung, Gleichberechtigung und ein Leben ohne Hunger und Armut. Seine zentrale Botschaft: Klimaschutz ist nicht allein Aufgabe der Politik. Jeder Einzelne trägt Verantwortung – im Alltag ebenso wie im Berufsleben. Auch die internationale Zusammenarbeit sprach Ban Ki-moon an. Dabei betonte er, dass die Bedeutung eines Landes nicht von seiner Größe abhänge, und plädierte für eine Reform des UN-Sicherheitsrats.
Louisa Schneider: Mut zur Veränderung
Die Klimajournalistin Louisa Schneider brachte eine weitere Perspektive auf die Bühne. Für ein gemeinsames Projekt mit Greenpeace bereiste sie fünf Klimakipppunkte der Erde und begegnete Menschen, die bereits heute mit den Folgen der Klimakrise leben. Statt ausschließlich vor Bedrohungen zu warnen, plädierte sie für positive Zukunftsbilder und gemeinschaftliches Handeln. „Uns fehlen die Utopien“, lautete ihre Botschaft. Nachhaltigkeit brauche nicht nur individuelle Verantwortung, sondern vor allem strukturelle Veränderungen in Politik und Wirtschaft.
Wie diese Veränderungen gelingen können, zeigten die Ergebnisse dreier Arbeitsgruppen aus der DACH-Region. Im Fokus standen Digitalisierung und transparente Datenflüsse, der verantwortungsvolle Einsatz künstlicher Intelligenz und Robotik sowie lebenslanges Lernen. Auch zwölf innovative Unternehmen präsentierten im Start-up Corner neue Lösungsansätze für eine nachhaltigere Bau- und Immobilienwirtschaft.
Zwischen großen Gedanken und großer Bühne
Für besondere Momente sorgten zwei Showeinlagen aus „Maria Theresia – Das Musical“ der Vereinigten Bühnen Wien. Die musikalischen Darbietungen verliehen dem Symposium im Ronacher einen stimmungsvollen Rahmen und verbanden gesellschaftspolitischen Diskurs mit kulturellem Erlebnis. Was vom zweiten ÖGNI Symposium bleibt, ist ein klarer Appell: Nachhaltigkeit darf nicht bei guten Absichten enden. Sie verlangt Zusammenarbeit, Mut und konkrete Entscheidungen. Denn eine lebenswerte Zukunft entsteht nicht von selbst – sie wird heute von uns gestaltet.