Zuhause bei Designerin Lena Hoschek: „Go bold or go home!“

Die Designerin gewährt Einblicke in ihr Zuhause – eine eklektische Mischung aus Antiquitäten, floralen Mustern und persönlichen Lieblingsstücken. Warum ihr Stil nie fertig ist, welches Geständnis sie über ihr Wohnverhalten macht und wieso sie sich in einem Museum niemals wohlfühlen würde.

„Der Grundtenor einer Einrichtung wird für mich vom Baujahr des Hauses geprägt“, erklärt sie. Ihre Mietwohnung befindet sich in einem Jugendstilhaus – und so spielen auch die floralen Tapeten von William Morris eine zentrale Rolle in ihrem Wohnkonzept. Blumen sind für Lena Hoschek eine Konstante: „Ob im Garten, in Büchern, auf Kleidern, Geschirr oder Bettwäsche – Blumen begleiten mich überall und machen mich glücklich.“ Ihr Einrichtungscredo? „Go bold or go home.“

Ihre Liebe zu Antiquitäten begann früh. „Ich sammle seit meinem 18. Lebensjahr besondere Stücke auf Flohmärkten“, erzählt sie. Einige davon stammen noch aus dem Haushalt ihrer Eltern – offiziell als „Leihgabe“ deklariert. Lieblingsstücke hat sie viele, doch besonders stolz ist sie auf einen moldawischen Rosenkelim, den sie sich erst vor wenigen Jahren leisten konnte. „Ich besitze keine typischen Designermöbel – das war nie mein Ding. Ich mag Stücke, die mich berühren und an denen ich nicht einfach vorbeigehen kann.“

Ihr persönliches Refugium?

Ganz klar das Schlafzimmer. „Ich liebe mein Bett und genieße es, lange liegen zu bleiben – egal ob bei schlechtem Wetter oder manchmal sogar mit schlechtem Gewissen bei Sonnenschein.“ Für Hoschek ist es ein Ort der Ruhe, der Liebe und des Träumens. „Vielleicht bin ich deshalb so belastbar und kann mit meinem stressigen Alltag gut umgehen – weil ich mir diese kleinen Auszeiten bewusst nehme.“

Interieur-Design ist für Lena Hoschek eine größere Inspirationsquelle als Mode. „Ich konsumiere fast ausschließlich Interieur-Magazine und sammle seit meiner Teenagerzeit Bücher über Einrichtung und Gartengestaltung.“ Ihre Vorliebe für englische Rosendrucke ließ sie sogar in ihre Mode einfließen. „Als ich 2005 feststellte, dass es solche Muster in der Modeindustrie kaum gab, habe ich meine eigenen Stoffe bei Interieur-Herstellern produzieren lassen.“ Das betrifft auch Farben, die ebenso eine zentrale Rolle – sowohl in ihrer Mode als auch in ihrer Einrichtung – spielen. „Ich liebe Clashing Colors, aber genauso komme ich immer wieder auf Carpet Colors zurück – diese klassischen Töne, die sich in Teppichen wiederfinden.“

Ein Geständnis macht die Designerin im Interview auch – ihr Zuhause ist nie wirklich fertig. „Kein einziger Raum, in dem ich wohne, war jemals wirklich abgeschlossen“, sagt sie schmunzelnd, denn ihr Maximalismus erfordert Zeit – und Geduld. „There is a fine line between Maximalism and Cat Lady Clutter“, lacht sie. Entscheidend sei, dass hochwertige Stücke verwendet werden: „Teure Stoffe, Antiquitäten, erlesene Möbel – so etwas braucht Jahrzehnte, bis es komplett ist.“

Geschichten erzählen

Doch die Stücke sollen nicht nur schön aussehen und eine Geschichte erzählen, denn mit den Jahren hat sich auch ihre Einstellung zur Funktionalität verändert. „Funktionalität wird mir langsam immer wichtiger – besonders seit ich Kinder habe.“ Ihre Möbel müssen genutzt werden können. „Ein Sessel, der zwar toll aussieht, aber beim ersten Gast zusammenbricht, gehört ins Museum – und ich möchte nicht in einem Museum leben.“ Minimalismus und sterile Räume sind für sie keine Option. „Je voller ein Raum ist, desto weniger fällt es auf, wenn etwas nicht perfekt ist. Ich liebe das Lebendige, das durch gefüllte Räume entsteht.“

Wie bei ihren Kollektionen folgt sie auch bei der Einrichtung keinem externen Konzept. „Ich lege meine Hand darauf, und entweder spricht es mich an oder nicht.“ Was hingegen eine sehr wichtige und wesentliche Rolle spielt, ist das Thema Nachhaltigkeit. „Ich bevorzuge alte Produkte gegenüber neuen, da sie meist einen Wiederverkaufswert haben.“ Flohmärkte, Antiquitätengeschäfte und Online-Plattformen wie Willhaben sind für sie wahre Schatzkammern.

Klassische Kunst sucht man in ihrer Wohnung vergeblich. „Das meiste, was bei mir an der Wand hängt, sind Schmetterlingspräparate und Botanical Prints.“ Statt berühmter Gemälde ist es die Komposition eines Raumes, die für sie Kunst schafft. „Ein Raum sollte einen aufwerten und ein erhebendes Gefühl vermitteln – genauso wie Kleidung.“

Auf die Frage nach einem lang gehegten Wohntraum hat sie eine klare Antwort: „Ein Greenhouse! Ein richtig schönes, altes. Ich liebe den Duft von Orangen- und Zitronenblüten und stelle es mir herrlich vor, dort zu sitzen – mit Rattanmöbeln, Teppichen und blühenden Pflanzen. Das ist natürlich ein sehr teurer Wunsch und nicht so leicht umzusetzen. Aber träumen darf man ja!“

„Grün, antik, cozy.“

Obwohl sie ein Faible für opulente Räume hat, braucht sie Ordnung und Sauberkeit, um sich wirklich wohlzufühlen. „Frische Blumen auf dem Tisch und schön arrangierte Einkäufe in der Küche – dann fühle ich mich wohl.“ Mit kleinen Kindern sei Perfektion aber eine Illusion. „Perfektionismus muss man hinter sich lassen.“

Und wie beschreibt sie ihr Zuhause in drei Worten? „Grün, antik, cozy.“

Auch wenn ihr Stil eigenwillig ist, gibt es Dinge, die für sie nicht infrage kommen. „Organza-Vorhänge sind für mich das Pendant zu glänzenden Strumpfhosen“, sagt sie schmunzelnd. Weitere No-Gos: Laminatböden, moderne Wascharmaturen, Plastiktischdecken und „Live, Laugh, Love“-Sprüchebilder.

Lena Hoscheks Zuhause ist ein Spiegel ihrer Persönlichkeit: eklektisch, detailverliebt und voller Charme. Ihr Wohnstil ist ein Sammelsurium aus Erinnerungen, Lieblingsstücken und Inspirationen – und genau das macht ihn so besonders.

Den Look nachshoppen?

Wer den charmant-verspielten Look von Lena Hoschek auch zuhause inszenieren möchte, setzt auf eine harmonische Mischung aus viktorianischem Flair, folkloristischen Elementen und einem Hauch Bohème. Die Vogeltapete „Seasons by May“ von Morris & Co. bringt mit ihren zarten Naturmotiven und warmen Farben sofort nostalgische Eleganz an die Wand – ein echter Blickfang, der wie gemacht scheint für ein Hoschek-inspiriertes Interieur. Dazu passt der Teppich „Matteo“ von Loberon, der mit seinem orientalisch anmutenden Muster und der sanften Farbgebung gemütliche Wärme verleiht. Als stilistisches Statement fügt sich der Holzstuhl im Lali-Style mit Armlehnen von Sklum perfekt ein: Seine organische Form und das natürliche Material greifen die traditionelle Handwerksästhetik auf, die auch Hoscheks Mode prägt.

(c) Michael Zahnschirm; Susanne Hassler-Smith