Die FH Salzburg verbindet am Nachhaltigkeitscampus Kuchl innovative Materialforschung mit zirkulärem Design. Im Mittelpunkt stehen nachwachsende Rohstoffe und die Entwicklung kreislauffähiger Produkte. Foto © FH Salzburg

Trends & Events

Material mit Mehrwert

Wie lässt sich der Wert eines Materials über seine erste Verwendung hinaus erhalten? Die Sonderausstellung Circular Design beim Design District 2026 in der Wiener Hofburg widmete sich dieser Frage mit ausgewählten Designpositionen und konkreten Lösungsansätzen. Ein Workshop des Wiener Climate Lab eröffnete zusätzlich einen unmittelbaren Zugang zur Gestaltung ressourcenbewusster Räume.

Ein hochwertiges Designobjekt zeichnet sich nicht allein durch seine Erscheinung aus. Zunehmend gewinnt auch die Frage an Bedeutung, wie es hergestellt wird und welchen Wert seine Materialien über die ursprüngliche Nutzung hinaus behalten. Vom 9. bis 11. Oktober 2026 widmete der Design District in der Wiener Hofburg diesem Gedanken eine eigene Sonderausstellung. Unter dem Titel Circular Design präsentierte der Architekt und Designer Christian Kroepfl ausgewählte Positionen, die den verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen zum Ausgangspunkt ihrer Arbeit machen.

Die Ausstellung zeigte, dass Kreislaufwirtschaft bereits bei der Entwicklung eines Produkts beginnt. Die Möglichkeit, einzelne Komponenten auszutauschen, kann seine Nutzungsdauer wesentlich verlängern. Ebenso wichtig ist die bewusste Auswahl von Werkstoffen, die sich später wiederverwenden lassen. Für die Gestaltung eröffnet dieser Ansatz neue Möglichkeiten. Denn die Auseinandersetzung mit Materialkreisläufen verändert auch den Blick auf Qualität.

Unterschiedliche Ansätze, eine gemeinsame Haltung

Wie vielfältig diese Entwicklung bereits ist, verdeutlichte die Auswahl der beteiligten Unternehmen und Institutionen. Mit der TINY KITCHEN GREEN LINE präsentierte NEUVERMOEBELT ein kompaktes Küchenkonzept, dessen einzelne Module sich flexibel kombinieren lassen. Die Korpusse bestehen aus Bambus, die Fronten werden mit Linoleum oder Holzfurnier ausgeführt. Gemeinsam mit Strasser Steine zeigte das Unternehmen zudem den Recyclingstein Alpinova, der zu 70 Prozent aus wiederverwertetem Naturstein besteht. Einen ungewöhnlichen Zugang zur Materialkultur eröffnete SIMIÆN. Die Wiener Designmarke beschäftigt sich mit Flechten als möglicher Nahrungsquelle und entwickelt Geschirr aus Produktionsabschnitten von Naturstein. Die Arbeiten zeigen, wie aus der Beschäftigung mit vorhandenen Ressourcen eigenständige gestalterische Konzepte entstehen können.

Auch Massivholz Design und Wagner Living waren Teil der Ausstellung. Novak & Ottinger Interior Design brachte seine Perspektive auf anspruchsvolle Innenraumgestaltung ein, während Material Bank Europe den Blick auf die Bedeutung bewusster Materialentscheidungen lenkte. In einem interaktiven Workshop beschäftigte sich Material Bank mit der Frage, wie die Auswahl von Oberflächen die räumliche Wahrnehmung beeinflusst.

Dass Langlebigkeit auch durch fachgerechte Instandhaltung entsteht, zeigte Brompton Junction Vienna. Bei praktischen Vorführungen zum Schlauchwechsel wurde die Reparatur als selbstverständlicher Bestandteil einer verantwortungsvollen Produktkultur vermittelt.

SIMIÆN verbindet einen außergewöhnlichen Aperitif aus isländischem Moos mit handgefertigten Objekten aus österreichischem Naturstein.
Foto © SIMIÆN

Material Bank Europe eröffnet Architektur- und Designprofis Zugang zu mehr als 40.000 Materialien von über 450 Herstellern.
Foto © Material Bank Europe

Circular Design als Teil der Ausbildung

Eine wesentliche Rolle spielte auch die Verbindung zur Lehre. Mit der New Design University und der Fachhochschule Salzburg waren zwei Ausbildungsinstitutionen vertreten, die den Dialog zwischen gestalterischer Praxis und neuen Anforderungen an die Produktentwicklung bereicherten. Die IG Architektur, vertreten durch joyjoy studio, brachte eine architektonische Perspektive ein. Das junge Büro beschäftigt sich in seiner Arbeit intensiv mit ökologischen Fragen und versteht zirkuläre Prinzipien als Bestandteil des Entwurfsprozesses.

Gerade im Architekturkontext reicht die Bedeutung von Circular Design weit über einzelne Materialien hinaus. Die Weiterverwendung bestehender Bausubstanz kann wertvolle Ressourcen erhalten. Gleichzeitig gewinnen Konstruktionen an Bedeutung, die spätere Veränderungen ermöglichen. Die unterschiedlichen Positionen der Ausstellung machten deutlich, wie eng gestalterische Qualität inzwischen mit der Frage nach langfristiger Nutzbarkeit verbunden ist.

Ein Workshop über die Möglichkeiten des Materials

Wie sich diese Überlegungen in die Praxis übertragen lassen, zeigte der Workshop „Co-Designing Spaces for Change at Climate Lab“ am 9. Oktober. Unter der Leitung von Sinziana Satmarean und in Kooperation mit dem Wiener Climate Lab beschäftigten sich die Teilnehmenden mit der Gestaltung von Räumen und der Rolle bewusster Materialentscheidungen. An den Arbeitstischen wurden unterschiedliche Materialmuster untersucht. Oberflächen ließen sich unmittelbar vergleichen, ihre Beschaffenheit wurde zum Ausgangspunkt gemeinsamer Überlegungen. Die Arbeit mit konkreten Werkstoffen eröffnete einen Zugang, der über die Betrachtung fertiger Produkte hinausging.

Besonders für die Innenarchitektur ist diese Auseinandersetzung relevant. Räume verändern sich mit ihren Nutzern. Materialien müssen deshalb nicht nur zum ursprünglichen Entwurf passen, sie sollten auch langfristigen Anforderungen gerecht werden. Die Frage nach ihrer Lebensdauer wird damit ebenso wichtig wie ihre gestalterische Wirkung. Eine sorgfältige Materialwahl kann dazu beitragen, spätere Anpassungen zu erleichtern und unnötigen Austausch zu vermeiden. Der Workshop des Climate Lab machte diesen Zusammenhang unmittelbar erfahrbar. Er rückte die bewusste Entscheidung für ein Material in den Mittelpunkt des Gestaltungsprozesses.

Der Wert einer neuen Materialkultur

Die Circular Design Schau beim Design District 2026 zeigte, wie unterschiedlich sich der Gedanke der Kreislaufwirtschaft bereits in der Designpraxis ausdrückt. Vom modularen Möbelkonzept bis zur Reparatur bestehender Produkte reichen die Ansätze, mit denen sich Ressourcen länger nutzen lassen. Entscheidend ist dabei ein Verständnis von Gestaltung, das den gesamten Lebenszyklus eines Entwurfs berücksichtigt. Hochwertiges Design gewinnt dadurch eine zusätzliche Dimension: die Fähigkeit, auch über seine erste Verwendung hinaus wertvoll zu bleiben.

Mit der Sonderausstellung und ihrem begleitenden Programm eröffnete der Design District einen differenzierten Blick auf diese Entwicklung. Die Begegnung mit neuen Materialien wurde ebenso Teil des Diskurses wie die Auseinandersetzung mit etablierten Herstellungsweisen. Circular Design erweist sich dabei als eine gestalterische Haltung, die den Wert des Vorhandenen ernst nimmt und den Umgang mit Ressourcen zu einem wesentlichen Bestandteil anspruchsvoller Designkultur macht.

Newsletter Anmeldung

* Angaben erforderlich

Indem Sie unten auf „Abonnieren“ klicken, bestätigen Sie, dass Ihre Informationen zur Verarbeitung an unseren Newsletter Partner übermittelt werden. Weitere Informationen entnehmen Sie unserer Datenschutzerklärung.