
Eine Stadt voller Plakate
Warum das MAK Plakaten eine eigene Ausstellung widmet – und zeigt, wie sich ein Designfestival auch grafisch immer wieder neu erfunden hat.
Zum 20-jährigen Jubiläum rückt das MAK einen Teil Geschichte in den Mittelpunkt, der im öffentlichen Raum längst zum festen Bestandteil geworden ist: die Plakate.
Die Ausstellung 20 Jahre VIENNA DESIGN WEEK. Eine Stadt voller Plakate zeigt die visuellen Kampagnen aus zwei Jahrzehnten und würdigt damit jene Designer*innen, die das Erscheinungsbild des Festivals Jahr für Jahr neu interpretiert haben.
Der Anspruch von Lilli Hollein, Tulga Beyerle und Thomas Geisler war von Beginn an, Design aus einer rein elitären und dekorativen Nische herauszuholen und stärker mit der Stadt und ihren Menschen zu verbinden. Was 2006 als mutiger Versuch begann, entwickelte sich über die Jahre zu einem Festival, das Wien selbst zum Schauplatz und Labor für Gestaltung macht.
Wien als Designlabor
Die Besonderheit liegt dabei nicht zuletzt in ihrer räumlichen Offenheit. Statt sich auf klassische Messehallen oder einen einzigen Veranstaltungsort zu konzentrieren, verteilt sich das Festival über die Stadt. Wien wird zur Bühne, zum Ausstellungsraum und zum Experimentierfeld.
Seit 2021 wird das Festival von Gabriel Roland geleitet. Das Prinzip des urbanen Entdeckens ist dabei ein wesentlicher Bestandteil geblieben. Der Verzicht auf eine dauerhafte museale Verortung ermöglicht es, jedes Jahr neue Orte, Bezirke und Perspektiven einzubeziehen.
Formate wie die „Passionswege“ stehen exemplarisch für diesen Ansatz. Internationale Designstudios treffen dabei auf Wiener Handwerksbetriebe und entwickeln gemeinsam neue Perspektiven auf Materialien, Techniken und Gestaltung. Die „Stadtarbeit“ wiederum versteht Design als Werkzeug für soziale Stadtgestaltung und beschäftigt sich mit den konkreten Lebensräumen der Stadt.
Design wird so nicht nur ausgestellt, sondern findet mitten im urbanen Alltag statt.

Bia Grabner, Rudolf Zündel, Plakat Vienna Design Weeks 2007 © Bia Grabner, Rudolf Znüdel
Das Plakat als visuelles Statement
Eine besondere Rolle spielt dabei seit jeher die visuelle Kommunikation des Festivals. Wer auf den Plakaten klassische Produktfotografie oder die perfekt ausgeleuchtete Ästhetik eines Möbelkatalogs erwartet, findet etwas anderes: Typografie, grafische Experimente, irritierende Bildwelten und immer wieder neue Interpretationen des Festivalnamens.
Die jährlichen Kampagnen spiegeln damit auch die inhaltliche Entwicklung wider. Unterschiedliche Grafikdesignstudios haben das Erscheinungsbild über die Jahre geprägt, darunter Bia Grabner und Rudolf Zündel, Bueronardin, Fredmansky und Studio Sirene.
Dabei trifft ein wiedererkennbarer institutioneller Rahmen auf die gestalterische Freiheit der jeweiligen Kampagne. Die Wortmarke bleibt als visueller Anker bestehen, wird jedoch immer wieder dekonstruiert, verschoben oder typografisch neu gedacht.
Gerade diese Spannung macht die Plakate interessant: Sie müssen das Festival erkennbar machen und dürfen sich gleichzeitig nicht wiederholen.

Bueronardin Plakat für die Vienna Design Week 2023 © Bueronardin
Zwei Jahrzehnte Grafikdesign im öffentlichen Raum
Besonders prägend waren zwischen 2011 und 2024 Christof Nardin und Pascal Magino von Bueronardin, die in dieser Zeit die grafische Identität mitgestalteten. Ihre Kampagne aus dem Jahr 2020 wurde beim Wettbewerb 100 Beste Plakate. Deutschland Österreich Schweiz ausgezeichnet. Ein weiteres ihrer Plakate schaffte es 2013 ins Finale der European Design Awards.
Damit stehen die Kampagnen exemplarisch für eine Entwicklung, die über reine Veranstaltungswerbung hinausgeht. Die Plakate funktionieren auch als eigenständige grafische Arbeiten und werden mit zeitlichem Abstand selbst zu Dokumenten ihrer jeweiligen Epoche.
Genau darin liegt auch der Reiz der Ausstellung im MAK. Was einst vor allem dazu diente, auf ein Festival aufmerksam zu machen, wird nun selbst zum historischen und gestalterischen Archiv. Die Plakate erzählen von wechselnden visuellen Trends, unterschiedlichen grafischen Handschriften und der stetigen Veränderung eines Festivals, das sich selbst nie auf eine einzige Form festgelegt hat.
Eine Stadt voller Plakate
Über zwei Jahrzehnte hinweg haben die Kampagnen das Wiener Stadtbild immer wieder verändert. Sie begegnen Passant*innen nicht nur als Wegweiser zu Veranstaltungen, sondern als eigenständige visuelle Impulse. Manche funktionieren auf den ersten Blick, andere verlangen einen zweiten.
Damit erfüllen die Plakate eine Funktion, die gut zum Selbstverständnis der VIENNA DESIGN WEEK passt: Sie holen Gestaltung aus dem geschlossenen Ausstellungsraum heraus und bringen sie dorthin, wo sie möglichst viele Menschen erreicht – auf die Straße.

Studio Sirene, Plakat für die Vienna Design Week 2026 © SIRENEStudio
Zum 20-jährigen Jubiläum wird diese visuelle Geschichte nun selbst zum Ausstellungsgegenstand. Gezeigt wird nicht nur die Entwicklung einer Festival-CI, sondern auch, wie Grafikdesign den öffentlichen Raum prägen und den Blick auf Gestaltung verändern kann.
Die Ausstellung wird am Dienstag, 29. September 2026 um 19 Uhr eröffnet, der Eintritt zur Eröffnung ist frei. Zu sehen ist sie bis 1. November 2026 im MAK Plakat Forum im MAK, Stubenring 5, 1010 Wien.
Titelbild: © SIRENEStudio