
Designfieber de luxe
Was einst als angewandte Kunst galt, ist im internationalen Kunstmarkt angekommen. Ikonische Entwürfe von Lalanne, Royère oder Giacometti erzielen Rekordpreise, aber auch Design der Wiener Werkstätte zieht an.
Die Auktion der Sammlung Design Masters von Jean und Terry de Gunzburg sorgte am 22. April bei Sotheby’s New York für Schlagzeilen. Mit einem Gesamterlös von 96 Millionen Dollar für 107 Lose wurde sie zur wertvollsten Design-Sammlung, die jemals verkauft wurde. Die ursprüngliche Schätzung lag bei 28,5 bis 42,5 Millionen Dollar. Star der Versteigerung war ein Ensemble von 15 Spiegeln von Claude Lalanne aus dem ehemaligen Musiksalon von Yves Saint Laurent und Pierre Bergé, das 33,5 Millionen Dollar einbrachte. Zehn bis 15 Millionen Dollar lautete die Schätzung.
Dabei hatte der alte Weltrekord für ein Designobjekt gerade einmal vier Monate gehalten. Im Dezember 2025 war François-Xavier Lalannes Hippopotame Bar für 31,4 Millionen Dollar versteigert worden. Das Nilpferd aus Messing und Kupfer, dessen Körper sich öffnen lässt und eine Bar verbirgt, war auf sieben bis zehn Millionen Dollar geschätzt. Sieben Bieter lieferten sich ein mehr als 20-minütiges Gefecht.

Jean Dunand: Vase, um 1925.

Ein Paar Sideboards von Jean Royère aus der Zeit um 1950 verbindet Esche, Nuss- und Ebenholz zu einem markanten Furnierbild. Schätzpreis: 700.000 bis eine Million Dollar.

Josef Hoffmann: Silberner Tafelaufsatz der Wiener Werkstätte, präsentiert 1906 bei der Ausstellung „Der gedeckte Tisch“.
Dieses Ergebnis ist kein Einzelfall
Spitzenstücke von Jean Royère, Claude und François-Xavier Lalanne oder Diego Giacometti konkurrieren mit den Bluechips der Kunst um die Aufmerksamkeit internationaler Sammler. Die Auktionshäuser setzen bei der Vermarktung bewusst auf die Nähe zur Kunst. Die großen Sammlungen von Barbara Gladstone, Emmanuel de Bayser oder Jean und Terry de Gunzburg wurden als kuratierte Auktionen positioniert, in denen Kunst und Design gleichberechtigt nebeneinanderstehen. Sotheby’s hat diese Entwicklung in seinen jüngsten Katalogen ausdrücklich hervorgehoben: Die Grenzen zwischen den Kategorien lösen sich zunehmend auf. Entsprechend werden heute dieselben Kriterien an Designobjekte angelegt wie an Werke der bildenden Kunst: Seltenheit, Provenienz, Ausstellungsgeschichte und ikonischer Status entscheiden über den Wert.
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