Von Therme bis Hotel: Fünf besondere Orte für ästhetisches Pilgern

Bußgang, Bibel und Blasen an den Füßen? Diese Zeiten sind vorbei. Denn „Ästhetisches Pilgern“ führt nicht (nur) nach Santiago – sondern zu Kapellen in Landschaften, minimalistischen Retreats und radikal stillen Hotels.

Immer mehr Menschen suchen Orte, die nicht belehren, sondern berühren. Und sie finden sie – jenseits der bekannten Routen – in stillen Kapellen, minimalistischen Hotels und Retreats, in denen Architektur, Natur und Achtsamkeit eine neue Verbindung eingehen. „Ästhetisches Pilgern“ ist das bewusste Unterwegssein zu Orten, die Gestaltung, Atmosphäre und Reduktion zur Erfahrung machen. Design Deluxe hat sich auf die Suche nach fünf besonderen Orten gemacht.

Therme Vals, Schweiz

Die Therme Vals ist ein Werk von Peter Zumthor – und längst ein Klassiker zeitgenössischer Architektur. Der Bau besteht aus 60.000 Quarzitplatten aus der Region, geschichtet wie eine archaische Formation. Zumthor spricht vom „Bauen aus dem Material heraus“, und genau das spürt man in jedem Detail: Die Gänge sind schmal und labyrinthisch, das Licht dringt gezielt durch kleine Öffnungen, die Akustik ist gedämpft. Es ist ein Ort, der den Besucher nicht bedient, sondern führt – zu einem langsameren Rhythmus, einer tieferen Wahrnehmung. Wellness wird hier zur kontemplativen Raumreise.

Juvet Landscape Hotel, Norwegen

Das norwegische Architektenduo Jensen & Skodvin hat mit dem Juvet Landscape Hotel ein Projekt realisiert, das bewusst auf Präsenz verzichtet. Die einzelnen Kuben aus dunklem Holz und Glas scheinen zwischen Bäumen und Felsen zu schweben, ohne der Natur etwas aufzuzwingen. Innen dominiert konsequente Reduktion: Sichtbeton, geölte Böden, schlichte Möbel. Die Panoramafenster rahmen die Landschaft wie ein lebendiges Gemälde. Hier wird Architektur nicht zur Bühne, sondern zum Resonanzraum – für das, was draußen geschieht. Und für das, was in einem selbst in Bewegung kommt.

Monastero Arx Vivendi, Italien

Das ehemalige Kloster in Arco wurde vom Südtiroler Büro noa (network of architecture) in ein stilles, aber hoch ästhetisches Refugium verwandelt. Die Architekt:innen arbeiteten mit großem Respekt gegenüber der historischen Bausubstanz: Die symmetrischen Klostergänge blieben erhalten, ebenso das rhythmische Fassadenbild und die hohen Decken. Neu hinzu kommen helle Naturmaterialien, maßgefertigte Möbel, viel Leere – und gezielt eingesetztes Licht. Die Spa-Bereiche liegen wie Rückzugsräume im Grünen, mit Sichtachsen in den ehemaligen Klostergarten. Eine Transformation, die den Geist des Ortes nicht überformt, sondern in die Gegenart übersetzt.

Eremito, Umbrien

Das Eremito wurde von Unternehmer Marcello Murzilli entworfen – nicht von einem bekannten Architekturbüro, aber mit einer archaischen Klarheit, die an die Struktur alter Klosteranlagen erinnert. Die Mauern aus Naturstein, die schmalen Fenster, die einfachen, fast zellhaften Räume: alles wurde in Handarbeit errichtet, ohne Maschinen. Der Stil? Radikal reduziert – ohne Strom in den Zimmern, ohne digitale Ablenkung. Die Möbel sind aus Massivholz, die Textilien aus Leinen, die Beleuchtung erfolgt mit Kerzen. Es ist ein spiritueller Ort in Form eines Hauses – gebaut nicht für den Effekt, sondern für das Innehalten.

Vigilius Mountain Resort, Südtirol

Das Vigilius Mountain Resort wurde von Matteo Thun entworfen, einem der profiliertesten italienischen Architekten der Gegenwart. Der Bau liegt oberhalb von Lana und ist ausschließlich per Seilbahn erreichbar. Thun wollte ein Hotel bauen, „das nicht stört“ – entstanden ist eine langgestreckte Struktur aus heimischem Lärchenholz, Glas und Naturstein, die sich harmonisch in die Hanglage einfügt. Innen herrschen klare Linien, warme Materialien und eine zurückhaltende Farbpalette. Das Design ist puristisch, aber einladend: kein Dekor, kein Übermaß – dafür Licht, Luft und Landschaft. Nachhaltig gebaut, klimaneutral geführt – und mit einer architektonischen Sprache, die ruhig spricht, aber lange nachhallt.Design Deluxe hat sich auf die Suche nach fünf Orten gemacht, , an denen genau das möglich ist.

(c) 7132 Hotel – Julien Balmer; Vigilius Mountain Resort Tobias Kaser; PR