Die schönsten Restaurants der Welt

Diese Dining-Spaces vereinen Architektur, Atmosphäre und Kulinarik. Das vielleicht überraschendste, aber in jeder Hinsicht herausragende Projekt kommt aus Österreich.

Dass sich ein Restaurant aus Österreich unter den 45 schönsten weltweit behauptet – und sogar ganz oben auf dem Siegerpodest steht – ist bemerkenswert. Dass es sich dabei um ein vietnamesisches Fine-Dining-Konzept in Graz handelt, ist eine Überraschung. Und doch passt alles zusammen: VINA, entworfen vom Grazer Architekturbüro INNOCAD, wurde in London mit dem Titel „Best Leisure Interior of the World“ ausgezeichnet und setzt damit neue Maßstäbe für gestalterische Raumqualität im Hospitality-Bereich.

Der Entwurf vereint feinfühlig zeitgenössisches Design mit kultureller Tiefe. Die Jury der International Property Awards 2025 lobte insbesondere die atmosphärisch dichte Komposition aus Schwarz, dunklem Grün und goldenen Akzenten, die zwischen sinnlicher Opulenz und kontrollierter Intimität balanciert. Kreisförmige Muster tauchen als visuelle Leitmotive im gesamten Interieur auf – ein subtiler Verweis auf vietnamesische Symbolik, architektonisch abstrahiert und ästhetisch pointiert umgesetzt.

Tragend ist dabei auch die Geschichte hinter dem Raum: Küchenchefin Thi Ba Nguyen, 84 Jahre alt und laut Gault&Millau aktuell die älteste ausgezeichnete Spitzenköchin weltweit, prägt gemeinsam mit Sohn Robert Nguyen das VINA nicht nur kulinarisch, sondern atmosphärisch.

Weitere herausragende Beispiele

Ariana’s Persian Kitchen in Dubai etwa interpretiert die Opulenz persischer Gestaltungstraditionen neu. Warme Farbtöne, ornamentale Strukturen und handverlesene Textilien erzählen eine visuelle Geschichte von Gastlichkeit, ohne dabei folkloristisch zu werden. Es ist ein Raum, der mit kultureller Tiefe spielt, aber ganz im Jetzt verankert ist.

Reine & La Rue in Melbourne zeigt, wie sich historische Substanz mit zeitgenössischer Leichtigkeit verbinden lässt. Das Restaurant befindet sich in einem ehemaligen Börsengebäude aus dem 19. Jahrhundert, dessen architektonische Wucht durch reduzierte Farbgebung, moderne Lichtobjekte und eine subtile Materialwahl neu gelesen wird. Das Ergebnis: ein faszinierender Dialog zwischen Alt und Neu.

In São Paulo hat Tuju ein Raumkonzept realisiert, das fast vollständig auf Trennung zwischen innen und außen verzichtet. Viel Glas, rohe Materialien wie Stein und Holz und eine fast wilde Begrünung lassen das Restaurant wie einen organischen Teil der Stadtlandschaft wirken – gleichzeitig urban und naturverbunden.

Le Pristine in Antwerpen verfolgt eine gegensätzliche Strategie: Reduktion als Stilmittel. Weiße Flächen, präzise gesetzte Kunstobjekte und eine fast klinische Klarheit in der Raumführung schaffen eine Atmosphäre, die konzentriert und kontemplativ wirkt. Materialakzente wie Messing oder Naturstein sorgen für sinnliche Tiefe jenseits des Minimalismusklischees.

Inua in Tokio zeigt sich als Ergebnis einer kulturellen Fusion: Skandinavisches Design trifft japanische Handwerkskunst. Der Raum ist lichtdurchflutet, ruhig und klar gegliedert. Möbel und Oberflächen wurden in Zusammenarbeit mit regionalen Werkstätten entwickelt – ein ästhetisch wie konzeptionell fein austariertes Zusammenspiel aus Lokalem und Globalem.

The Jane, ebenfalls in Antwerpen, gehört längst zu den Ikonen der Szene. Untergebracht in einer entweihten Kapelle, balanciert das Interior zwischen sakraler Grandezza und urbaner Extravaganz. Alte Gewölbe, bunte Glasfenster und moderne Designobjekte begegnen sich ohne Ironie – hier wird Atmosphäre zum Ereignis.

L’Abysse au Pavillon Ledoyen in Paris ist ein Beispiel für zurückhaltenden Luxus. Dunkles Holz, textile Wandverkleidungen, gedämpftes Licht – der Raum wirkt fast wie ein akustisch perfektionierter Konzertsaal für Aromen. Japanische Reduktion trifft auf französische Raffinesse, ohne sich gegenseitig

(c) Rein & La Rue Samanta Schultz; Paul Ott; Inua ; The Jane; L’Abysse au Pavillon Ledoyen; Le Pristine; Tuju