Aus der Werkhalle zur Ikone: USM Haller

Ein Möbel, das sich seit über fünf Jahrzehnten kaum verändert hat – und trotzdem aktueller denn je erscheint?

Was widersprüchlich klingt, wird im Fall von USM Haller zur gestalterischen Pointe. In einer Zeit, in der Räume sich laufend neu definieren – zwischen Homeoffice, Hospitality und hybriden Nutzungskonzepten – erweist sich der Schweizer Systemklassiker als erstaunlich visionär.

Denn USM Haller ist weit mehr als ein Regalsystem. Es ist eine Haltung gegenüber Raum, Struktur und Veränderung. Modular, langlebig, präzise – und offen für alles, was kommt.
Die Geschichte beginnt 1963, als der Architekt Fritz Haller für den Metallbaubetrieb USM ein neues Fabrikgebäude entwirft – samt einem Möbelsystem, das Ordnung ins Unternehmen bringen soll. Stahlrohre, verchromte Kugelverbindungen, lackierte Metallpaneele: Was als funktionale Betriebseinrichtung gedacht war, wurde zur Blaupause für ein flexibles, erweiterbares Möbelsystem – bis heute nahezu unverändert in Form und Funktion.

1969 beginnt die Serienproduktion. Und damit eine Erfolgsgeschichte, die USM Haller zu einem der bedeutendsten Möbelentwürfe des 20. Jahrhunderts macht. Zunächst in Büros, Verwaltungen und Kanzleien eingesetzt, fand das System später auch Einzug in Wohnräume, Galerien und Concept Stores – überall dort, wo Wandelbarkeit auf Gestaltung trifft.


Der entscheidende Unterschied zu anderen Möbeln: USM denkt Räume immer als System. Jedes Element – ob Sideboard, Regal oder Container – lässt sich umbauen, erweitern, neu konfigurieren. Genau darin liegt die eigentliche Relevanz des Klassikers: In einer Welt, in der sich Nutzungen ständig verschieben und verändern, bietet USM eine Struktur, die Veränderung mitdenkt.

Auch für Architekt:innen eröffnet das neue Möglichkeiten: Die Möblierung wird zum Teil des Raumkonzepts. In temporären Showrooms, Co-Working-Flächen oder adaptiven Grundrissen fungiert USM nicht nur als Ausstattung, sondern als zonierendes Element.

Design, das bleibt – aber nicht stehen bleibt

Optisch bewegt sich USM Haller zwischen minimalistischer Sachlichkeit und technischer Eleganz. Die reduzierte Formensprache, die industriell anmutende Präzision, die klaren Raster: All das macht das System extrem anschlussfähig – es passt sowohl zu moderner Innenarchitektur als auch in historische Kontexte.

Was es so zeitlos und speziell macht, ist aber nicht nur sein Design, sondern seine innere Logik. Wer heute ein Modul konfiguriert, kann es in zehn Jahren umbauen – ohne Qualitätsverlust, ohne ästhetischen Bruch. Die Elemente sind langlebig, reparierbar und zu 100 % recycelbar. Damit ist USM nicht nur ein Möbelklassiker, sondern auch ein Pionier der Circular Economy im Möbelbau – lange bevor Nachhaltigkeit zur Pflicht wurde.

Aktuelle Relevanz

Dass USM Haller derzeit eine Renaissance erlebt, liegt nicht an Retro-Ästhetik, sondern an funktionaler Weitsicht. In einem Markt, der temporäre Nutzung, flächeneffizientes Planen und hybride Raumlösungen fordert, bietet das System genau die Antwort, die klassische Innenausbauten oft nicht liefern können.

In neuen Co-Working-Konzepten, kuratierten Living-Showrooms oder hochwertigen Pop-up-Retail-Projekten wird USM zunehmend als dynamisches Raumelement eingesetzt. Es lässt sich verschieben, skalieren, zurückbauen – ohne an Wert oder Wirkung zu verlieren.