Kunst & Kultur

"Räume, die von gestern träumen“: Warum man diese Ausstellung sehen sollte

Historische Bühnenbilder, Papiermodelle und die Grenzen zwischen Realität und Inszenierung: Die Ausstellung „THOMAS DEMAND. Räume, die von gestern träumen“ im MAK verbindet Fotografie, Theatergeschichte und angewandte Kunst. Noch bis Jänner 2027 ist der eigens für Wien entstandene Werkzyklus zu sehen – eine Ausstellung, die sich besonders für einen Besuch im Spätsommer anbietet.

Von Julia Weninger

Was passiert, wenn historische Bühnenbilder ihre ursprüngliche Funktion verlieren und in fotografische Bildwelten überführt werden? Mit dieser Frage beschäftigt sich der Künstler und Fotograf Thomas Demand in seiner aktuellen Ausstellung im MAK. „Thomas Demand. Räume, die von gestern träumen“ ist seit 27. Mai 2026 in der MAK Contemporary zu sehen und läuft noch bis 24. Jänner 2027.

Für die Ausstellung hat Demand historische Entwürfe und Modelle von Bühnenbildern aufgegriffen. Die Vorlagen stammen unter anderem aus dem Theatermuseum Wien, dem Nouveau Musée National de Monaco und dem Deutschen Theatermuseum München. Daraus entwickelte der Künstler einen neuen Werkzyklus, der die Bildsprache von Theater und Oper in die Fotografie überträgt.

Papier, Karton und die Konstruktion von Wirklichkeit

Im Zentrum von Demands künstlerischer Arbeit steht das Modell. Der Künstler baut Gegenstände, Innenräume, Architekturmodelle und andere Motive aus Papier und Karton nach. Anschließend fotografiert er diese Konstruktionen und zerstört die Modelle wieder. Das entstandene Foto wird zum eigentlichen Kunstwerk.

Auch für die MAK-Ausstellung entstanden rund 25 Fotografien. Aufgenommen wurden sie mithilfe eines Periskops, das den Blick auf die Miniaturen aus einer ungewöhnlichen Perspektive ermöglicht. Durch Ausschnitte, Verschiebungen, Schichtungen und Vergrößerungen entstehen Bilder, in denen Vorder- und Hintergrund ineinander übergehen.

Die Fotografien bewegen sich dabei zwischen konkreter Darstellung und Abstraktion. Berge, Landschaften, Bäume, Schiffe und Architekturen werden aus ihren ursprünglichen Zusammenhängen gelöst. Was zunächst wie eine reale Szenerie erscheint, erweist sich bei genauerem Hinsehen als fotografierte Konstruktion.

© kunst-dokumentation.com/MAK

Theatergeschichte wird zur fotografischen Kulisse

Demand greift für seine Arbeiten auf historische Bühnenwelten zurück, die einst für konkrete Inszenierungen geschaffen wurden. Darunter befinden sich Szenografien zu Richard Wagners „Tannhäuser“, Gioachino Rossinis „Guillaume Tell“ oder Lorenzo Sacchettis „Reggia d’Apollo“. In der Ausstellung werden die historischen Entwürfe jedoch nicht rekonstruiert, sondern durch Demands fotografische Interpretation in neue Zusammenhänge überführt.

So wird etwa das Bühnenbild zu „Tannhäuser“ zu einer Landschaft, während das Gebirgspanorama aus „Guillaume Tell“ als eigenständige fotografische Bildwelt erscheint. Die ursprüngliche Funktion der Kulissen tritt dabei in den Hintergrund. Übrig bleiben Formen, Räume und Atmosphären, die zwischen Erinnerung und Imagination angesiedelt sind.

© kunst-dokumentation.com/MAK

Zwischen Fotografie, Design und Inszenierung

Die Ausstellung verbindet unterschiedliche Bereiche, die auch für die Gestaltung von Räumen relevant sind: Bühnenbild, Architektur, Fotografie und angewandte Kunst treffen aufeinander. Besonders interessant ist dabei der Umgang mit Material und Maßstab, denn aus vergleichsweise einfachen Materialien wie Papier und Karton entstehen zunächst dreidimensionale Modelle, die durch die Fotografie eine neue räumliche Wirkung erhalten.

Ein eigens für die Ausstellung entwickeltes Panorama erinnert an eine monumentale Felswand. Ergänzt wird die Inszenierung durch Lichtquellen, die Demand wiederum anhand eines handgefertigten Pappmodells entworfen hat. Damit wird auch der Ausstellungsraum selbst Teil der künstlerischen Arbeit.

© kunst-dokumentation.com/MAK

Ein Besuch im Spätsommer

Mit ihrer Verbindung aus Fotografie, historischen Bühnenwelten und räumlicher Inszenierung fügt sich die Ausstellung in das Programm des MAK Contemporary ein und bietet einen Einblick in Demands aktuelle Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Bild und Wirklichkeit. Die Ausstellung ist noch bis 24. Jänner 2027 geöffnet. Das MAK am Stubenring ist dienstags von 10 bis 21 Uhr sowie von Mittwoch bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

Wer im Spätsommer nach einem Ausstellungsbesuch in Wien sucht, kann „Räume, die von gestern träumen“ damit noch in aller Ruhe entdecken und dabei in eine Welt eintauchen, in der Bühnenbilder zu Landschaften, Modelle zu Fotografien und historische Entwürfe zu neuen visuellen Räumen werden.

Titelbild: © kunst-dokumentation.com/MAK

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